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»Wir sind ein Berchtesgadener Unternehmen«

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Der Bebauungsplan Eberweinweg, wo 26 Wohnungen in fünf Gebäuden entstehen sollen, liegt aktuell auf Eis. Grund genug für Martin Harlander, die Verlässlichkeit der Gemeinde infrage zu stellen. (Grafiken: Harlander Baumanagement GmbH)
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Martin Harlander (l.) und sein Projektleiter Jan Brielmann mit einem Modell des geplanten Baugebiets Eberweinweg. Der Bebauungsplan liegt aktuell auf Eis. (Foto: Kastner)
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24 altersgerechte Wohnungen will Martin Harlander auf dem Grundstück der »Villa Schön« errichten. Einen Gerichtstermin dazu wird es am 16. Juli geben.

Berchtesgaden – Investor will er nicht genannt werden. Und er sei erst recht keine Heuschrecke, betont der Pongauer Unternehmer Martin Harlander. »Wir sind ein Berchtesgadener Unternehmen und zahlen hier auch unsere Steuern«, sagt der Geschäftsführer der Harlander Baumanagement GmbH im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Hintergrund dieser Formulierung ist die Kritik, auf die einige seiner Großprojekte im Talkessel bei Teilen der Bevölkerung gestoßen sind.


Mit der Eröffnung der Jennerbahn an Pfingsten ist Martin Harlander schon einmal ein Etappensieg gelungen. Als Großaktionär mit 17-prozentiger Beteiligung an der Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) ist er maßgeblich am 56 Millionen Euro teuren Neubau beteiligt. Auch den längst abgeschlossenen Bau des Heizkraftwerks in Schönau am Königssee mit der Fernwärmeversorgung hat der Pongauer maßgeblich mit vorangetrieben. Bei anderen Projekten ist Martin Harlander allerdings noch nicht so weit: Für das Hotelprojekt am Königssee bereitet man gerade die zweite Auslegung vor und bei der Kurklinik Stanggaß laufen nach Angaben des Pongauers noch die Vorplanungen.

So richtig ins Stocken geraten ist dagegen die Bebauung der Grundstücke bei der »Villa Schön« und am Eberweinweg in Berchtesgaden. Zwar sind beide Projekte vom Gemeinderat einstimmig abgesegnet worden, doch in Teilen der Bevölkerung regt sich Widerstand. Der Vorwurf: Hier sollen überteuerte Luxuswohnungen entstehen, die sich Einheimische nicht leisten können. Zum Zug würden fast ausschließlich wohlhabende Auswärtige kommen.

Bewerbungen nur von Einheimischen

Das weist Martin Harlander entschieden zurück. Der Unternehmer räumt schon ein, dass man bei Preisen zwischen 4 200 und 4 700 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche von gehobenem Standard sprechen könne. Von »Luxus« könne aber nicht die Rede sein. »Wir bauen dort Wohnungen, die auf die heutigen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Wenn die Leute insgesamt älter werden, dann braucht man altersgerechte Wohnungen. Alles wird etwas breiter und großzügiger«, erklärt der Unternehmer. Den Käufern gehe es darum, aus Gründen der besseren Versorgung zentral zu wohnen. »Für die 24 geplanten Wohnungen bei der 'Villa Schön' und die 26 geplanten Wohnungen am Eberweinweg haben wir bislang 30 bis 35 Bewerbungen«, erklärt Harlander und betont: »Es sind alles Einheimische.«

Den von mancher Seite vorgebrachten Vorschlag, hochwertigen Wohnungsbau mit sozialem Wohnungsbau zu verknüpfen, hält Martin Harlander in Gebieten wie am Eberweinweg oder bei der »Villa Schön« nicht für möglich. »In solchen Premiumlagen kann man nur eine Bebauung realisieren, die der guten Lage entspricht.«

Über die Bebauung des Grundstücks »Villa Schön« wird das Verwaltungsgericht München nach einem Ortstermin am 16. Juli entscheiden. Harlander hofft, dass sich das Projekt dann zügig realisieren lässt. Immerhin seien sich alle beteiligten Behörden in dieser Sache einig. »Und ich brauche mich für meine Planung nicht zu schämen«, betont Harlander und zeigt eine Grafik aus dem Planungsentwurf.

Ist die Gemeinde nicht verlässlich?

Das Projekt Eberweinweg hat man dagegen vonseiten der Gemeindeverwaltung erst einmal auf Eis gelegt. Davon ist Martin Harlander wenig begeistert. Der Pongauer hatte das Grundstück vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds erworben, anschließend habe man in Zusammenarbeit mit dem märktischen Bauamt »ein hochprofessionelles Projekt« entwickelt, das der Gemeinderat mit 18:0 Stimmen abgesegnet hatte. Dass man den Bebauungsplan vonseiten der Gemeinde nun nicht auslege, weil »einzelne Stimmen dagegen sind«, hält Harlander für nicht nachvollziehbar. »Als Unternehmer muss man sich schon auf eine Behörde verlassen können. Und wenn man hier die bereits gemachten Zusagen nicht einhält, dann muss ich schon die Verlässlichkeit der Gemeinde infrage stellen«, sagt Harlander.

Überhaupt ist dem Österreicher die Kommunikation enorm wichtig. »Wenn man miteinander kommuniziert, dann kann man viel erreichen«, sagt Harlander. Diese Kommunikation gebe es beispielsweise mit der Gemeinde Schönau am Königssee beim Hotel-Königssee-Projekt. »Man muss miteinander reden, dann kann man zum Ende zu einem Kompromiss kommen«, betont der Unternehmer und bringt dann gleich den Bund Naturschutz ins Gespräch. Bei der Naturschutzorganisation nämlich vermisst er diese Kommunikationsbereitschaft, Angebote für Gespräche würden in der Regel nicht genutzt. Beim Königssee-Projekt bereite man gerade die zweite Auslegung des Bebauungsplans vor. »Erst dann werden wir sehen, wie der Bund Naturschutz dazu steht.«

»Ich zahle hier Steuern«

Martin Harlander appelliert an die Bevölkerung, ihn und seine Firma als Einheimische anzuerkennen. »Ich bin zwar Österreicher, aber ich mache hier meinen Job, zahle hier Steuern und habe bei allen Projekten stets das Ziel, einheimische Firmen zu beschäftigen.« Manche Projekte seien zwar für Berchtesgadener Firmen zu groß, aber man gebe heimischen Firmen nach Möglichkeit immer den Vorzug.

»Unser Geschäft ist es, Grundstücke zu kaufen, sie zu bebauen und die Wohnungen dann zu verkaufen«, erklärt der Pongauer und fügt an: »Wir sind jedenfalls keine Geldhaie.« Zwar gibt Harlander zu, dass er manche Projekte wie den Jennerbahnbau auch mit seinem Eigenkapital vorantreibe. »Im Wesentlichen aber stecken natürlich die Banken hinter den Projekten.« Um von ihnen Kredite zu bekommen, müsse man erhebliche Vorarbeit leisten. Und durch seine 20-jährige Tätigkeit in der Projektentwicklung habe er sich entsprechendes Vertrauen erworben. »Ansonsten wohne und lebe ich wie auch die Berchtesgadener«, fügt Harlander an. »Ich komme von einem Bauernhof, gehe am Wochenende mit meiner Familie auf den Berg und habe ein Häusl, das nicht größer ist als das von meinen Kritikern.« Ulli Kastner