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Witzige Dialoge, haarsträubende Verwicklungen

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Der Brautvater in spe bringt Geschenke für die vermeintlich kleine Tochter. (Foto: Heel)

Boulevard muss Spaß machen: Diese Vorgabe erfüllte das Ensemble des »Theaterchen 0« mit seiner Aufführung der Komödie »Einer ersten Ehe Plage (m/w/d)« voll und ganz.


Die »Plage« ist dabei die Stieftochter eines Pariser Lebemanns namens Trebuchard, der getan hat, was so mancher Mann tut, der finanziell in der Patsche sitzt: Er hat eine reiche, ältere, aber ungeliebte Frau geheiratet. Inzwischen ist er ein reicher Witwer und steht kurz davor, sich mit der reizenden Claire zu vermählen. Die Sache hat nur einen Haken: seine Stieftochter Blanche, eine wenig vorzeigbare »Dame«, die vom Alter her fast seine Mutter sein könnte. Also verlegt er die Hochzeit in die Provinz, um Claire und ihrem Vater diese »Altlast« vorerst zu verheimlichen. Nur dumm, dass die beiden am Tag seiner Abreise plötzlich vor der Tür stehen und Trebuchard damit mächtig in die Bredouille bringen.

Von Andreas Schmitz neu übersetzt, bearbeitet und temporeich inszeniert, brachte diese Komödie des populären französischen Lustspieldichters Eugène Labiche (1815 bis 1888) das Publikum im vollbesetzten Studiotheater von der ersten Minute an zum Lachen. Das lag zum einen an den haarsträubenden Verwicklungen, gepaart mit den peinlichen Folgen von Eitelkeit und Gier, die Labiche in seinem Stück genüsslich ausbreitet, zum anderen an den sechs Akteuren, die mit komödiantischem Gespür dieses Verwirrspiel mit Leben füllten, allen voran Tobias Weistenfeld als Trebuchard und Irmi Gstöttner als Blanche. Dies zeigte sich vor allem in den umwerfend komischen Szenen, in denen Trebuchard verzweifelt versuchte, Blanche einem Nachbarn (Ludwig Janitzki) anhand von 100 000 Franc Mitgift schmackhaft zu machen, wobei er sie vorwiegend im Profil präsentierte und ihr erklärte: »Du gewinnst 50 Prozent, wenn man nur die Hälfte von dir sieht.«

Sehr überzeugend agierte auch Ingrid Hefele, die für die erkrankte Brigitte Solder eingesprungen war, in ihrer Rolle als Dienstmädchen Ragufine, das zum Auftakt mit Staubsauger und Kopfhörer hantierte und so dem Stück ein zeitlich ungebundenes Ambiente verlieh. Dazu passten auch die schrägen Kostüme (von Andreas Schmitz) und die melodramatischen Musikeinsätze wie ein paar Takte aus »Spiel mir das Lied vom Tod« hier, ein paar Zeilen aus Jacques Brels »Ne me quitte pas« dort. Eine Prachtrolle hatte auch Andreas Leitmeyr als Trebuchards Schwiegervater in spe inne, eine zunächst undurchsichtige Figur, die für die größte Überraschung des Stücks sorgte, während Anne-Sophie Solder als seine Tochter Claire zwar gut besetzt war, aber wenig Möglichkeiten hatte, sich zu profilieren.

Weitere Aufführungen

Die Bühnenausstattung (Andreas Schmitz, Andreas Leitmeyr, Klaus Sittmann) war so schlicht wie zweckmäßig, für Licht und Technik war Klaus Sittmann verantwortlich, und für die Maske waren Anne-Sophie Solder und Tamara Kojer zuständig. Kurzum, ein überaus gelungener Theaterabend, bei dem man hemmungslos lachen konnte. Weitere Aufführungen finden am 17., 19., 23., 24., 25. und 30. Oktober jeweils um 20 Uhr statt,

Wolfgang Schweiger