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Wohlfühldichte auf dem Trainingsplatz

Mit Thomas Brussigs Text »Leben bis Männer« gastierte Thomas Lang in Traunstein. (Foto: Barbara Heigl)

Der Schauspieler Johannes Lang, Ex-Traunsteiner und festes Ensemblemitglied am Theater Plauen Zwickau, hat gerade ein arbeitsreiches Jahr hinter sich. Trotzdem hat er sich für seine Heimatstadt den Text »Leben bis Männer« von Thomas Brussig peu à peu auch noch »draufgeschafft«. Thomas Brussig, ein anerkannter Autor der jungen Generation – er hat unter anderem das Buch »Die Sonnenallee« geschrieben, schaut dem Volk ganz genau aufs Maul, aber auch in das sehnsüchtige Herz seiner Protagonisten.


In der Sonnenallee ist Westmusik in Form von Schallplatten die leidenschaftliche Passion, und in »Leben bis Männer« steht der Fußball im Zentrum der Leidenschaft.

Leidenschaft treibt die Menschen an, und so ist auch Johannes Lang als Trainerfigur ein Getriebener, der seiner Leidenschaft alles unterordnet und am Spielfeldrand seinem Kapitän schon mal ein »Hau ihn um« zuruft, was dieser, den Befehl befolgend, dann auch tut. Johannes Lang monologisierte im Kunstraum Klosterkirche in bester Theatermanier, erweckte »den Trainer« im Laufe des Abends immer mehr zum Leben. Der hat es wie viele kleine Leute nicht immer leicht, zumal er zu DDR-Zeiten schon nicht so erfolgreich war, dass es für einen Ausflug in den Westen mit der Mannschaft gereicht hätte.

Aber er trainiert sie alle, trotz alledem, immer noch. Kinder, Knaben, Schüler, Jugend, Junioren – bis Männer eben. Das ist seine Welt, und die hat er sich mit einer gehörigen Portion Stammtischphilosophie, Bauernschläue, und unausgegorenen Denkansätzen zusammengezimmert. Da reicht oft schon mal fundiertes Halbwissen, um sich eine Meinung zu bilden, und viele Vorurteile haben da auch noch ihren Platz.

Wer ist dieser Prolet, der hier alles über den Fußballkamm schert, ganz und gar selbstgewiss, und deswegen sogar seine Ehe gegen die Wand fährt? Was könnte man ihm raten, oder befindet sich dieser Typus Mensch, der die Welt durch die Fußballbrille sieht und die Träume eines kleinen, letztlich chancenlosen Mannes träumt, in einem Zustand seiner ganz persönlichen Wohlfühldichte? Diese Figur wirft viele Fragen auf, auch deswegen, weil sie wie ein Kaleidoskop menschliche Verhaltensweisen spiegelt, die sich durch alle Gesellschaftsschichten ziehen.

»Für mich sind alle Ausländer gleich«, »Fußball ist nichts für Frauen«, »Männer, Fußball ist alles!« – diese und viele andere Glaubenssätze, Länder und Politik betreffend, denen man im direkten Gespräch wohl einen Riegel vorschieben wollen würde, kommen aus des Trainers Mund. Johannes Lang gelang es, diese Allgemeinplätze und Provokationen, die Erkenntnisse und Schlüsse seiner Figur so plausibel werden zu lassen, dass man ganz schön aufpassen musste, um nicht auf glattem Eis zu landen. Die starke körperliche Präsenz des Schauspielers verstärkte den deftigen Monolog, mit dem er die Zuhörer auch oft zum Lachen brachte, das einem aber gar nicht selten im Halse stecken blieb. Das Publikum honorierte dieses schauspielerische Mammutleistung mit viel Applaus. Barbara Heigl