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Zwei Tage Party auf hohem Niveau

Es ist nicht abschließend erwiesen, ob der Geist des alten Raubritter Heinz vom Stein noch in der Höhlenanlage umhergeht. Sollte dem so sein, ist es sehr wahrscheinlich, dass er äußerst unsanft aus seiner Ruhe geweckt wurde, konkreter: Es wird ihn zwei Tage lang aus seiner Rüstung geblasen haben. LaBrassBanda lud zum Chiemgauer Heimspiel-Festival, kräftige Schallwellen sollten das Trauntal fluten: Neue Platte, neue Show und viele musikalische Freunde waren mit von der Partie: Lenze & di Buam, Vait, Supervision, Mundwerk, Animal Noise und viele mehr boten einen äußerst bunten Querschnitt.

Lenze und seine Buam bestechen durch professionelle Unprofessionalität. So muss Authentizität aussehen. Das kann man nicht spielen, das kann man nur leben. Wunderbar einfach, wunderbar lustig, alles echt und obendrein auch noch stimmungsladen. Wir werden noch einiges von ihnen hören. Das Publikum am zweiten, spontan nachgeschobenem Festivaltag war begeistert – die Zuschauerreihenwaren jedoch etwas lichter. Der erste Tag war ausverkauft.

Vait aus Bad Aibling boten den zweiten Act. Die Jungs kamen dynamisch daher, knüpften nahtlos den Stimmungsfaden weiter. Klasse Musik, rockig, teils poetisch, in jedem Fall aber mitreißend. Die Ansagen auf Hochdeutsch, die Texte tief bayerisch – wie auch immer: es gab eine satte Sympathiepunktezahl.

Supervision, die Herren aus Österreich, kredenzten sauberen Ska-Stil und boten ein buntes musikalisches Arrangement. Auch sie – vom Festivalfieber infiziert – heizten die positiv geladenen Stimmungsteilchen weiter an und übergaben schließlich an die aus dem Chiemgau stammende Band Mundwerk.

Die Choreografie des Festival-Programms war wahrlich fein abgestimmt. Mundwerk, nun im Tempo noch mal eine Umdrehung schneller, sorgten für guten, soliden HipHop der mit Rap-Elementen nicht geizte. Eine Portion Reggae und Funk dazu, fertig war das »Beste-Laune-Menü«. Die Stimmung auf dem gesamten Gelände: bestens.

Animal Noise, das etwas wilde Trio, ließ die Waldbühne mit krachenden Rhythmus-Sektionen, schnell gezupften Licks auf einer spanischen Gitarre und seelenvollen Gesangsstimmen im Vollgas-Modus rocken. Zerschrammte, ramponierte und getriebene Musik, die sich zwischen Jose Gonzales und Daft Punk einordnen lässt, war der Pacemaker für den großen Schlussakkord, der dann zum Höhepunkt führen sollte.

LaBrassBanda gab sich die Ehre, ein völlig entspannter Stefan Dettl begrüßte die mittlerweile zahlreich erschienenen Fans und ließ es sich nicht nehmen, auch während der kommenden zwei Stunden stets und immerwährend das enge und persönliche Band zum Publikum zu knüpfen. Er holte jeden einzelnen ab, erreichte auch die »uninteressierteste« Seele (so überhaupt eine anwesend war) und spielte seinen ganzen schelmischen Charme aus.

Stefan und seine Truppe spielten also völlig relaxed auf. Das neue Album »Europa« im Gepäck und jede Menge Geschichten mit an Bord. Der Rhythmus wie immer »Blechgetrieben«, das Tempo bisweilen hoch, die Botschaft boarisch. Die Qualität immens. Die barfüßige Band marschiert, »Tecno« oder auch das brasilianische »Jaqueline« oder das berühmte »Nackert«, egal welcher Song aus der neuen CD »Europa« präsentiert wurde: Die Gemeinde war aus dem Häuschen, Raubritter Heinz vom Stein wahrscheinlich auch.

Die sich vor lauter Begeisterung bildende Polonaise war Anlass genug für Stefan Dettl, die Frage zu stellen »derf mer mit macha?«. Keine Antwort abwartend, waren alle Bandmitglieder im Nu in der Menge verschwunden, Trompete, Tuba und weitere Instrumente im Gepäck, das Konzert ging seinen Gang. Kurzum: Ein phantastisches Festival, bestes Wetter und beste Stimmung, musikalische Leckerbissen, viele begeisterte Besucher und ein lärmbelästigter Höhlengeist. Udo Kewitsch