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Zuviel Geld und Glamour? - Zwiespältige Salzburg-Bilanz

Wien/Salzburg (dpa) - Geschmückt und aufgerüscht hat der neue Intendant Alexander Pereira (64) die 92. Salzburger Festspiele präsentiert: länger als bisher, ein üppiges Programm mit vielen bekannten Namen.

Salzburger Festspiele
Alexander Pereira, Intendant der Salzburger Festspiele. Foto: Barbara Gindl Foto: dpa

Auch abseits der Bühne setzte der ehemalige Chef der Zürcher Oper auf mehr Glamour. Doch eine Seele ist bisher nicht erkennbar, bemängeln die Kritiker.

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«Schöne Perlen ergeben nicht zwangsläufig eine schöne Perlenkette», schreibt die österreichische Zeitung «Standard» in ihrem Salzburg-Resümee. Eine Aneinanderreihung durchaus hochkarätiger Veranstaltungen mache keinen feingestimmten Festspielsommer. «Mehr, teurer, glamouröser» reiche für Salzburg als Programm nicht, kritisiert auch das Magazin «Profil».

Und es waren grade nicht die massentauglichen Blockbuster-Produktionen, die Publikum und Kritiker begeisterten: Die moderne und schwierige Zimmermann-Oper «Die Soldaten» riss bei ihrer Premiere in der Felsenreitschule die Zuschauer von den Sitzen. Dirigent Ingo Metzmacher und Regisseur Alvis Hermanis ernteten für ihre Umsetzung des Mammutprojekts mit mehr als 170 Musikern sowie echten Pferden auf der Bühne begeisterten Jubel. Ebenfalls gut kam die Strauss-Oper «Ariadne auf Naxos» von Schauspiel-Chef Sven-Eric Bechtolf an.

Mozarts «Zauberflöte» unter Nikolaus Harnoncourt und «La Bohème» mit Anna Netrebko fielen als Gesamtpaket durch und überzeugten mit Einzelleistungen. Auch für die von Bechtolf verantwortete Schauspielsparte gab es wenig überschwängliches Lob: Einzig «Der Prinz von Homburg» in der Regie von Andrea Breth mit einem überzeugenden August Diehl ragte für viele positiv heraus. Diehl wird als möglicher neuer «Jedermann» auf dem Domplatz gehandelt.

Und dann war da noch der «Glamour-Faktor» den Pereira, der sich selbst gerne als Lebemann mit Rennpferden und fast 40 Jahre jüngerer Freundin inszeniert, mit an die Salzach bringt. Der als knallhart kalkulierender Manager bekannte Österreicher lässt den Sponsoren mehr Raum, Society-Events scheinen wieder wichtiger, zum Schluss veranstaltet Pereira erstmals einen schicken Festspielball.

So viel sei in Salzburg lange nicht mehr über den Kommerz diskutiert worden, finden viele. Kritikerin Eleonore Büning fasst in der Zeitung «Kurier» harsch zusammen: «Die Salzburger Festspiele kamen mir im Sommer 2012 so prasserisch-armselig vor wie der Jedermann im «Jedermann». Was fehlte, waren die guten Werke.»

Pereira werde völlig zu Unrecht unterstellt, dass ihn nur das Geld und nicht die Kunst interessiere, verteidigt ihn Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler im «Standard»-Interview: «Aber ein bisschen Schuld trägt er selbst daran. Weil er zu viel über das Geld redet.» Jeder Intendant habe sich dem Mythos Salzburger Festspiele ein- und unterzuordnen.

Pereira selbst dreht im Interview mit der Zeitung «Die Presse» den Spieß um und klagt: «Seit ich Salzburger Boden betreten habe, hat sich fast niemand mit mir über Kunst unterhalten wollen». Ständig sei es nur ums Geld gegangen, «daher habe ich mit Geld geantwortet».

Dieser Festspielsommer sei nicht mehr als der Anfang einer Amtszeit, fassen es die «Salzburger Nachrichten» versöhnlich zusammen. Pereira und Bechtolf hätten noch viel Luft über sich, bis sie den Himmel berührten: «Also das bieten, was sie verheißen haben: großartige Festspiele.»