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Zwei Streichquartette und ein Pferdekopf

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Ein schwungvoller Schlussakkord des Salzburg Ensembles mit Daniela Beer und Florian Beer, Violinen, Romana Rauscher, Viola, und Simon Nagl, Violoncello. (Foto: Janoschka)

In einer Veranstaltung der Kulturinitiative Ruhpolding konnten die Besucher zwei große Streichquartette in der Kirche St. Valentin in Zell mit großem Genuss hören: das Streichquartett in F-Dur, op. 96 mit dem Beinamen »Amerikanisches Quartett« von Antonin Dvorák (1841 bis 1904) und dasjenige in g-Moll, op. 27 von Edvard Grieg (1843 bis 1907).


Im sonnendurchfluteten Altarraum unter dem mit Fresken bemalten Kreuzrippengewölbe und bei angenehmer Kühle, bescherte das Salzburg Ensemble - Daniela Beer und Florian Beer, Violinen, Romana Rauscher, Viola und Simon Nagl, Violoncello - den zahlreichen Zuhörern eine sonntäglich-romantische Klassik-Matinée mit zwei Komponisten, die als Zeitgenossen typische Vertreter der Romantik waren. Und dennoch hatte jeder seinen eigenen Stil.

Simon Nagl von der Kulturinitiative, der auch die Musikschule in Freilassing leitet, informierte in seiner Begrüßung darüber, dass das vorliegende Streichquartett von Dvorák unter dem Eindruck seines dreijährigen Aufenthalts in New York entstanden ist. Es war spannend zu verfolgen, wie im »Allegro ma non troppo« die Melodiepassagen von einem Instrument zum nächsten wanderten, dort fortgeführt wurden, und wie das zweite Thema zum Inhalt eines Dialogs wurde und zum Schluss sich eine kleine Fuge durch die Streichregister bewegte.

Der Komponist hat sich durch die Klänge in der Natur inspirieren lassen, wodurch dieses Streichquartett quasi zu einer Pastorale wurde – mit einer Ode an die Natur im ersten Satz. Die melancholische Kantilene über einem Klangteppich der jeweils übrigen Instrumente im »Lento« klang sehnsuchtsvoll und drückte gleichzeitig ein Glücksgefühl aus, bevor der dritte Satz im »molto Vivace« in der Form einer Bagatelle in eine quasi burschikose Volksszene mündete, die jedoch immer wieder nostalgisch und verlangsamend aufgelöst wurde und sich kontrapunktisch weiter entwickelte, während das Rondofinale zu einer rhythmisch-vitalen »Apotheose des Tanzes« geriet.

Ein großes Werk seiner Gattung ist auch das Streichquartett in g-Moll von Edvard Grieg, das nach der Pause auf dem Programm stand. Auch Grieg hatte sich zum Komponieren in eine ländliche Gegend zurückgezogen, allerdings nicht in Nordamerika, sondern in Nordeuropa, und wollte folkloristische Musikmotive mit einer anspruchsvollen, klassischen Form verbinden. In den vier Sätzen verarbeitete der Komponist variations- und affektreich das Material aus dem Motto-Thema, das alle vier Sätze durchzieht und im letzten Satz, in dem es nach all den Möglichkeiten einer Lösungsfindung wie eine Katharsis wirkt, noch einmal zitiert wird. Beim Zuhören konnte das Thema in seinen Veränderungen verfolgt werden, das die vier Sätze trotz der vielen Tempowechsel zu einer künstlerisch-kunstvollen Einheit zusammenschweißt. Und dennoch hat jeder einzelne Satz seinen eigenen Charakter. So mutet das Intermezzo zum Beispiel wie ein Volkstanz an.

Der lange und begeisterte Applaus der zahlreichen Zuhörer verlangte nach einer Zugabe. Nach diesem hochdramatisch-herben skandinavischen Stück spielte das Ensemble den nicht minder dramatischen Tango »Por una cabeza« (»Um den Kopf eines Pferdes«) von Carlos Gardel (1890 bis 1935) und blieb damit in der sehnsuchtsvollen Stimmung des vorausgegangenen Werkes.

Die berauschende Klang-Transparenz eines Streichquartetts – sowohl in der Anlage der Kompositionen als auch in der interpretatorischen Ausführung – erfüllte die Zuhörer mit einem unaussprechlichen Glücksgefühl, das so recht zu der flirrenden Hitze des Hochsommertages passte.

Weitere Termine

Die Kulturinitiative Ruhpolding veranstaltet am 8. September um 19 Uhr in der Pfarrkirche St. Georg Ruhpolding ein »Großes Orchesterkonzert« mit Werken von Friedrich Smetana, Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms. Das Orchester »Pro Musica Salzburg« spielt unter der Leitung von Prof. Wilfried Tachezi.

Ein Konzert für Kinder mit dem »Karneval der Tiere« von Camille Saint Saëns findet am 19. Oktober um 16 Uhr im Kulturhaus Nagl (Hauptstraße 26 a in Ruhpolding) statt und am 23. Oktober um 10 Uhr im Heilpädagogischen Zentrum. Ausführende sind Simon Nagl und Freunde. Brigitte Janoschka