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Zu wenig Rückenwind

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Veronika Zunhammer, Christian Elsässer und Matthieu Bordenave mit »Fußspuren« im NUTS. (Foto: Barbara Heigl)

Sie kann gut singen und sie sieht gut aus. Veronika Zunhammer zeigte diese Qualitäten im Traunsteiner NUTS gemeinsam mit Christian Elsässer am Piano und mit Matthieu Bordenave am Tenorsaxofon, im Rahmen eines »Heimspiels«, denn die Sängerin kommt aus einer bekannten Musikerfamilie aus Traunwalchen. Sie strahlte zu Beginn mit dem Song »Early Morning Light« um die Wette, öffnete einem mit ihrem ersten Song des Abends Augen und Ohren. Dann Cole Porters »Get out of Town«, wie ein Schwarzweiß- Film mit leichter Körnung, die leicht aufgeraute Oberfläche steht ihrer Stimme gut.


Die Eigenkompositionen aus ihrer Debut-CD »Fußspuren« unterbrechen die musikalische Linie des Abends leider nicht immer positiv. Natürlich ist es schön, wenn ein Musiker sich mit eigenen Fußabdrücken verwirklichen will, aber leider klingt bei ihr vieles zu banal, erinnert ein wenig an Claudia Koreck und hat etwas von dem angestaubten Flair der Lieder, die von jungen Christen an Kirchentagen gesungen werden. Dagegen sind ihre Ideen für das Klavier erstaunlich interessant komponiert, Anklänge an Keith Jarrett meinte man da herauszuhören, und man spitzte neugierig die Ohren.

Ansonsten: zu brav, das alles! Mehr Mut, ein bisschen Verwegenheit, Verruchtheit, Glamour, das hätte dem Konzert gut getan. Gerne hätte man ihr geglaubt, als sie den Jazz-Standard »Comes Love, nothing can be done« gesungen hat, denn dieses Gefühl kann einen wirklich aus den Schuhen heben, aber wenn sie so ein Lied auf Nummer sicher glattbügelt, geht der Spirit nun mal verloren. Mit dem Lied »Rückenwind« den sich das Publikum als Zugabe erklatscht hatte endete der Abend – ein sehr kontrollierter, auf Perfektion getrimmter Abend, mit einer zweifellos gut ausgebildeten, schönen Stimme, der aber in der gesamten Performance ruhig ein wenig stärkeren Rückenwind vertragen hätte. Barbara Heigl