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Wut und Empathie: Alejandro Escovedos »The Crossing«

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Alejandro Escovedo
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Mit Wut im Bauch: Alejandro Escovedo Foto: Nancy Escovedo Foto: dpa

Wer könnte eine wütende und zugleich empathische Geschichte über das Elend der Einwanderer an der US-Grenze zu Mexiko besser erzählen als der große Folkrock-Songwriter Alejandro Escovedo? Genau... »The Crossing« ist eines seiner stärksten Alben.


Berlin (dpa) - Er ist ein Veteran des »Roots-Rock«, mit kräftigen Wurzeln in Punk, Latin und Folk: Alejandro Escovedo, inzwischen stattliche 67 Jahre alt und trotz gesundheitlicher Probleme weiterhin ein echter Americana-Recke. Sein neues Album dürfte das Opus magnum einer bemerkenswerten Karriere abseits des US-Mainstreams sein.

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»The Crossing« (Yep Roc/H'Art) ist eine üppige, geradezu cineastische Platte, mit süffigen, romantischen Balladen, aber auch knarzigen Rockern und spröden Wüsten-Songs - und vor allem mit einer in vielen Textzeilen spürbaren Stinkwut über den Zustand der Heimat. Wie heruntergekommen und zerrissen dieses riesige Land (für Escovedo »beautiful« und »ugly« zugleich) derzeit ist, schildert der texanische US-Amerikaner mexikanischer Abstammung in einem zusammenhängenden Konzeptwerk.

Darin geht es um zwei junge Einwanderer, einer aus Mexiko, einer aus Italien, die ihrem »American dream« nachjagen - wohl vergeblich. Mit Peter Perrett (The Only Ones), Joe Ely, James Williamson (The Stooges), Wayne Kramer (MC5) und Willy Vlautin (Richmond Fontaine) wirken einige prominente Gäste mit, aber im Wesentlichen ist dies die Veranstaltung von Escovedo und seiner italienischen Backing-Band.

17 Lieder, darunter auch den eindrücklichen, anti-rassistischen Spoken-Word-Beitrag »Rio Navidad« und den herrlichen Titelsong am Schluss, umfasst »The Crossing« - sicher eine von Escovedos stärksten Platten in einer 40 Jahre währenden Karriere. Angefangen hatte der Sänger und Gitarrist in den 70ern mit der Punkband The Nuns, danach ging es mit Rank And File, True Believers, Buick MacKane und solo weiter.

Mit diesem mächtigen, politisch engagierten Album irgendwo zwischen Los Lobos, Chuck Prophet, R.E.M., Calexico und Richmond Fontaine erweist sich Escovedo wieder einmal als einer der herausragenden, dabei jedoch leider sträflich unterbewerteten Folkrock-Songwriter der USA.

Website Alejandro Escovedo