weather-image

»Wir wollen eine bestmögliche Betreuung«

4.2
4.2
Bildtext einblenden
Die Kinder könnten 3 000 Quadratmeter Grünfläche im Garten der möglichen Kindertagesstätte am Rosenhofstadel nutzen dürfen. Gerade wegen des großen Freibereichs erhofft sich die Marktgemeinde Berchtesgaden, leichter Personal zu finden. (Foto: Vietze)

Berchtesgaden – Der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen ist hoch. So hoch, dass der Marktgemeinderat Berchtesgaden in der Sitzung am Montag der Neuerrichtung einer Kindertagesstätte mit einer Gegenstimme (Hans Kortenacker) zustimmte. Dafür hatte die Gemeinde den denkmalgeschützten Rosenhofstadel erworben, der nun für insgesamt rund 4 Millionen Euro abzüglich zu erwartender Zuschüsse saniert werden soll. Die Architekten Rebecca und Peter Schorr stellten das Projekt vor.


Der im 16. Jahrhundert errichtete Rosenhof steht unter Denkmalschutz. Vor etwa drei Jahren war bereits eine Sanierung geplant. Der bisherige Eigentümer, die Privatimmobilien Lorenz, Kurz & Schwab GbR (LKS), wollte zusammen mit der Gemeinde und Bischofswiesens Baumeister Hans Angerer im Hauptgebäude sechs Wohnungen unterbringen und ein »nichtstörendes« Gewerbe im Stallgebäude ansiedeln. Der Denkmalschutz stand aber immer im Vordergrund.

Vor einem Jahr bekundetet die Marktgemeinde Berchtesgaden großes Interesse an der Neuerrichtung einer Kindertagesstätte im Rosenhofstadel. Der Eigentümer hat das Stallgebäude dann für diese Einrichtung zur Verfügung gestellt.

Platz für vier Gruppen

Es ist vorgesehen, vier Gruppen in der neuen Kindertagesstätte unterzubringen: Zwölf Kinder dürfen in die Kinderkrippe, 25 in den Kindergarten. Der Bürgermeister sieht in dem Bauprojekt mehrere Vorteile. Zum einen müsse man keine Grünfläche neu bebauen, zum anderen sei der Standort für Anwohner aus Maria Gern oder von der Salzburger Straße leichter zu erreichen. Rasp betonte, dass man den Rosenhofstadel bereits intensiv auf Altlasten und Schadstoffe untersucht habe.

Für die Planung sind die Architekten Rebecca und Peter Schorr aus Vachendorf zuständig. Sie hatten sich in den vergangenen fünf Jahren vermehrt mit Aufträgen in der Denkmalschutzpflege auseinandergesetzt. Die Architekten sollen das Stallgebäude sanieren und kindertagesstättengerecht gestalten. Für das Bauwerk ist ein neuer Dachstuhl vorgesehen, der gemauerte Bereich muss wegen des Denkmalschutzes erhalten bleiben. Um das zu gewähren, legen die Architekten innen eine neue Tragstruktur um die Bruchsteinmauer mit Kieseln. Stahlbetonstützen sollen die alte Substanz stabilisieren. »Man muss es sich wie ein Korsett vorstellen«, so Peter Schorr.

Die stabilisierenden Stahlbetonstützen sollen bis zum Ringanker reichen. Auf das Gerüst soll ein Holzdachstuhl gebaut werden. Innen will man eine Wärmedämmschicht anbringen. »Es ist ein Haus im Haus«, so Rebecca Schorr. Neben der Wärme spiele die Belichtung eine wichtige Rolle. Durch ein Dachflächenfenster soll das Obergeschoss genügend Licht bekommen. Des Weiteren benötige man im Obergeschoss auf einer Teilfläche einen Glasboden, damit dieses Licht auch das Erdgeschoss erreicht. Der Garten hat eine Nutzungsfläche von rund 3 000 Quadratmetern und soll auch weitgehend erhalten bleiben.

Die erste Kostenschätzung für die Baumaßnahme beläuft sich auf rund 4 Millionen Euro. »Das Projekt wird zwar mehr Kosten als ein Neubau, aber nicht für die Gemeinde«, betonte Bürgermeister Rasp. Man erwarte erhebliche Zuschüsse, die sich auf deutlich über 50 Prozent belaufen könnten.

Dennoch gab der Kostenaspekt einigen Gemeinderatsmitgliedern zu denken, einige forderten eine genaue Kostenschätzung. »Wir müssen beim Umbau unbedingt die Kosten im Blick haben«, so beispielsweise Michael Koller (Freie Wähler). Er stehe zwar hinter dem Projekt, doch man müsse vorsichtig sein.

»Fleckerlteppich« missfällt

Hans Kortenacker (Bürgergruppe) wollte die Euphorie im Gemeinderat nicht teilen. Die Kosten würden sich massiv erhöhen, wenn man beim Stallgebäude alles retten wolle. Zudem sei der Rosenhofstadel nicht der ideale Standort, da er dezentral liegt. Der »Fleckerlteppich« bei den Kindertageseinrichtungen gefiel Kortenacker nicht. Er hätte es deshalb für vorteilhaft gehalten, wenn man gewartet hätte, bis in der Umgebung der aktuellen märktischen Kindertagesstätte ein Grundstück erhältlich ist.

Dem widersprach Dr. Bartl Wimmer (Bündnis 90/Die Grünen). Er erkenne keine Effizienz, wenn die Kindertagesstätte zentral liegen würde. »Der Betreuungsschlüssel bleibt der gleiche«, so Wimmer. In puncto Personalgewinnung sei der dezentrale Standort sogar attraktiver. Dies unterstrich Franz Rasp: »Wir wollen eine bestmögliche Betreuung.« Auch wegen des großen Freibereichs könne man hier leichter Personal an Land ziehen und die Kinder hätten ein ideales Umfeld.

Bis auf Hans Kortenacker zeigten sich im gemeinsamen Beschluss alle Gemeinderäte grundsätzlich mit der Errichtung einer viergruppigen Kindertagesstätte im denkmalgeschützten Rosenhofstadel einverstanden. Man beauftragte die Verwaltung, die Genehmigungsplanung, die Kostenberechnung und einen Finanzierungsvorschlag zu erstellen und diese dem Marktgemeinderat zur Beschlussfassung vorzulegen.

Für das Projekt hat man ein großes Zeitfenster angelegt. Die Kindertagesstätte soll, vorbehaltlich des entsprechenden Beschlusses, ab 2021 gebaut und 2022 fertiggestellt werden. Patrick Vietze