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»Zauberwelten«

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Unser Bild zeigt einige der ausgestellten Farbholzschnitte. (Foto: Morgenroth)

Viele Gegenwartskünstler widmen sich mehr denn je der Holzschnitt-Technik. Christine Dobler beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahren insbesondere mit dem Farbholzschnitt. Motivisch erarbeitete sich die Künstlerin im Laufe der Jahre ein typisches Repertoire, das sie in zahlreichen Varianten formuliert. In ihrer Galerie im Salzstadl in Tacherting präsentiert sie bis 1. Februar einen Ausschnitt aus ihrem Farbholzschnitt-Zyklus »Zauberwelten«.


Ihre ausgestellten Werke zeichnen sich aus durch ihre Treue zur Figürlichkeit in einer Zeit, in der die Abstraktion vorherrscht. Die Naturverbundenheit von Christine Dobler lässt sich dabei in vielen Arbeiten erkennen: Pflanzen, Menschen und Tiere prägen ihr Werk. In einer Zauberwelt vielleicht der »Märchen« sind vielfach in abgewandelten Zusammenstellungen Tiere wie z. B. der Elefant, der Esel, das Kamel, der Vogel, der Drache, die Schlange, das Krokodil, das Rüsseltier, die Affen, ein König oder ein Gaukler präsent.

Der Betrachter nimmt zunächst den Kontrast von Leere und gedrängter Fülle wahr, von parallelen und divergierenden Richtungen. Beim längeren Hinsehen entdeckt man, dass sich Christine Dobler auf elementare Gestaltungsmittel von Fläche und Strich konzentriert. Einige kraftvolle Linien oder Flächen genügen ihr zur Bezeichnung einer Figur oder eines Körpers. In manchen Kompositionen gewinnt die isolierte Einzelform an Bedeutung. Oftmals stellt sie einzelne Tiere in ruhiger Haltung, häufig isoliert ohne gegenständliche Umgebung dar.

Bei den großen Farbholzschnitten mit mehreren Druckplatten ist in die Komposition ein Mittelteil eingefügt, dessen Elemente im Zusammenwirken mit den anderen Bildpartien für Spannung und Spannungsaus-gleich sorgen. Ihre Blätter basieren außerdem auf farblichen Kontrastwirkungen ausgewogen gesetzter »weicher« Formelemente, die sie in sparsamer, übersichtlicher Anordnung miteinander kombiniert. Viele ihrer Blätter sind bis an die Bildränder mit Farbe bedeckt, in anderen hebt sie nur die Hauptmotive hervor. Als Hintergrund verwendet sie Drucke aus ihren Radierungsserien, wie z. B. die Himmelsleiter oder den Lebensbaum.

Die warmen Farbtöne sind durch einen eher dunkel gehaltenen Grund, aus dem sie aufleuchten, beträchtlich gesteigert. Christine Dobler druckt zum einem transparent und zum anderen dann wieder mit schwerem dickem Farbauftrag. Für Christine Dobler ist das Drucken eine Begegnung des Zufalls mit dem Sinnvollen: »Drucken ist selbst das Erlebnis und Drucken ist der Rausch des Machens und gleichzeitige Kontrolle darüber«.

Sie strebt nach klaren und einfachen Formen, die sie, hat sie sie gefunden und dargestellt, durch vielfältige Variationen zu neuen Gebilden verbindet. Einzelne Elemente werden durch Spiegelungen und Umkehrung zu einer Komposition angeordnet. Die dargestellten Tiere im Zyklus »Zauberwelten« tragen viele ihrer überlieferten symbolischen Aspekte in sich: das Geheimnisvolle, das Unheimliche, die friedliche Ruhe oder die neugierige Wachsamkeit. Es tauchen kleine Gestalten, kleine Kobolde und verzerrte Gesichter auf und gebärden sich manchmal unbefangen in ihrer grotesken Wirkung. Doch ein eher melancholischer Grundton schwingt in jeder Abbildung. In ihren Blättern »Zauberwelten« zeigt die Künstlerin eine Welt, die ganz in sich abgeschlossen ist, nichts deutet darauf hin, dass eine Beziehung zwischen Bild und Betrachter gesucht wird.

Die Ausstellung in der Galerie im Salzstadl in Tacherting ist noch bis 1. Februar zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Freitag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr oder nach Vereinbarung unter Telefon 08621/3284 Gabriele Morgenroth