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»Zum Hineinlegen schön!«

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Überwältigend musizierte der 16-jährige Lewin Creuz beim Abschlusskonzert des Meisterkurses Violine in der Sawallisch-Villa. (Foto: Giesen)

Ein bezauberndes Konzert bescherten junge Geigenspieler aus mehreren Nationen, davon einige aus Korea, den begeisterten Besuchern im ausverkauften Kammermusiksaal des Sawallisch-Hauses Hinterm Bichl.


Die sechs Damen und drei Herren hatten eine Woche lang den Meisterkurs Violine bei Professor Christoph Poppen, seit 2003 Professor für Violine und Kammermusik an der Hochschule für Musik und Theater München, besucht. In dem Intensivkurs vertieften die bereits weit fortgeschrittenen Studenten täglich ihr technisches und musikalisches Können sowohl in individueller Betreuung als auch gemeinsam.

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Der organisatorische Leiter der Akademie, Paul Bischof, der zusammen mit Robert Höpfner Vorsitzender der Sawallisch-Stiftung ist, erklärte den Besuchern des Konzerts einführend, dass die Sawallisch-Stiftung, ganz im Sinne ihres Stifters Wolfgang Sawallisch, die musikalische Förderung der Jugend im Fokus habe.

Im folgenden Konzert bewiesen die viel versprechenden Nachwuchsviolinisten eindrucksvoll den hohen Standard ihres Könnens. Den Anfang machte die technisch versierte Südkoreanerin Gvehee Kim mit dem ersten Satz aus Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtem Violinkonzert A-Dur, gefolgt von der hoch talentierten, erst 13 Jahre alten Marie Hendel. Die jüngste, aber bereits unglaublich empfindsam und technisch tadellos spielende Musikerin spielte einen Satz aus dem Violinkonzert d-Moll des polnischen, bei uns wenig bekannten Komponisten Henri Wieniawsky (1835 bis 1880), der technisch hoch komplizierte Stücke für Violine geschrieben hat. Die Faust-Fantasie des gleichen Komponisten brachte danach Laura Katharina Handler aus München zu Gehör. Das Publikum war so begeistert, dass es sich sogar mit (unangebrachtem) Zwischenapplaus Luft verschaffte.

Ein ganz besonderer Violinist, von dem in Zukunft wegen seiner hör- und sichtbar außerordentlichen Begabung sicher noch viel zu hören sein wird, war der erst 16-jährige Lewin Creuz aus Freiburg im Breisgau. Ausdrucksstark nicht nur beim Musizieren, sondern auch in der Körpersprache spielte der junge Mann, der schon mit zwei Jahren Geige spielte und bereits zahlreiche Preise gewonnen hat, die ersten beiden Sätze aus dem Violinkonzert g-Moll von Max Bruch. »Zum Hineinlegen schön« schwärmte eine Zuhörerin und der überwältigende Applaus aller anderen gab ihr Recht.

Eine ganz andere, aber musikalisch ebenso starke Leistung bot Hiu Sing Fan aus Hongkong: Ohne Begleitung spielte er den 5. Satz, Ciaccona, aus der Partita d-Moll, Bachwerkverzeichnis 1004, von Johann Sebastian Bach, eines der am schwierigsten zu spielenden Stücke des Komponisten.

Bei allen anderen Stücken des Abends, eigentlich Orchesterwerken, übernahm die stets einfühlsame, ganz auf die Violinisten eingehende Begleitung die in Georgien geborene Pianistin Nino Gurevich. Sie hatte die Studenten auch während der Probenwoche von morgens bis spätabends begleitet.

Nach der Pause ging der Musikgenuss ebenso herrlich weiter. Die aus Korea stammende, in München lebende Gyujeen Han spielte den ersten Satz aus Beethovens Sonate c-Moll, opus 30,2 und Sewan Cho, ebenso Koreaner aus München, brachte den ersten Satz aus Beethovens »Kreutzer-Sonate« – fast ein Ohrwurm, den man immer wieder gerne hört. Zweimal Johannes Brahms folgte: Der Deutsche mit niederländischen Wurzeln, Torben Jans, spielte beseelt und ausdrucksstark das Adagio der Sonate d-Moll, opus 108, und die Koreanerin Hyun Jae Lim brachte wunderschön gefühlvoll intoniert die Sonate G-Dur, opus 78, zu Gehör.

Wie beim Vorspiel all dieser jungen Talente zu sehen war, wird jeder der jungen Musiker sicher eine professionelle Musikkarriere vor sich haben, mindestens als Mitglied renommierter Orchester und Musiklehrer, manche wohl auch als herausragende Solisten. In der zweiten Woche des Meisterkurses Violine wird Professor Ingolf Turban weitere Studenten ausbilden. Das ebenso empfehlende Abschlusskonzert ist am Samstag, 15. März, um 19.30 Uhr. Christiane Giesen