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WM-Generalprobe: Löw will Torproduktion anwerfen

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Training
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Das DFB-Team beim Training in Eppan. Foto: Christian Charisius Foto: dpa

Der Gegner für den letzten WM-Test scheint sportlich ideal gewählt: Gegen Saudi-Arabien wollen Löws Auserwählte für Russland ein gutes Turniergefühl entfachen. Jungstar Werner darf die Offensive anführen. Özil muss passen - und Manager Bierhoff macht eine Basta-Ansage.


Eppan (dpa) - Bevor Joachim Löw seine 23 WM-Spieler noch einmal für drei Tage zu den Familien entlässt, sollen der neue Angriffsführer Timo Werner und seine Offensiv-Kollegen bei den deutschen Fans mit einem torreichen Fußballabend Vorfreude auf das Projekt Titelverteidigung in Russland wecken.

Der Gegner Saudi-Arabien mag politisch umstritten sein - rein sportlich scheint er ideal gewählt: In der neuen FIFA-Weltrangliste trennen Weltmeister Deutschland als führende Nation und die an Position 67 geführten Kicker aus dem Königreich Welten. Nur Gastgeber Russland ist auf Platz 70 schlechter platziert.

«Wir brauchen nicht den absoluten Topgegner, die hatten wir schon, sondern einen Gegner, wo wir das eine oder andere testen können», sagte Teammanager Oliver Bierhoff in Eppan vor dem Flug-Transfer des DFB-Trosses von Bozen nach Köln. Bierhoff machte zwar keine Torvorgabe, aber nach fünf sieglosen Länderspielen erwartet auch er ein Ende der Negativserie: «Wir wollen das Spiel gewinnen und einen guten Abschluss des Trainingslagers.»

Ein Richtmaß für Freitag hat WM-Teilnehmer Peru gesetzt, der die Saudis im Test mit 3:0 bezwingen konnte. «Wir wollen eine gute Leistung zeigen. Jeder will sich nochmal zeigen», sagte Linksverteidiger Jonas Hector. Bei der letzten der nur zwei Partien gegen Saudi-Arabien gab es bei der WM 2002 in Japan ein 8:0.

Der Bundestrainer sollte angesichts der auch 16 Jahre später weiterhin überschaubaren Stärke des Gegners mit seiner Prognose Recht behalten, die er nach dem missglückten 1:2 in Österreich geäußert hatte: «Wir werden einen großen Schritt nach vorne machen!» In Südtirol wurde intensiv an den erkannten Mängeln gearbeitet. Löw hatte die größten Defizite deutlich benannt: «Wir haben taktische Probleme aufgezeigt bekommen, in der Organisation, im Spiel nach vorne, in der Raumaufteilung, im Positionsspiel.»

Alles das soll neun Tage vor dem Ernstfall in Moskau gegen Mexiko in der BayArena anders aussehen. «Es gibt Vorgaben, die der Trainer erfüllt sehen will», bestätigte Bierhoff. Löw kann beim finalen Probelauf aber noch nicht seine WM-Wunschelf aufbieten. Denn Mesut Özil wird wegen einer leichten Knieprellung geschont. Der WM-Auftakt ist für dem 29-Jährigen laut Löw aber nicht gefährdet: «Das Spiel gegen Mexiko steht nicht infrage», sagte 58-Jährige im ARD-Hörfunk. «Man möchte kein Risiko eingehen», sagte Bierhoff.

Eine Fixgröße für die WM-Elf ist auch Jérôme Boateng. Der Bayern-Verteidiger soll nach seiner Oberschenkelverletzung und mehreren Trainingseinheiten mit dem Team zu einem überraschend frühen Comeback kommen, wie Löw ankündigte. «Es ist denkbar, dass er beginnt.» Boateng werde aber nicht das komplette Spiel absolvieren.

«Es ist toll, welch schnelle Entwicklung Jérôme im Training genommen hat», sagte Ex-Stürmer Bierhoff, der beim geheimen Abschlusstraining als Spieler zum Einsatz kam, bei der letzten Pressekonferenz in Eppan. Weitere Spielpraxis im Tor soll Manuel Neuer sammeln. Der Kapitän zog nicht nur für sich selbst ein positives Fazit der zwei Vorbereitungswochen in Italien: «Ich denke, dass wir gut dastehen und gut gearbeitet haben.»

Özils Fehlen könnte auch Einfluss auf die Atmosphäre in Leverkusen haben. Denn wie beim Spiel in Österreich hätten ihm auch im Heimspiel Pfiffe gedroht - als Konsequenz aus dem anhaltenden Wirbel um das Treffen von ihm und Teamkollege Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Özil hatte sich dazu im Gegensatz zu Gündogan auch im Trainingscamp nicht mehr äußern wollen.

Bierhoff erklärte das Thema aus DFB-Sicht kurzerhand für beendet: «Ich bin der Meinung, wir haben sehr viel gemacht - und jetzt reicht es dann auch.» Der 50-Jährige appellierte an die Stadion-Besucher in Leverkusen, Fairness zu zeigen. «Bei aller Verärgerung, die wir haben: Wir sind ein Team auch in Deutschland mit unseren Fans.»

Pfiffe bei Einsätzen im Nationaltrikot musste zu Beginn seiner DFB-Zeit auch Torjäger-Talent Timo Werner aushalten, allerdings wegen einer Schwalbe in einem Ligaspiel für RB Leipzig. Der 22-Jährige, der beim deutschen Confed-Cup-Gewinn 2017 in Russland den «Goldenen Schuh» als bester Torschütze (3 Treffer) erhielt, soll trotz einer leichten Blessur gegen die Saudis beginnen. «Es sieht so aus, als ob es nicht so schlimm ist», sagte Löw.

Die Offensivspieler seien insgesamt «sehr gut» drauf, sagte Miroslav Klose. Der Stern von Stürmercoach Klose im internationalen Fußball ging übrigens 2002 in Sapporo gegen Saudi-Arabien auf: Der WM-Rekordschütze, der am Samstag 40 wird, erzielte beim 8:0 die ersten drei seiner insgesamt 16 WM-Tore.

Voraussichtliche Aufstellungen:

Deutschland: Neuer (Bayern München/32 Jahre/75 Länderspiele) - Kimmich (Bayern München/23/28), Boateng (Bayern München/29/70), Hummels (Bayern München/29/63), Hector (1. FC Köln/28/37) - Khedira (Juventus Turin/31/74), Kroos (Real Madrid/28/82) - Müller (Bayern München/28/90), Reus (Borussia Dortmund/29/30), Draxler (Paris Saint-Germain/24/43) - Werner (RB Leipzig/22/13)

Saudi-Arabien: Al-Mosailem (Al-Ahli Dschidda/34/32) - Al-Shahrani (Al-Hilal Riad/26/37), Osama Hawsawi (Al-Hilal Riad/34/127), Omar Hawsawi (Al-Nassr Riad/32/45), Al-Harbi (Al-Ahli Dschidda/30/40) - Otayf (Al-Hilal Riad/25/17), Al Jassim (Al-Ahli Dschidda/33/127) - Al-Muwallad (UD Levante/23/45), Al-Shehri (SD Leganes/27/53), Al-Dawsari (FC Villarreal/26/43) - Al-Sahlawi (Al-Nassr Riad/31/41)

Schiedsrichter: Vincic (Slowenien)

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