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Wofür es sich zu schämen lohnt

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Die äußerst wandlungsfähige Schauspielerin Merle Lisek (rechts) und ihre Musikerkollegen Lisa Spielmann und Johannes von Barsewisch legten in der Theater-Strickerei Grabenstätt einen großartigen Auftritt hin. (Foto: Müller)

Eine außergewöhnliche Premiere hat die 27-jährige Schauspielerin Merle Lisek mit ihrem Programm »Secrets – Oder: Wofür es sich zu schämen lohnt« in der Grabenstätter Theater-Strickerei gefeiert. Sie ließ auf der Bühne nicht die Hüllen fallen, sondern verriet an diesem denkwürdigen Abend auch das eine oder andere Geheimnis.


Über ein Jahr hat Lisek »echte Geheimnisse von echten Menschen« gesammelt, um sie mittels einer Kreation aus Monolog, nichtjugendfreier Performance und Konzert gebündelt auf die Bühne zu bringen.

Für die passenden Klänge sorgten in Grabenstätt Lisa Spielmann und Johannes von Barsewisch. Liseks kessem Wesen und Auftreten, ihrer Offenheit und Raffinesse sowie ihrem trockenen Humor und ihrer Selbstironie war es zu verdanken, dass einige Gäste ihre Zurückhaltung schnell abstreiften und plötzlich selbst Lust verspürten, das ein oder andere persönliche Geheimnis preiszugeben – anonym natürlich, denn auf Zetteln geschrieben waren diese zuvor von ihnen in einen »Secrets-Briefkasten« geschmissen worden.

Die verlesenen Besuchergeheimnisse waren zwar weniger pikant als die von Lisek mitgebrachten, doch in die Dusche gepinkelt worden ist dann doch schon mal. Das helfe übrigens gegen Fußpilz, meinte die selbst fußpilzgeplagte Lisek, die nach ihrer verwegenen Striptease-Einlage in einem Dirndl schlagfertig durch den Abend führte.

Als gebürtige Baden-Württembergerin und Wahlhessin kam sie nur bei diesem boarischen Geheimnis eines Gastes kurz ins Schleudern: »Mei Sogga hod unt drunt a Loch«. Geheimnisse seien was Schönes und Spannendes, wer keine habe, müsse sich unbedingt welche besorgen, meinte Lisek und brach immer wieder, mal offen mal unterschwellig, eine Lanze für ein selbstbestimmtes Leben, in dem man sich freimachen müsse von allen Zwängen, mutig sein und das Hier und Jetzt genießen sollte. Sie selbst habe durch ihre eigene Krebserkrankung erfahren, wie schnell das Glück vergehen könne. Dies sei auch der Hauptgrund gewesen, dieses Stück zu machen. Vielleicht werde sie nun darüber ein Buch schreiben, kündigte Lisek an und hoffte, dass die Besucher auch etwas mit nach Hause nehmen. Markus Müller