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Wintermeiler trotzt hohen Schneemauern

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Jung und Alt halfen zusammen beim Errichten des Wintermeilers zwischen hohen Schneemauern in Neukirchen. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Fast ebenso hoch wie der Wintermeiler, den der Köhlerverein Neukirchen in nur zweitägiger Arbeit errichtet hat, sind die den Platz an der Haslacher Stube einrahmenden Schneemauern. Alles ist bereit für die Eröffnung der Winterköhlerwochen am Sonntag, 17. Februar um 10 Uhr mit dem Anzünden des Meilers.


Die Forsthütte und das Areal an der »Haslacherstube« am Fußweg von Lochmühle auf den Teisenberg hat der Forstbetrieb Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten den Köhlern für diese Traditionspflege gerne zur Verfügung gestellt. Allerdings mussten sie sich angesichts der Schneemassen erst auf mühevolle Weise den Weg durch den Tiefschnee zur Hütte bahnen. »I woit’s eigentlich verschiabn. Do ham de Jungen g’sagt: Naa, des ziang ma durch«, erzählt der Köhler-Vorstand Alois Prechtl schmunzelnd. Kreuz und quer seien die Bäume auf dem Weg gelegen, wo die Schneehöhe bis zu 1,60 Metern gewesen sei.

Die Jungköhler wussten sich zu helfen: Georg Strehhuber, der »Lochmüller«, lieh sich kurzerhand von Albert Kumminger vom Bernbichler-Hof eine Schneefräse. Tassilo Heigermoser und Arnulf Gut schnitten den Weg aus, und Manuel Baumgartner fuhr mit dem Traktor nach. »Is ja schee wenn’s so fui Energie hab’n«, zeigte sich Alois Prechtl begeistert.

Auch beim Aufrichten des etwas kleineren Meilers aus 32 Ster Holz – der Sommermeiler enthält etwa 50 Ster – halfen etwa 15 ältere und junge Köhler zusammen. Am Ende wurde der gesamte Meiler mit Kohlenlösche abgedeckt, und die Lösche wurde gut festgeklopft. Nur die Spitze blieb vorerst noch frei, damit am Sonntag nach dem Einführen der Lunte ein schöner Luftzug den Meiler zum Brennen bringt. Einige junge Männer haben den Meiler oben mit Tannenreisig statt der üblichen Fichtenzweige abgedeckt, weil an dieser Stelle eben mehr Tannen wachsen. »Ma muass nehma, wos ma hod«, entgegnete ein Jungköhler auf die diesbezügliche Anmerkung des Köhlervorstands. Danach trat die Jugend in luftiger Höhe mit den Füßen und mit Schaufeln den Rand, wo die Kohlenlösche aufhört, gut fest.

Nach so viel Schaufeln und Festklopfen schmeckte in der gut geheizten Hütte die Brotzeit vom »Hüttenwirt« Arnulf Gut, warmer Leberkäse mit Senf und Semmeln. Die Mannschaft machte es sich im hinteren Teil der Hütte bequem, die früher den Förstern und den »besseren Leuten« vorbehalten war. Die Hütte war völlig eingeschneit gewesen, doch mit vereinten Kräften war zwischen Hütten- und Schneemauern ein Weg freigeschaufelt worden.

Im vorderen Teil der Hütte, wo sich früher die Holzknechte aufwärmen konnten, werden die Köhler für die Besucher Bierbänke aufstellen für einen gemütlichen Aufenthalt am Kohlenmeiler. Zum Anzünden des Meilers musiziert ein Ziachspieler und beim Öffnen des Meilers am Sonntag, 10. März, ab 10 Uhr eine Musikgruppe.

Täglich können Interessierte am Tag und Nacht bewachten Meiler, der bei Bedarf mit Schnee statt mit Wasser gelöscht wird, vorbeischauen und den Köhlern Gesellschaft leisten. Beim Anzünden und Öffnen des Meilers gibt es neben Getränken auch warme und kalte Brotzeiten.

Die Köhlerwochen waren wegen der Neukirchner Bierzeltwoche im August heuer in den Winter vorverlegt worden. Bereits 2005 hatte es schon einmal einen Wintermeiler gegeben. Der Köhlerverein besteht übrigens heuer seit 20 Jahren, und nächstes Jahr werden es 30 Jahre, seit in Neukirchen die alte Tradition der Köhlerei mit dem ersten Meiler neu belebt wurde.

Das genaue Rahmenprogramm wird nach dem Anzünden des Meilers bekannt gegeben. Angedacht ist ein nostalgisches Schlittenfahren zum Fasching, eventuell auch bei Mondschein. Alle Besucher können gerne einen Schlitten mitnehmen, wenn sie zum Meiler kommen, denn der Fußweg ist bergab gut mit dem Schlitten befahrbar.

Die Haslauerstube ist vom Wanderparkplatz in etwa zehn Minuten zu Fuß erreichbar und von den neu geschaffenen Parkplätzen zwischen Autobahnunterführung und Lochmühle in etwa 15 bis 20 Minuten. vm