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Zauber der Sommernächte

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Viel Applaus erhielten Juliane Banse und Leopold Hager (rechts) für das Konzert.

Um »Nachtfarben« ging es im Konzert des Mozarteumorchesters im Großen Saal des Mozarteums Salzburg. Unter Alt-Meister Leopold Hager entfalteten die Musiker sommernächtliche Klangfantasien von Felix Mendelssohn Bartholdy, Hector Berlioz und Arnold Schönberg zum Blühen. Bei den Zuhörern wurden Assoziationen romantischen Wohlgefühls wach. Es war ein frisches Musizieren in fließender Bewegung mit glänzenden Solopassagen bei den Bläsern.


Als 17-Jähriger schrieb Mendelssohn Bartholdy die Ouvertüre zur Shakespeare-Komödie »Ein Sommernachtstraum« und legte damit den Grundstein für seine späteren Erfolge und ebenso bereits für die Charakteristik seiner Klangsprache. Erst 15 Jahre später schuf er die vollständige Bühnenmusik, die geradezu nahtlos an die frühe Ouvertüre anknüpft. Melodisches Fließen in flirrender Farbigkeit und feinsinniger Lyrik romantischer Prägung findet sich vorrangig in seinen Werken. So auch in den hier ausgewählten vier instrumentalen Stücken: das heiter flüchtige Scherzo, die irisierende Tanzweise des Intermezzos, das mit Hörnern und Fagotten betörende Notturno und schließlich der aus den vielfältigsten Arrangements allbekannte Hochzeitsmarsch, der hier im Original feierlich tönte.

Die Sopranistin Juliane Banse war die Solistin in den sechs Orchesterliedern »Les nuits d’été« von Berlioz. Die Texte zu diesen »Gesängen von Liebe und Tod« stammen aus der Sammlung »La comédie de la mort« von Théophile Gautier, die eigentlich aus männlicher Sicht gestaltet sind, aber immer von Frauenstimmen gesungen werden. Juliane Banse fand ganz wunderbar den rechten Ton für das französische Flair, gab der Stimme leuchtende Qualität und zeichnete die Schattierungen des romantischen Stimmungsgehalts mal mit Silberstift, mal mit warmer Klangfülle, mal mit melancholischem Unterton von betörendem Reiz. Die Holzbläser wetteiferten brillant mit der Gesangsstimme oder die Streicher untermalten mit feinem Tremolo.

Nach der Pause erklang Arnold Schönbergs »Verklärte Nacht« op. 4 nach einem Text von Richard Dehmel, der auf autobiografischer Basis beruht. Die Thematik schildert einen dramatischen Dialog zwischen Mann und Frau »zwei Menschen geh’n durch hohe, helle Nacht«. Das frühe Werk schrieb der Komponist 1899 in nur drei Wochen als Streichsextett. 1917 und 1943 erstellte Schönberg Überarbeitungen für Streichorchester, deren letzte hier vom groß bestückten Streicherensemble zu eindringlicher Wirkung gebracht wurde.

Die Mozarteumstreicher unter dem 83-jährigen Leopold Hager ließen Schönbergs fantasievolle Tonmalerei eindrucksvoll Klang werden. Großer Applaus! Elisabeth Aumiller