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Zauberhafte Klänge für einen guten Zweck

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Wagt Grenzgänge zwischen bayerischer Volksmusik, internationaler Folklore, Jazz und Blues: die Obermoser Musi aus Oberteisendorf. (Foto: Mergenthal)

Zauberhafte Klänge an einem besonderen Ort mit einer mystischen Ausstrahlung: Die »Obermoser Musi« aus Oberteisendorf und die befreundeten Musikgruppen »Trio SurMonte« und »Carovana Mediterranea« erspielten im bis zum letzten Platz besetzten Saal des Traunsteiner Lokales »Festung« rund 2800 Euro für die Kinderkrebshilfe Berchtesgadener Land-Traunstein.


Alle Musikerinnen und Musiker verbindet die Liebe zur Musik und zu ihren In­strumenten, aber auch tiefe Freundschaft, die in der Harmonie im gemeinsamen Auftritt zum Ausdruck kam. Passend dazu trug Pastoralreferent Robert Hintereder aus Surberg in seiner Moderation des Abends poetische Texte vor, unter anderem das Gedicht »Echte Freunde« von Albrecht Gralle.

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Mit einem schwungvollen »Kieshniever Bulgar« eröffnete die Obermoser Musi den Abend mit Rosi Baumgartner an der Gitarre, Klara Stief am Hackbrett, Christian von Lesuire am Kontrabass oder Basssaxofon und Andreas Schillinger an der Zither. Bei einer Polka mit einem virtuos groovendem Bass und Schillinger am Akkordeon fühlte man sich auf einen Tanzboden versetzt. Ihre bayerischen Wurzeln verbindet die Gruppe ohne Scheu vor Grenzüberschreitungen mit Elementen der internationalen Folklore und des Jazz und Blues. Ihre Eigenkompositionen haben interessante Namen wie »Blechdose« oder »Mülldeponie« – kaum zu glauben, dass man solche scheinbar banalen Dinge des Alltags in so lautmalerische, fantasievolle Musik umsetzen kann.

Dem »Surberger Walzer« verlieh das Basssaxofon besondere Würze. Gerne experimentieren die Vier auch mit ungewöhnlichen technischen Möglichkeiten, ihre Instrumente zu spielen – so schlug Klara Stief einmal auf ihrem Hackbrett-Transport­kasten mit einem Metallbesen einen Rhythmus.

In einem Bildungshaus bei Dachau haben sich der aus Südtirol stammende Edi Rolandelli, der 1987 die mittlerweile international bekannte Folkgruppe »Titlá« gegründet hat, und der Surberger Gitarrist Stefan Starzer kennen gelernt. Der Name ihres Duos – »Carovana Mediterranea« – ist von der Karawane des Orients inspiriert, durch die nicht nur Waren, sondern auch kulturelle Prägungen zwischen verschiedenen Völkern ausgetauscht wurden.

Starzer und Rolandelli haben sich auf Spurensuche nach dem gemeinsamen musikalischen Kulturgut der Völker entlang des Mittelmeers begeben und dabei Juwelen und wenig bekannte Lieder gefunden, wie das köstliche catalanische Weihnachtslied »El Noi de la Mare«. Rolandelli übersetzte jeweils einen Teil des Textes auf Deutsch und erzählte die Geschichte hinter den Liedern.

Zu Herzen gingen auch mehrere Lieder rund um das Thema Emigration, wie »Non scappare« oder »Suono della domenica« – ein Lied, in dem der italienische Liedermacher Zucchero und der irische Sänger »Bono« der Gruppe »U2« über den Verlust der Heimat und des typischen Klangs des Sonntags sinnieren. Rolandelli, der sang und sich selber an der Gitarre rhythmisch begleitete, zog mit seiner warmen Stimme und seinem ausdrucksstarken Vortrag in Bann und sein Partner Starzer, mit dem ihn musikalische Seelenverwandtschaft verbindet, mit enorm virtuosem Gitarrenspiel und Improvisationen mit Esprit. Mal filigran und silbrig, mal temperamentvoll und flamenco-ähnlich wie bei »Grazie alla Vita« von Violeta Parra und stets äußerst facettenreich.

Das »Trio SurMonte« bilden Schillinger, Starzer und – am entspannt groovenden Cajon – Franz Schuhegger. Mit Titeln wie »Auf der Durchreise«, »Ballade in D« oder »Moonflower« entführten sie mit ausgefallenen Arrangements in ungewohnte, farbenreiche, äußerst faszinierende musikalische Welten. Dabei zeigte Schillinger, dass sich die Zither ebenso wie für die Volksmusik für den Blues bestens eignet.

Die warme, tiefe Stimme von Resi Mühlbacher aus St. Leonhard eignete sich wunderbar für einige Liebeslieder zusammen mit der Obermoser Musi wie »Bei mir bist du schee« oder »What a difference a day made«. Zum Schluss spielten die Mitwirkenden alle gemeinsam den Jazz-Standard »Autumn leaves« – und – nach einem Grußwort der beeindruckten Vorsitzenden der Kinderkrebshilfe, Rosmarie Baumgartner – als Zugabe das hebräische Abendlied »Erev ba«.

Veronika Mergenthal