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Willy Ebneth über Brauchtum, echte Volksmusik und seine neue Heimat

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Bischofswieser Willy Ebneth über Brauchtum, echte Volksmusik und seine neue Heimat
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Selbst gebaut: Der Vorsitzende des Sänger- und Musikantenvereins D'Bischofswieser, Willy Ebneth, hat sich seinen Traum von einer Alm im Tal verwirklicht. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Willy Ebneth hat im Talkessel Wurzeln geschlagen: Der Mann aus dem Bayerischen Wald ist Vorsitzender des Sänger- und Musikantenvereins D'Bischofswieser, singt im Kirchenchor Maria Gern und ist Teil des Volksliedchors des Berchtesgadener Adventssingens. Mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« hat Ebneth über seinen Umzug nach Bischofswiesen, die Liebe zur Volksmusik und die Akzeptanz der Bürger gesprochen.


Berchtesgaden hätte ihm schon immer gefallen, erzählt er. Ursprünglich kommt Willy Ebneth aus der Nähe von Cham. »Ich war oft zum Wandern hier, die Berge haben es mir angetan.« Aber ein Leben in Berchtesgaden war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich: Nach seinem Studium arbeitete Ebneth als Diplom Ingenieur für Maschinenbau in der Industrie, später unterrichtete er an einer privaten Schule in Regenstauf nahe Regensburg. »Erst habe ich nur unterrichtet, dann war ich immer mehr in die Organisation eingebunden«, erzählt er. Schulleiter, Geschäftsführer zweier Bereiche, Aufsichtsrat, Berater – eine Karriere wie aus dem Bilderbuch.

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Alm im Tal

»Ich hatte aber immer diesen Traum, in der Rente einmal auf einer Alm zu leben«, sagt er, »aber die bekommt man ja nicht zum Kauf«. Erfüllt hat er sich diesen Wunsch zusammen mit seiner Lebensgefährtin Gisela trotzdem: »Wir haben ein Inserat im »Anzeiger« geschaltet, dass wir ein Grundstück suchen – in Bischofswiesen sind wir fündig geworden.«

Zusammen mit den Katzen Sophie und Sissi leben die beiden seit 2013 in einer neu gebauten Alm. Davor haben sie das Haus alle zwei bis drei Wochen genutzt, immer dann, wenn es beruflich möglich war. Um das Haus herum wachsen zahlreiche Blumen, auf eine Freifläche hat Ebneth einen kleinen Kaser gebaut, auch einen Bauerngarten haben die beiden angelegt. »Holzarbeiten machen mir einfach Spaß«, sagt er lächelnd.

»Bei unseren Aufenthalten sind wir auf den Verein gestoßen und haben uns vorgenommen, Mitglieder zu werden, wenn wir dauerhaft da sind.« Musik begleitet Ebneth schon sein ganzes Leben: Zwölf Jahre lang hat er in einem Männerdreigesang mitgewirkt, sehr erfolgreich war er auch in einem Männer-Doppelquartett. »Geselligkeit ist mir sehr wichtig«, sagt er. Auch die Volksmusik hätte es ihm schon immer angetan. Im Bischofswieser Verein fanden Gisela und er, wonach sie suchten.

Im November 2013 traten sie dem Verein bei. Es dauerte nicht lange, dann war Ebneth auch schon eingespannt: Zwei Jahre später übte er das Amt des zweiten Schriftführers aus, 2018 folgte dann der Vorsitz. »Mir haben die Zielsetzungen des Vereins gefallen«, sagt er, »und jetzt habe ich auch die Zeit für dieses Amt«. Ob es jemals Vorurteile gab, weil er ursprünglich nicht aus der Gegend ist? »Nein. Aber viele Einheimische haben sich gewundert, dass wir so gut aufgenommen worden sind.«

Der Verein will echte, bodenständige Volksmusik erhalten. Dazu gehört nicht nur, für Veranstaltungen verschiedenen Besetzungen zu finden, sondern mit Gesang, Instrumentalmusik und unterschiedlichen Klangfarben zu experimentieren. Ein wesentlicher Aspekt der Veranstaltungen ist auch die Moderation. »2016 habe ich das zum erstem Mal übernommen, damals für die vier Alphorn-Veranstaltungen.« Inzwischen moderiert Ebneth auch den Frühschoppen, den Hogoascht und den besinnlichen Teil der Weihnachtsfeier.

Brauchtum, Geschichte und aktuelle Geschehnisse, für die Moderation ist viel Wissen gefragt. In die Materie liest sich Ebneth ein, Bücher, Heimatzeitschriften und die Zeitung bilden die Grundlage. »Es gibt da auch ein paar gute bayerische Witzebücher.«

Eine Faustregel

Ebneth hat eine klare Vorstellung davon, was echte Volksmusik ist. Seine Faustregel: Drei Generationen müssen miteinander singen oder musizieren und dabei etwas Schönes empfinden.

»Das ist jetzt bei den Oberkrainern nicht der Fall.« Aber Toleranz für andere Stilrichtungen sei unerlässlich, auch wenn es sich nicht um »echte« Volksmusik handeln würde.

Die Veranstaltungen finden an markanten Terminen statt, immer um wichtige Feierlichkeiten oder Tage herum. »Dann erzähle ich etwas über ein kirchliches Fest, einen Namenstag oder über die Jahreszeit.« Seit 2016 hat er keine Moderation wiederholt. »Es gibt so viel zu erzählen, da muss ich nicht auf Altes zurückgreifen«, erklärt er.

Zeitintensiv ist die Arbeit dennoch: Am Anfang des Jahres werden die Termine festgelegt, dann klären die Moderatoren untereinander, wer welchen Termin übernimmt. »Dann lege ich mir eine Stoffsammlung an. Immer wenn ich dann etwas Passendes zum Thema finde, kommt es in die Ablage.« Als Geschäftsführer hat er keine Zeit gefunden, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen. »Das, was früher auf Sparflamme lief, geht jetzt.«

Porschefan

Zeit für andere Hobbys bleiben Willy und Gisela trotzdem noch. »Ich bin ein Porschefan«, gibt er zu. In der Garage parkt ein alter Carrera – er ist nicht der einzige Porsche, der auf dem Grundstück steht. »Außerdem fahren wir gerne für ein, zwei Tage weg, dann passen die Nachbarn auf die Katzen auf.« In die Ferne zieht es die beiden schon länger nicht mehr, denn viele Länder hätten sie schon bereist. »Für uns ist die kleine Welt hier in Berchtesgaden in Ordnung«, sagt er.

Am Donnerstag, 8. August, findet das Alphornblasen zum 75. Mal statt. Wenn es nach Willy Ebneth geht, sollen noch viele weitere Veranstaltungen folgen. Er jedenfalls, will sich auch in Zukunft für den Verein engagieren. Dabei liegt im ein Projekt besonders am Herzen: Er will im Verein einen Männerdreigesang etablieren. Lena Klein

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