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»Wir haben alles, müssen es nur nutzen«

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Man braucht Fantasie, um sich das künftige Bild der Räume vorstellen zu können. (Fotos: Meister)
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Gastronomie im historischen Ambiente, das ist ein Aspekt der umfangreichen Pläne von Hans-Peter Schertler für Marktschellenberg.
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Hans-Peter Schertler lebt den Traum, dass Marktschellenberg künftig nicht nur Transit-Ort ist, sondern Gäste hier zur Rast anhalten.

Marktschellenberg – Vor einigen Wochen war im »Berchtesgadener Anzeiger« ein Artikel erschienen, der die Ist-Situation in Marktschellenberg zum Inhalt hatte. Mit Wohlwollen kommentiert, kann man sagen, dass einiges im Ort durchaus verbesserungswürdig wäre. Das betrifft auch das gastronomische Angebot. Das soll sich ändern, sagt Hans-Peter Schertler. Seine Pläne versprechen eine gastronomische Aufrüstung mit vielen Facetten. Zwischen Bauschutt und ein wenig Staub führte er durch seine Baustelle im ehemaligen Gasthof »Untersberg« und ließ die Besucher an seinen Träumen mit realistischem Hintergrund teilhaben.


Hans-Peter Schertler ist ein Marktschellenberger und vor ein paar Jahren aus der Welt an den Lieblingsort zurückgekehrt. Den er liebt, auch wenn es ihm seinerzeit nicht immer leicht gemacht wurde. Und genau die Frage, wohin man wohl gehen könnte, um sich ein paar angenehme Stunden zu machen, hat er sich gestellt. Und als Antwort ist ihm eingefallen, dass man etwas tun müsse, um den schönen Ort attraktiver zu machen, der mehr bieten kann als eine Durchfahrtsstraße zu den Punkten, an denen jetzt schon alles da ist, denn Schertler glaubt an die noch ungenutzten Möglichkeiten, die Marktschellenberg bietet, an die Zukunft des Ortes. Und dann dachte er den vielleicht wichtigsten Satz seines Lebens, mindestens jedoch für dieses Projekt und in Erinnerung an die gelegentlich disharmonisch verlaufene Vergangenheit: »Jetzt zeige ich es Euch!«

Firmengründung im Jahr 2015

Und hat 2015 eine Firma gegründet, in der alle Pläne gebündelt werden. Zehn Wohnungen sind schon real. »Unter der Erde«, im Anschluss an die bereits nutzbare Tiefgarage, hat er den Sportschützen, die bisher und sehr lange ihr Refugium im Gasthaus »Almbachklamm« hatten, eine neue Heimat geschaffen. Das im späten Herbst des Vorjahres eingeweihte Schützendomizil ist nach modernsten Strukturen eingerichtet, lässt jedem Schützen das Herz aufgehen. Schertler verdient dabei gar nichts. Aber es ist ein Baustein zur Traumwahrheit. Bei der Übergabe, an der viele Marktschellenberger Anteil nahmen, durfte man einen sehr zufriedenen Bauherrn Hans-Peter Schertler sehen.

»Wir haben alles in Marktschellenberg, wir müssen nichts erfinden, wir müssen es nur nutzen«, sagt Hans-Peter Schertler. Es klingt manchmal wie ein Märchen, wenn er von seinen Plänen spricht, von seinen Träumen, aber man merkt bald, dass es wohl keine Märchen sind. Was er sieht, kann der Zuhörer nicht sehen, und nicht wissen. Schertler sagt, dass hier das Restaurant sein werde, dort die »Kneipe«, dass der Hof ein Glasdach erhalten wird, dass Gästen wetterunabhängig einen angenehmen Aufenthalt garantiert.

Schertler hat auch erkannt, dass dem Ort beispielsweise eine Gastronomie fehlt, die sowohl die Einheimischen wie auch die Gäste mit Anspruch bedient, gleichzeitig aber auch dem Feierabendbiertrinker einen zuverlässigen Platz gibt. Also hat er in der Salzburgerstraße gleich ein ganzes Ensemble historischer Häuser erworben – die ältesten hatten ihre Grundsteinlegung bereits im Jahre 1560 – und ist nun dabei, das zwar äußerlich getrennte, aber im Inneren zur Einheit verschmelzende Ensemble zur gastronomischen Realität werden zu lassen. Die Wohneinheiten in den oberen Gebäudeteilen sind bereits fertig und längst bezogen. Unten wird noch gebaut. Mit Hindernissen, manchmal. Denn, wer Hand anlegen will an der Historie, hat Hürden zu überspringen. Beispielsweise den Denkmalschutz, der zwar bauliche Verzögerungen mit sich bringt, aber, wenn man es positiv sehen mag, auch Dinge ans Licht bringt, die sich durchaus als nützlich für das Projekt erweisen können.

Das Pfadlsteinerhaus

Zu den Häusern der Salzburger Straße, in denen Schertler nun Hausherr ist, gehört die Nummer 12, das sogenannte Pfadlsteinerhaus, das schon einmal ein Gasthof war, aber das ist gefühlt lange her, ein zweigeschossiger massiver Giebelbau mit Flachsatteldach und spätgotischem Spitzbogenportal aus dem 16. Jahrhundert. Das war einmal das »Pfärlsteiner Wirtshaus«, das allerdings liegt schon einige hundert Jahre zurück. Die etwas älteren Mitbürger erinnern sich vielleicht an das Gasthaus »Zum Untersberg«. Urkundlich nachweisbar ist, dass mindestens im Jahre 1712 die Zeitrechnung der Gastronomie im Haus begann. Georg Pfärlsteiner wird in den Urkunden als erster Wirt aufgeführt. Vielfach haben die Männer am Zapfhahn in den folgenden Jahren gewechselt.

Seit gut einem Jahrhundert trug das Gasthaus den Namen »Untersberg« und fast genauso lange war es im Besitz der Familie Gadringer, die ab 1905 die Hoheit über Keller und Küche übernahm. Es galt als durchaus renommiertes und vielfrequentiertes Gasthaus in Marktschellenberg. Das ist Vergangenheit.

Eine 700 Jahre alte Holzdecke

Die Gegenwart verschmelzt die Nachbarhäuser mit dem Pfadlsteinerhaus zu einem Komplex. Das wären die Hausnummern 14, das ehemalige Hofmetzger- oder Schillinghaus sowie 16, das einst viele Namen hatte, aber wohl bekannt ist unter den Bezeichnungen Gerichtschreiberhaus oder Försterhaus. Das Ensemble wird komplettiert durch die Nummer 18. Das lässt sich nachlesen in der Marktschellenberger Chronik. Und wenn ein Gebäude etwa 600 Jahre alt ist, lässt sich möglicherweise vieles finden, das Denkmalschützer, Kunsthistoriker und andere Menschen, die in der Historie nach Aufschlüssen für Gegenwart und Zukunft suchen. Ein Holzschwert als Kinderspielzeug beispielsweise, Kinderschuhe aus dem Mittelalter oder eine Holzdecke, die Experten auf ein Alter von rund 700 Jahren schätzten und die im Verborgenen erhalten blieb, zugemauert. Vielleicht ist gerade dies für die lange Lebensdauer und den guten Erhalt wichtig. Im Gastronomiebereich soll sie ein Hingucker sein, hinter Glas und geschützt. Das zu erhalten, ist nicht nur für Historiker interessant, es kann durchaus die Atmosphäre einer Gaststätte verbessern.

Das ist aber noch Zukunft. Im Moment wird am Generalplan gebaut, einvernehmlich natürlich mit dem Denkmalschutz. Wenn Hans-Peter Schertler durch sein noch staubiges, vom Denkmalschutz zugelassenes Reich geht, Neugierige durchführt, sieht er die Zukunft bereits im Alltagsgewand. In seinem früheren Berufsleben hat er nahezu alles über Gastronomie und Hotellerie erfahren und kann das nun in das eigene Projekt einbringen. Dem Gast muss es noch erklärt werden: Die Bar wird dort sein, die Küche zentral, dem Restaurant soll ein Großteil der Grundfläche vorbehalten sein. Das Konzept strebt an, den »Gast zu binden«, alles am Ort zu haben, was ihm Bedürfnis ist und dazu Freude macht. »Die Leute«, sagt Schertler, sollen essen und bleiben, nicht anschließend nach Berchtesgaden oder Salzburg fahren müssen, weil sie alles hier auch finden können.

Hans-Peter Schertlers Projekt ist auch für den Außenstehenden spannend, seine Pläne machen neugierig und lassen auf eine glückliche Umsetzung hoffen. Es gebe noch viel zu erzählen von »Schertlers Traum«, die Sagen um den Untersberg sollen eine wichtige Rolle im Haus spielen, dafür hat er eigens Aufträge vergeben. Aber davon soll sich der potenzielle spätere Gast selbst ein Bild machen können. Das ist gar nicht einmal so weit weg. Hans-Peter Schertler will im Sommer dieses Jahres fertig sein, es den Gästen übergeben. Darauf darf man neugierig sein und vielleicht auch ein wenig die Daumen drücken. Bisher, so sagt der Bauherr, wurden in der Baustelle bereits 14 Kilometer Leitungen verlegt. Es werde also Licht. Dieter Meister