Witzige, anrührende und überraschende Momente

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Besucher der Vernissage zur Ausstellung »Guck mal!« des Kunstvereins Traunstein.

Überraschende Einblicke kann der Besucher der Frühjahrsausstellung des Kunstvereins Traunstein in der Alten Wache im Traunsteiner Rathaus erhalten. Unter dem vielsagenden Titel »Guck mal!« präsentieren 54 Künstler in 54 Kunstwerken bis Sonntag diesmal eine sehr ungewöhnliche Ausstellung.


Ganz ungewohnt: die Wände sind leer, keine Skulpturen beleben den Raum. Lediglich kleine, bunte »Diabetrachter«, so-genannte »Guckis«, wie sie früher üblich waren, um Dias einzeln anzuschauen, hängen im ganzen Raum verteilt etwa in Augenhöhe von der Decke. So muss der Interessierte jedes Einzelne anfassen, vors Auge halten und erlebt dann auch oftmals überraschende, witzige oder anrührende Gefühle, zum Beispiel wenn ihn da – völlig unerwartet – auch ein Auge anblickt. So ist für den Betrachter jeder Blick in ein solches Gucki mit einer gewissen Spannung verbunden – was kommt denn da jetzt? Ein Gefühl, das der Betrachter einer konventionellen Ausstellung so nicht kennt. Allerdings war es jedenfalls bei der sehr gut besuchten Vernissage kaum möglich, alle Guckis zu »erwischen«, man konnte dagegen leicht eines zwei oder drei Mal zwischen die Finger bekommen.

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Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Art, Kunstwerke zu präsentieren, stammt von Helmut Mühlbacher, der zusammen mit Judith Bader, Horst Beese, Jutta Mayr und Hannes Stellner auch die mühselige Installationsarbeit wie das Bohren der kleinen Löcher an den Guckis, das Einfädeln der Nylonschnüre und das Knotenbinden auf sich genommen hatte, bis alles dann so präsentiert werden konnte, wie es jetzt ist.

Bei der Vernissage gratulierte Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke zu der »innovativen Kraft« der neu gewählten Vorstandschaft des Kunstvereins, eine solche ungewöhnliche Ausstellung auf die Beine zu stellen. Der neue erste Vorsitzende des Kunstvereins, Herbert Stahl, der bis vor kurzem zweiter Vorsitzender war und nun sein Amt mit Friedrich Mumm von Mallinckrodt »getauscht« hat, gab eine Einführung in die Konzeption und Intention der Präsentation. Die Größenverhältnisse der Originale werden durch diese Betrachtungsart aufgehoben und unwichtig. Bildnerische Ausdrucksformen wie Bildhauerei, Malerei, Grafik etc. sind gleichwertig auf einer immer gleich großen Kunststofffläche dargestellt. Will der Betrachter mehr wissen, kann er sich nur zusätzliche Informationen auf der Bild-liste holen. Die Idee fand bei den Mitgliedern des Kunstvereins so viel Interesse, dass sich so viele Künstler wie noch nie an der Frühjahrsausstellung beteiligten. Herbert Stahl zitierte Helmut Mühlbacher mit dem Ausspruch »diese Ausstellung ist hochgradig aktuell und zeitkritisch!« Grund sei, dass entgegen dem zeitgenössischen Trend, der durch die neuen Medien wie PC, Film und soziale Netzwerke bedient wird, hier jedes einzelne Kunstwerk nur jeweils einem Betrachter zugänglich gemacht werde. Eine intensive Betrachtung des einzelnen Kunstwerks sei damit die Voraussetzung, um mit anderen Menschen über das Werk zu sprechen. Eine bewusste und genaue Wahrnehmung, die sich Künstler vom Betrachter so wünschen, werde so geschult, sagte Stahl.

Notwendig ist es, die Guckis vorsichtig zu behandeln, nicht daran zu ziehen und sie nicht etwa umzudrehen (vielleicht weil man ein Bild gerne andersherum sehen würde), denn dann fällt das Dia heraus. Im Gespräch mit Besuchern der Vernissage fanden viele die Idee witzig, »mal was anderes«, mehrere aber wünschten sich, die Kunstwerke nun auch im Original sehen zu können.

Die außergewöhnliche Ausstellung in der Alten Wache ist nur noch bis Sonntag zu sehen. Öffnungszeiten sind werktags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr. Christiane Giesen

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