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»Wir zeichnen Buchstaben mit Bleistiften und Pinseln«

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Gisela zur Strassen zeigt, wie es geht: Sie gibt Kurse im Handlettering. »Für jedes Wort kann ich mir Buchstaben aus verschiedenen Schriftarten aussuchen«, sagt sie. »Ich kann sie gestalten, wie ich will und sie mit Bildern verbinden. So entstehen richtige Kunstwerke.«

Seeon-Seebruck – »Einfach schweben durchs Leben« – davon träumt Chrissy Fiedler aus Waging. Und weil sie diesen schönen Gedanken jeden Tag vor sich haben möchte, zaubert sie ihn auf Büttenpapier, in kunstvoll verschnörkelten Buchstaben, die sich um einen bunten Ballon ranken. »Handlettering« heißt die Kunst, Buchstaben zu zeichnen und nicht zu schreiben. Wie das geht, lernt man im stimmungsvollen Ambiente von Kloster Seeon bei Gisela zur Strassen. Sie gibt seit einigen Jahren Handlettering-Kurse im Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern, und alle Kurse sind im Nu ausgebucht.


»Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass Menschen Dinge, die in Vergessenheit geraten wieder neu entdecken. So etwa mit der Hand zu schreiben und im Handlettering Buchstaben zu zeichnen und Kunstwerke daraus zu machen«, sagt sie. »Handlettering begegnet uns im Alltag. Achten Sie einmal auf die schön gestalteten Tafeln in Cafés oder Restaurants.«

Drei Tage lang dauert ein Grundkurs. Stundenlang sitzen die Teilnehmer konzentriert mit Stiften über große Papierblöcke gebeugt und zeichnen Buchstabe für Buchstabe nebeneinander, übereinander und kunstvoll verschnörkelt. Erst waren es die Kurse in Kalligraphie, im Schönschreiben, mit denen Gisela zur Strassen Erfolg hatte. »In der Kalligraphie lernt man, mit der Feder Alphabete in verschiedenen Schriftarten zu schreiben«, erklärt sie. »Handlettering ist etwas anders. In diesen Kursen zeichnen wir Buchstaben mit Bleistiften, Fine-Linern oder Pinselstiften. Für jedes Wort kann ich mir Buchstaben aus verschiedenen Schriftarten aussuchen. Ich kann sie gestalten, wie ich will und sie mit Bildern verbinden. So entstehen richtige Kunstwerke.«

Deshalb greifen die Kursteilnehmer erst einmal zum Bleistift und schreiben ihren Spruch auf das Papier. Hört sich leicht an, ist es aber nicht. »Die Proportionen der Buchstaben müssen stimmen, sonst sieht es nicht gut aus. Ich brauche eine grafisch ansprechende Gestaltung, ich muss wissen, welche Worte ich hervorheben will und wie ich sie anordne.«

Kreativität ist gefragt, und vor allem Geduld. Denn sind die Buchstaben erst einmal auf dem Papier, geht es an die Feinarbeit: die Buchstaben dicker malen, ausmalen, verzieren, anhand von Linien Struktur in das Geschriebene bringen. »Da muss noch oft radiert und neu gemalt werden, bis ein Spruch fertig ist«, sagt Gisela zur Strassen.

Sie hat ursprünglich Gartenbau studiert. Irgendwann stieß sie auf ein neues Hobby – die Kalligraphie. »Später kam noch das Handlettering dazu. Das Schreiben schöner Buchstaben hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Nach sechs Jahren beschloss ich, die Kalligraphie zu meinem Beruf zu machen.«

Stundenlang an einem Spruch zu arbeiten, erfordert vor allem eines: Geduld. Chrissy Fiedler aus Waging ist inzwischen sehr geduldig mit sich selbst. Ihre Arbeitskollegin Gabi Praxenthaler hatte ihr vor einigen Jahren begeistert vom Handlettering im Kloster Seeon erzählt. »Da habe ich mich informiert und gleich einen Kurs gebucht. Jetzt komme ich jedes Jahr nach Kloster Seeon. Es ist für diese Kurse mit seinen schönen Räumen und dem ganzen Ambiente sehr gut geeignet. In einem Kloster kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen. Mich begeistert es, Kunst aus Buchstaben zu machen. Das ist eine meditative Arbeit, die den Kopf von Gedanken frei macht.«

Gabi Praxenthaler hat schon viele Handlettering-Kunstwerke zuhause an der Wand hängen. Das neueste Projekt ist die Gestaltung eines Fotoalbums von ihrer letzten Venedig-Reise. Sie kommt auch jedes Jahr zum Handlettering nach Kloster Seeon. »Das Kloster ist ein Ort für alle Sinne und für meinen persönlichen Rückzug. Arbeit hat man genug im Leben, da braucht man auch was anderes. Ich bin keine Sportlerin, also betätige ich mich kreativ. Beim Stricken, beim Klöppeln oder hier in Kloster Seeon beim Handlettering. Es gibt kein schöneres Plätzchen auf der Welt als Kloster Seeon.«

Wer einen Kurs im Handlettering bei Gisela zur Strassen in Kloster Seeon machen will, muss sich sputen. Im September veröffentlicht sie ihr neues Programm, die Kurse sind schnell ausgebucht. fb