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Zwist um Silvesterfeuerwerk – Offener Brief an Bischofswieser Bürgermeister

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Berchtesgadener Land: Streit um Silvesterfeuerwerk – Offener Brief an Bischofswieser Bürgermeister
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Feuerwerke stoßen im südlichen Berchtesgadener Land zunehmend auf Skepsis. Dem Verband der pyrotechnischen Industrie gefällt das nicht. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Die aus Umweltschutzgründen zunehmende Kritik an Feuerwerken, insbesondere an der Silvesterknallerei, stößt beim Verband der pyrotechnischen Industrie freilich auf wenig Gefallen. Dessen Vorsitzender Thomas Schreiber wandte sich jetzt in einem offenen Brief an Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber.


Der hatte im Gemeinderat letzte Woche mitgeteilt (zum Bericht), dass man den Bischofswieser Bürgern künftig den freiwilligen Verzicht auf Silvesterfeuerwerke ans Herz legen wolle. Als Grund nannte der Rathauschef, ohne allerdings irgendwelche Zahlen zu nennen, die aktuelle Feinstaubdebatte.

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»Seit Beginn der Diskussionen über mögliche Feuerwerksverbote sieht sich die durch uns vertretene pyrotechnische Branche im öffentlichen Diskurs mit einer Fülle an Falschinformationen konfrontiert«, betont Thomas Schreiber, Vorsitzender des Verbandes der pyrotechnischen Industrie mit Sitz in Ratingen. Immer wieder würden Zahlen auftauchen, die »jeglicher Grundlage entbehren«. Denn Feuerwerk mache keineswegs ein Sechstel der jährlich in Deutschland ausgestoßenen CO2-Emissionen aus. Der Anteil der jährlichen CO2-Emissionen in der Bundesrepublik durch Feuerwerk betrage lediglich ein Millionstel der Gesamtmenge. »Auf eine Tonne Netto-Explosivstoffmasse im Feuerwerk – und das ist der einzige CO2-Erzeuger im Produkt – kommen lediglich 156 Kilogramm CO2«, heißt es in dem Schreiben.

Umgerechnet auf den bundesweiten Feuerwerksverkauf pro Jahr, entspreche dies einer Menge von 420.000 Litern Dieselkraftstoff. Im Vergleich dazu: Allein pro Tag würden in Deutschland rund 58 Millionen Liter Diesel verbraucht.

Auch in der Diskussion rund um das Thema Feinstaub sieht sich der Verband der pyrotechnischen Industrie falschen Zahlen ausgesetzt. »Sowohl die vom Umweltbundesamt kolportierten 4500 Tonnen Feinstaub als auch die 5000 Tonnen der Deutschen Umwelthilfe entbehren jeglicher Grundlage«, schreibt der Verband. Beide Zahlen beruhten auf Rechnungswegen, die mittels eines geschätzten und modellierten Emissionsfaktors zustande kommen. Eine Messung der realen Feinstaubmengen sei bislang nicht durchgeführt worden.

Derzeit erstellt ein vom Verband der pyrotechnischen Industrie beauftragtes Institut eine Feinstaubmessung. »Erste Ergebnisse zeigen jedoch, dass die tatsächlichen Feinstaubmengen signifikant geringer ausfallen als bislang vom UBA und der DUH kommuniziert«, heißt es in dem Schreiben. Darüber hinaus hat der Verband der pyrotechnischen Industrie kürzlich eine Kanzlei mit einem Rechtsgutachten beauftragt, das die Möglichkeiten kommunaler Feuerwerksverbote prüft. Dazu schreibt der Verband: »Die von uns beauftragte Kanzlei kommt dabei zu dem Ergebnis, dass weder das Bundesimmissionsschutzrecht noch die Landesimmissionsschutzgesetze oder die allgemeinen Polizeigesetze der Länder Raum dafür geben, Beschränkungen oder Verbote zu erlassen.«

An der Praxis der Gemeinden im südlichen Berchtesgadener Land, den Bewohnern und Gästen den Verzicht auf Silvesterfeuerwerke zu empfehlen, wird dies jedoch nichts ändern. Denn von Verboten war hier bislang keine Rede. Ulli Kastner

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