weather-image
21°

Wohlfühlinsel guten Musikkabaretts

2.5
2.5
Bildtext einblenden
Nah am Publikum, nah an der Wahrheit und echt gut: Werner Meier im k1-Studio. (Foto: Benekam)

Was tun, wenn beim Erwachen ein Untier den Weg aus dem gemütlichen Bett hinein in den Alltag blockiert? Wenn diese Kreuzung aus Schwein und Hund sich beim Versuch von körperlicher Ertüchtigung quer vor das Radl legt und jeden Ansatz von Willensstärke seines menschlichen »Besitzers« mit breitem Gähnen zunichte macht?


Musikkabarettist Werner Meier hat bei seinem Auftritt im Traunreuter k1 keinen Hehl aus seiner Einstellung zu »inneren Schweinehunden« gemacht: In einen groovigen Blues verpackt, machte er mit dem lästigen Tierchen, das jeder hat und angeblich keiner braucht, genau das, was es wirkungsvoll entwaffnet: Er nahm es einfach mit in den stressigen Alltag, schloss Freundschaft und machte sich den »inneren Schweinehund« zum persönlichen Gesundheitsapostel.

Schlagartig wurde das k1-Studio zur Wohlfühlinsel guten Musikkabaretts – die »inneren Schweinehunde« durften bei Meier bleiben und bekamen gar Ehrenplätze. »Nah dran« – das Motto, unter dem Werner Meier seine »Sinn vollen« Lieder, zu denen er sich selbst auf der Gitarre begleitete, zum Besten gab, wurde zur Etikettierung des guten Geschmacks.

Obwohl Werner Meier in seinen Texten, Erzählungen und Liedern manchmal reizte, stichelte und so manchen gesellschaftlichen oder politischen Missstand unters Brennglas hielt, vergriff er sich nie im Ton, bewies also Stil und Charakter – ein Konzept, das aufging, das die Zuschauer herzlich lachen ließ, ohne zu beschämen.

Bei vielen Themen spitzten die anwesenden »inneren Schweinehunde« die Öhrchen und wedelten mit den Ringelschwänzchen. Vegetarier, Veganer oder Laktoseintolerante durften erleichtert aufatmen, denn Meier ist bekennender »Rohganer« (Zwiebel-Radi-Ranner) und furzt, wie er berichtete, am Abend im Bett mehrstimmige Sonaten. Und wenn ihm das zu fad wird, dann wird er einfach Fleischi-aner, Franzisk-aner oder Silv-aner.

Offen gab er zu, dass er zu den modernen Medien ein eher gespaltenes Verhältnis hat. Der wie Unkraut wuchernden Meinung »Lieber künstlich gescheit als natürlich bled«, begegne er mit Skepsis. Ein ins Hirn implantierter Chip mit Webcam und Wlan mache zwar aus jedem Deppen eine Künstliche Intelligenz, verhindere aber natürliches Denken – das »Dadenge« (erdenken) sinniger Gedanken oder Denken überhaupt.

In seinem »Wutbürgerlied« schickte Meier »Alle raus« – raus aus dem schönen deutschen Lande. Alle, die meinen, es ginge ihnen hier nicht mehr gut, weil anderen, die Hilfe brauchen, geholfen wird: »Wer mehr hat, dem fällt es schwerer zu teilen. Brot für die Welt, aber die Wurst bleibt hier.«

In so einem »Liederabend«, fand Werner Meier, dürfe auch die Liebe nicht zu kurz kommen. Deshalb erfreute er die Gäste mit komplizierten Liebesliedern mit guten Ausgängen. Er besang die Pein eines verliebten Pfarrers oder die beschränkte Effizienz »blauer Pillen« in der Liebe, die nicht selten die gewünschte Wirkung verfehlen. Wenn's ganz hart kommt im Leben, verriet er, greife er auf ein geniales Geschenk zurück: »Da Radiergummi: Da radierst einfach alles Schlechte weg. Zurück bleiben nur kleine, dreckige schwarze Wutzln.« Und selbst denen kam er, als Zugabe mit drei Liedern aus seiner CD »Brezn-Beißer-Bande« bei.

Am Ende fühlten sich alle ganz nah dran: Nah am Leben, an der Wahrheit, an der Liebe und sogar am Andern. Werner Meier, das wurde bei den nicht enden wollenden Zugaben deutlich, mag Nähe. Und sein Publikum mag ihn. Ein Künstler. Gar nicht künstlich, sondern ganz echt. Echt gut. Kirsten Benekam