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Würdiger musikalischer Dank

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Die »Kirchleitn Saitenmusi« im Altarraum der Schlechinger Pfarrkirche. (Foto: E. Kaiser)

Dem Gedenken an den 40. Todestag von Annette Thoma hatte der Schlechinger Kultur-Förderverein sein »Volksmusikalisches Konzert« am Ende seiner diesjährigen Veranstaltungsreihe gewidmet.


Das Motto »Auf, auf in Gottes Nam...« verwies auf die »Deutsche Bauernmesse«, die Annette Thoma mit den fünf Riederinger Sängern am Peter- und-Pauls-Tag 1933 im Kircherl von Wildbad Kreuth aus der Taufe gehoben hat – zu Kiem Paulis Namenstag. Sie kannte durch ihre Krippenspiele den Reichtum der bayrischen und österreichischen Hirtenlieder, suchte daraus »die rechten Weisen« für die Messliturgie aus und dichtete einen entsprechenden Wortsatz dazu.

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Diese und weitergehende Informationen zum Wirken »der Annette« bot der Sprecher des Abends Siegi Götze, der zusammen mit Rudi Ritter den Programmverlauf erarbeitet hatte. Er erzählte von der ablehnenden Haltung mancher Kleriker (»Texte vom Thoma – unmöglich, der ist ja exkommuniziert...«), auch vom zähen Festhalten gewisser Bevölkerungskreise am Lateinisch-Unverständlichen, aber eben Altgewohnten. Er wusste aber auch von einem jungen Theologiestudenten, dem späteren »Volksmusikpfarrer« Franz Niegel in Unterwössen zu berichten, dass der mit dem »Freisinger Dombergsingen« im dortigen Priesterseminar eine wirksame Bresche für Volksmusik und Volksgesang im Sakralraum geschlagen hat. Er mahnte auch die gültigen (und heute noch nötigen) Ratschläge für Adventssingen an, die Annette Thoma bereits 1958 formuliert hatte.

Der Zitherspieler Rudi Ritter hatte mit seiner »Kirchleiten Saitenmusi«, die mit zwei feschen Geigen und einer frechen Querflöte zum achtköpfigen Ensemble erweitert war, »Vollbeschäftigung«. Die aufeinander eingeschworenen Musikanten, die sich in Tempo und Gestaltung »blind« verstehen, begleiteten die Schlechinger Sänger und den Ebersberger Singkreis unter Sepp Krammer, brachten ihnen Ein- und Zwischenspiele. Die waren, aus der erfahrenen Feder von Rudi Ritter, von üppiger ausgefeilter Raffinesse, ebenso wie manche ihrer Musikstücke. Da mochte man manchmal hoffen, dass der Rudi wieder zu einer schönen, schöneren Einfachheit zurückfindet. Vorbildlich dafür waren die Jodlerweisen, der Goldeggwenger Boarische, die »Bayerische Polka 1970«, das feine Stückl der Gitarrenmusi oder gar Tobi Reisers »Schönste Weis«.

Die Schlechinger Sänger bewährten sich wieder einmal als markanter Männergesang mit feiner Tongebung; Rudi Ritter begleitete sie auf seiner Kerschensteiner Zither und sang ihnen die vierte Stimme zu. Das »Credo« aus der Bauernmesse (»Wir glauben an dich, Gott und Herr«) erklang als ehrliches Bekenntnis, mit den Marienliedern »O große Himmelsfrau« und »Als Maria übers Gebirge ging« schlossen sie die Mutter Gottes in ihre Verehrung ein, und mit dem Almabschied »Fahr ma hoam« rundete sich ihre Lebenshaltung.

Auch der Ebersberger Singkreis widmete sich der Bauernmesse mit »Gloria in excelsis deo« und (zusammen mit den Schlechinger Sängern) dem »Ite missa est«: »Lasst uns dem Herrn danken«; auch der Singkreis verehrte Maria (»Wie schön glänzt die Sonn«). Anrührend klang sein (unbegleiteter) Jodler, und mit dem Lied »Ist alles wohlbestellt« der Kathi Greinsberger verband sich auch bei ihm der Glaube mit dem Alltag.

Noch prangte der Erntedankschmuck auf den Stufen zum Altarraum – da lag der Gedanke nahe, dass das volksmusikalische Konzert recht eigentlich ein »Erntedank« war, der klingende Dank dafür, dass die Saat, die Annette Thoma mit ihrer »Bauernmesse« gelegt hat, so fruchtbar aufgegangen ist. Engelbert Kaiser

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