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»Zusammenhänge«

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Werke von Ekkehard Wiegand und Frank Gradinger sind in der Jubiläumsausstellung zu sehen.

Mit dem Ausstellungstitel »Zusammenhänge« ist bei der längst traditionellen sommerlichen Hausausstellung im Atelierhaus des Bildhauers, Malers und Grafikers Ekkehard Wiegand in Gengham bei Palling eine umfangreiche und hervorragend gestaltete Jubiläumsausstellung zu sehen. Sowohl der Hausherr als auch sein Gastaussteller Dr. med. Frank Gradinger aus Bad Reichenhall feiern in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag und beide sind in ihren Berufen voll tätig.


Frank Gradinger und Ekkehard Wiegand sind seit ihrer Kindheit in Bad Reichenhall freundschaftlich verbunden. Der hauptberufliche Internist Dr. Gradinger ist seit Jahren auch passionierter Hobbyfotograf und zeigt im Genghamer Atelierhaus überwiegend Schwarz-Weiß-Fotografien.

Neben den Fotomotiven aus der Kunstgießerei Otto Strehle in Winhöring setzen sich die präsentierten Fotografien im Erdgeschoß des Atelierhauses mit dem Titel »Hinter Mauern« mit einer Thematik aus Vergangenheit und Gegenwart auseinander: Den Fotografien romanischer Klöster in der südfranzösischen Region Aix en Provence werden in einer spannungsreichen Zusammenstellung Aufnahmen aus dem dortigen ehemaligen Internierungslager Camp des Milles gegenübergestellt. Das Lager erlangte im Zweiten Weltkrieg traurige Berühmtheit. Zahlreiche deutschsprachige Künstler und Intellektuelle wie Max Ernst und Lion Feuchtwanger waren dort interniert.

Die umfassende Werkschau von Ekkehard Wiegands Oeuvre im Atelierhaus umspannt über fünf Jahrzehnte mit zentralen Arbeiten aller Schaffensphasen. Frühe Zeichnungen, Radierungen, Hochdrucke, Collagen und Mischtechniken bis hin zum malerischen Werk und seinen Bronzen sowie bemalten Holzskulpturen zeigen seine breite Palette bildnerischen Schaffens, seinen Ideenreichtum und seine unzählige Variationsvielfalt. Der Körper, das Gesicht wie auch das Brustbild stehen im Zentrum seiner Malerei und Bildhauerei und artikulieren seinen humorvollen, grotesken und selbstironischen Diskurs in seinen Arbeiten immer wieder neu.

Im Obergeschoß der Ausstellung sind viele neue Zeichnungen wie »Vierdreizwei«, »Kopfbrusttanz«, »Mit einer Schönen« oder »Schwarzhalsmädel« zu sehen sowie einige bemalte Holzskulpturen, die in den vergangenen Monaten entstanden sind, darunter zwei neue »Steinergänzungen« – abstrakte Skulpturen aus Marmor und Bronze –, die im Atelier zusammen mit gleichnamigen Arbeiten aus den vergangenen Jahren präsentiert werden.

Die beiden Etagen des Atelierhauses werden von zwei noch nie gezeigten Serien aus den Jahren 1979/80 dominiert: Im Atelier ist mit 26 Mischtechnikblättern ein komplettes ABC zu sehen, im Ausstellungsraum darüber sind 22 Collagen – Ergebnisse von Venedigbesuchen – prominent platziert. In diesen Blättern sieht und erkennt der Betrachter, welch hervorragender Zeichner Ekkehard Wiegand ist.

Im Erdgeschoß des Wohnhauses, das auch immer für Besucher zugänglich ist, sind weitere Landschaftszeichnungen gehängt: Erinnerungen an Griechenland, an die kroatischen Inseln Krk und Cres, an den französischen Jura und an Sillersdorf nahe Freilassing, einen früheren Wohnort von Ekkehard Wiegands.

Zusammen mit den beiden Schaulagern im Nebengebäude und dem ehemaligen Stall im gegenüberliegenden Bauernhof sowie nicht zuletzt den Bronzeskulpturen im großen Garten gibt diese Ausstellung einen umfassenden Einblick in das nunmehr 55 Jahr dauernde unermüdliche Schaffen des Künstlers.

Die Ausstellung ist bis 4. August zu sehen und jeweils von Mittwoch bis Freitag von 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Gabriele Morgenroth