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Zwischen Tradition und Moderne

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Sie finden nicht zueinander: Der Amazone Penthesilea (Julie Bader) und dem Krieger Achilles (Jonas Trautner) bleibt am Ende nur der Tod. (Foto: Stefan Schuch)

Einem spannenden Thema haben sich die Schüler und Lehrer des Traunsteiner Chiemgau-Gymnasiums im Rahmen des P-Seminars Musik in Zeitraum von zwei Jahren gewidmet: Auf der Grundlage der gekürzten Fassung einer Schultheaterinszenierung von Michael Stielike aus dem Jahr 2002, der das Theaterstück »Penthesilea« von Heinrich von Kleist beim Klett-Verlag herausgebracht hat, erarbeiteten die Schüler gemeinsam mit ihren Lehrern die musikalische Gestaltung heraus und ordneten dabei die jeweiligen Motive und Charaktere akribisch zu.


Das Stück zeigt, wie nie hinterfragte Traditionen und Rituale die Lebendigkeit und die Spontanität der Gefühle zum Tode verurteilen können. Die Liebe zwischen der Amazone Penthesilea, eindringlich gespielt von Julie Bader, und Achilles, mit männlicher Dominanz dargestellt von Jonas Trautner, ist gegen das Gesetz, denn die Amazonen sollen sich aufgrund einer uralten Überlieferung, deren Hintergrund niemand mehr so recht kennt, zur Fortpflanzung wahllos mit einem der besiegten Krieger paaren, die sie in der Schlacht erbeutet haben, und die Liebe soll auf gar keinen Fall eine Rolle dabei spielen.

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Die Zerrissenheit zwischen Tradition und Moderne ist auch in der heutigen Zeit ein Thema. Das Aufbrechen alter Strukturen, das Aufblühen eines Individuums geht nicht selten mit dem Verlust der Stellung in Gesellschaft und Familie einher, das ist besonders bei sehr religiösen Gesellschaftsformen zu beobachten.

Das Schlachtengetümmel zu Beginn des Stücks war von einem gefährlich wirkenden sirrenden Klangbild begleitet, das gleichzeitig die Unwirklichkeit und Sinnlosigkeit des Geschehens betonte. Die stolzen und schönen Amazonen, gegen den stolzen und nicht minder feschen Kämpfertrupp des Achilles – da war die Ambivalenz des Geschehens schon zu spüren. Das Stück endete mit dem Tod der beiden Hauptprotagonisten, da verletzter Stolz, Verzweiflung, Wut und Eitelkeit sich in wilder Raserei entluden.

Die sehr ästhetische Inszenierung, das energiegeladene Schauspiel aller Darsteller, die musikalische Umsetzung mit Geige, Stimme, Klarinette, Saxofon und Mundharmonika (Spiel mir das Lied vom Tod), Klavier, Schlagwerk, Trommeln und andere Sound-Effekte waren sinnstiftend eingesetzt, nur einmal war durch die musikalische Überlagerung der Sprechstimmen der Text schlecht zu verstehen, der aber sonst in gebotener Deutlichkeit gut und engagiert gesprochen wurde.

Die Schlüsselszene des Stücks – in der sich die beiden Liebenden nach dem Kampf zum ersten Mal näherkommen – bekam durch den famosen Regieeinfall, dass die beiden sich auf herbei geschobenen und der Länge nach aufgestellten Quadern begegnen, eine ganz besondere Qualität. Eine starke Fokussierung auf die dramatischen Gefühle der Darsteller wurde so auch für die Zuschauer erlebbar. Die Aufführung mit über 40 Schülern leiteten die Lehrer Stefan Schuch, Margit Guder und Christina Pigerl. Barbara Heigl

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