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Zeugen der Vergangenheit, Hoffnungsträger der Zukunft

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Eine Zeder steht auch nahe des Bad Reichenhaller Kurparks. In der Jugend wächst diese Baumart nur drei Meter in zehn Jahren. (Foto: Konnert)

Um die Zeder ragen sich viele Geschichten, Legenden und Mythen. Beheimatet ist sie im Orient – wo sich heute noch Jahrtausende alte Exemplare finden. Nicht ganz so alt sind die Bäume in Bad Reichenhall nahe des Kurparks oder am Traunsteiner Waldfriedhof. Denn auch in Mitteleuropa ist man auf den »Geschmack« der Zeder gekommen, auch wenn man sie noch nicht forstwirtschaftlich nutzt.


Im Wadi Qadisha oberhalb von Bischarri, im Libanon, stehen am Berg Makmel die »Zedern Gottes«, etwa 375 Bäume, einige davon mehr als 3000 Jahre alt. Zedern gehören zu den ältesten Bäumen der Erde. Als Salomon im 9. bis 10. Jahrhundert vor Christus den Tempel in Jerusalem errichten ließ, wurden die Dachbalken aus dem Holz der Libanonzeder angefertigt. Zedernholz war nicht nur ein optimales Baumaterial sondern auch ein Zeichen von Macht, Reichtum und Prestige.

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Seit der Antike haben Phönizier, Ägypter, Assyrer, Babylonier, Perser, Römer, Israeliten und Türken das haltbare und leicht zu verarbeitende Holz der Libanonzeder für Bauten, Schiffe, Möbel und später dann in osmanischer Zeit auch für den Eisenbahnbau genutzt. Die Ägypter verwendeten Zedernharz für den Mumifizierungsprozess und das Holz für einige der ersten Hieroglyphentexte. Kein Wunder, dass die Zedernbestände in Kleinasien schon früh übernutzt wurden.

Die Zedern (Cedrus) gehören zur Familie der Kieferngewächse. Sie sind große, immergrüne Nadelbäume, die eine breite Baumkrone ausbilden. Für ein gutes Wachstum benötigen sie viel Sonnenlicht, kommen aber im Vergleich zu anderen Kieferngewächsen mit relativ wenig Niederschlag aus. Die dunkel- bis blaugrünen, nadelförmigen Blätter bleiben drei bis sechs Jahre am Baum.

Es gibt drei Zedernarten: die Libanonzeder (Cedrus libani), die Atlas-Zeder (Cedrus atlantica) und die Himalaya-Zeder (Cedrus deodara). Die Libanonzeder wächst entlang der türkischen Mittelmeerküste bis in den Libanon, dessen Wahrzeichen sie ist. Ein isoliertes Vorkommen gibt es auf Zypern. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Atlaszeder ist zersplittert und beschränkt sich auf die nordafrikanischen Bergregionen Marokkos und Algeriens, Rif, Mittlerer Atlas und Hoher Atlas.

Auch die Atlaszeder wurde extrem übernutzt und steht heute auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Wie der Name schon sagt, ist die Himalaya-Zeder in Teilen des Himalaya-Gebirges zuhause: am Hindukusch in Ostafghanistan, in Pakistan und im nordwestlichen Indien. In Mitteleuropa ist sie hingegen forstwirtschaftlich (noch) nicht relevant.

In Mitteleuropa sind Zedern meist als Parkbäume, in Gärten oder in Botanischen Gärten zu finden, die sie durch ihre imposante Erscheinung aufwerten. Auch im Bad Reichenhall sind inzwischen zwei stattliche Exemplare zu finden. In dem kleinen Park neben der evangelischen Stadtkirche, vis-a-vis vom Kurpark überragen sie inzwischen die Bäume in ihrer Umgebung. An den Stamm einer der beiden Zedern schmiegt sich eine junge Eibe, eine seltene »Umarmung« einer heimischen und einer »nichtheimischen« Baumart.

Als Baumart, die Sommertrockenheit und kalte Winter sehr gut verträgt, wird die Libanonzeder jetzt bei uns als eine potenzielle Baumart für die Anpassung der Wälder an den Klimawandel eingeschätzt. Entsprechende Anbauversuche laufen auch in Bayern. Die Zeder ist eine ausgesprochene Lichtbaumart. In der Jugend wächst sie sehr langsam – nur drei Meter in zehn Jahren. Dann aber zieht das Wachstum an und sie hat eine ähnliche Wuchsleistung wie Fichte und Kiefer. Sie bevorzugt kalkhaltige Böden. Auf verdichteten oder an moorigen Böden wird sie von Pilzen (Hallimasch) befallen.

Begehrt ist die Zeder auch wegen ihres Öls, das durch Wasserdampfdestillation aus dem Holz gewonnen wird. Für einen Liter Zedernöl werden 30 Kilogramm Holz benötigt. Man verwendet es in der Parfümherstellung, der Aromatherapie oder der Mikroskopie als Immersionsöl. Ihm werden lindernde Wirkungen bei Aggressionen, Angstzuständen, Atemwegserkrankungen, Bluthochdruck, Hautausschlag, Haarausfall, Schlafstörungen, Harnwegserkrankungen und vielem mehr zugeschrieben. Es soll auch gegen Zecken und Motten wirken. Zedernöl wird heute fast ausschließlich aus künstlichem Anbau der Atlaszeder gewonnen.

Bei Zedernholz und Zedernöl muss man wegen verschiedener Verwechslungsmöglichkeiten sehr vorsichtig sein, vor allem weil »echte« Zedern inzwischen sehr selten sind. Wenn nämlich von »Western Red Cedar« gesprochen wird, dann ist das nicht eine rote Zeder, sondern der aus dem Westen Nordamerikas kommende Riesen-Lebensbaum, lateinisch »Thuja plicata«, aus der Familie der Zypressengewächse. Auch dieses Holz duftet aromatisch ähnlich dem der Zeder, ist leicht verarbeitbar und vielseitig verwendbar.

Und um die Verwirrung komplett zu machen, gibt es auch noch den Virginischen Wacholder (Juniperus virginiana), auch Bleistiftzeder, Virginische Zeder oder Virginische Rotzeder genannt. Sie ist auch in Nordamerika beheimatet und gehört zur Gattung des Wacholder. Ganz schön verwirrend, diese Zeder! kon