weather-image
16°

Zuerst Kultur, zum Schluss Gaudi und Politik

0.0
0.0
Bildtext einblenden

Was sind bayerische Themen? Kultur? Musik? Sprache? Menschen? Lebensart? Natur? Ökologie? Geschichte und Gegenwart? Gaudi? Politik? Gaudi auf jeden Fall. Typisch bayrisch. Alles andere: untypisch bayrisch. Aber bayerisch belangvoll. Und wenn bayrisch, dann, bittschön, schon »bsunders«. Die Natur steigt stetig mindestens bis zum Sonntagshorn, ach was, bis zur Zugspitze (aber, jessas, die ist ja nicht Bayerns, sondern Deutschlands höchster Alpengipfel). Die Gegenwart umfasst Seefahrt (nicht nur auf dem Chiem-, auch auf dem Starnberger See) und Seehofer, der wiederum von Berlin aus in die (typisch bayrische) Politik unübersehbar hineinragt. Und die Lebensart? Wer keine Dirndl mag, keine Haferlschuhe tragen kann und schon lang keinen Gamsbart mehr auf einem Hüterl, der wird nie den »bavarian lifestyle« internalisieren.


Bayern als Gesamtheit zu kapieren – da braucht's jetzt nur noch die MUH. Jede Jahreszeit bringt eine neue, heißt es in einem »Folder«, der, auch wenn nur ein Viertel so groß, nicht weniger wohltuend fröhlich, einladend und jedwedem Grant entgegenwirkend gemacht ist wie das MUH-Heft selbst. Das umfasst von Anbeginn an stattliche 96 (gottlob keine angeberischen Hochglanzpapier-) Seiten. Das noch fast jungfräulich frische Sommerheft (5,50 Euro) ist die Ausgabe 6 der in Truchtlaching gemachten Zeitschrift. Nummer 1 gibt's schon gar nimmer. Die kam aber doch erst im Frühling 2011 heraus. Sowas. Schon vergriffen. Weil halt so viele begeistert zugegriffen haben.

Recht haben die. Denn wer MUH nicht kennt, nicht hat und nicht (täglich mehrmals) liest, ist selbst dran schuld. MUH ist die bayrischste aller Zeitschriften, die dickste aller bayrischen Zeitschriften, die neueste aller bayrischsten Zeitschriften und die pfundigste dazu. Was schert bayrische Lesende die »Schönere Heimat« oder gar die ohnehin bayernunspezifische »Landlust«, wenn es MUH gibt. Hier, allein hier werden, weder tümelnd noch landliebig, die typischen bayrischen Themen abgehandelt, von denen ja oben schon die Rede war. Von der Kultur bis zur Politik. Die Stellenvergabe (Kultur zuerst, Politik am Schluss) nahm die Redaktion übrigens selber vor, im genannten Folderlein. Dass sie da drin die Gaudi mit der Politik zusammenspannte, ist vielsagend. Denn schon mit dem Beitrag »Strauß in Afrika« (MUH 1, vergr.) zeigte die schlitzohrige, scheint's dauergutaufgelegte Redaktion, wohin die gaudimäßige Politik marschiert. Oft genug in die Vergangenheit (»Ludwig II.«, MUH 2) oder auch, gottlob, in heikle aktuelle Polit-Gefilde (»Die Bedrohungslage durch Neonazis…«, MUH 5).

Der bayrische Stoff geht den MUHern nicht aus. Das zeigen sie erneut in ihrer jüngsten Ausgabe mit dem olympischen München '72 im Mittelpunkt, mit »Personality«-Shows zu Ilse Neubauer (grad weil sie 70 wurde? Warum dann sie und nicht (auch) Hannelore Elsner, darf man fragen) und dem grad wieder einen Film (Start: 16. August, mit der Elsner!) abgedreht habenden »Rosi« aus Hausham? Manchmal fragst dich schon, warum die oder der und nicht der oder die. Aber was soll's? Die Entscheidung liegt bei den Redakteuren. Die übrigens selber ziemlich tolle Leut sein dürften (nehmen wir beispielshalber nur den (zum Herausgeberteam gehörenden) Dettl Stefan) und nicht weniger tolle für rundum potente, zum Trenzen (vor Freud) anregende Artikel engagieren. Der oder die nächste Schreiber(in) dürfte sich jetzt schon auf die Tattoos des in Bayreuth gescheiterten Russen-Rockers und Super-Baritons Evgeny Nikitin stürzen. Zeigt der Beitrag auch noch die runenhaften Oberkörpereinfräsungen im Foto, könnte das evt. zu einem nächsten Eklat führen. MUH.

Aber bis zu MUH 7 vergehen noch einige, hoffentlich stürmische Sommerregentage. Dann haben genug Bayern ihr Land durch die rosarote Brille des Filmers Joseph Vilsmaier gesehen, dessen Verleih den Streifen »Bavaria. Traumreise durch Bayern« in MUH Nr. 6 auf der Ganzseite 2 für regen Kinobesuch wirbt. Dann wär's auch Zeit für die Redaktion, über Vilsmaiers Weihrauchschwaden (mit Vernebelungseffekt) zu – (passt ja nicht übel) MUHen. Hans Gärtner