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Wie viel Spielraum haben wir?

Die Galerie Kaysser wurde 2006 von Andrea Kaysser in München-Schwabing gegründet und vertritt momentan 17 internationale Künstler. Nach sechs Jahren mit 44 Einzel- und Gruppenausstellungen sowie diversen Kunstmessebeteiligungen hat sich die Galeristin dazu entschlossen, die Galerie nach Ruhpolding zu verlegen. Im Zentrum des Ortes, gegenüber dem »Hotel zur Post«, hat sie dazu ideale Räume gefunden.

Die zentrale Installation der Ausstellung »Spielraum« in der Galerie von Andrea Kaysser. (Foto: Burghartswieser)

Den Anfang dort machte die Installation »Spielraum«. Schöpferin dieser Arbeit ist die Bildhauerin und Malerin Linda Blüml, 1977 in München geboren, wohnhaft in Potsdam und mit Wurzeln im Chiemgau. Die Künstlerin stellt in dieser Ausstellung die Frage: »Wie viel Spielraum haben wir?« Es geht dabei um das Spielerische an sich, um einen spielerischen Umgang. »Ob man nur funktioniert, sich in die Gesellschaft oder die eigenen Vorstellungen einfügt, oder ob man frei im Moment agiert«, so Blüml.

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Der Ausstellungsraum besteht aus verschiedenen Abteilungen. Da sind zunächst Marmorskulpturen in klassischen Spielzeugfiguren. »Marmor ist edel und wertvoll. Aber ein teurer Teddy, kalt und hart, mit dem man nicht kuscheln kann, ist für mich Sinnbild für einen wertverschobenen Umgang mit sich selbst.« Als Metamorphose stehen, teilweise noch zwischen den Marmorfiguren, Knetfiguren aus Ton auf den Schaufensterauslagen. An den Wänden hängen Ausmalbilder, die Blüml entworfen und bemalt hat. Sie verfolgen das Prinzip der Vorlage, stehen für Uniform und Enge, der man entflieht, indem man sich traut, über den Rand zu malen. Im Raum hängen auch, wie an einem Mobile, sogenannte »Erinnerungsfotos« in Dia-Rahmen, als »Erinnerungs-Hilfe« an sein inneres Kind, ans »Spielen-Nicht-Vergessen« im Alltag.

Mitten im Raum steht – fast provokativ – ein Gitterbett, gefüllt mit Spielzeug. »Ein Kinderbett voll plappernder Plastikspielzeuge, voll greller Farben, Comic-Gesichter, fröhlich-künstlicher Musik. Kein Kind hat hier mehr Platz zu spielen, geschweige denn, Ruhe zu finden. Diese Installation zeigt, welcher Überreizung, Überfrachtung von Dingen wir uns täglich aussetzen, zeigt es ebenso plump und plakativ wie die billigen Reize selbst, die unsere Aufmerksamkeit erzwingen.« Und schließlich gibt es für die Besucher im »Spielraum« die Möglichkeit zum Spielen, auf einfache Art selbst kreativ zu werden, zu kneten oder zu malen.

»Meine Hauptaufgabe für diese Ausstellung war es, zu spielen. Formen, die ihren eigenen Weg suchen, verträumt in meiner Matschhand, drüber hinausmalen und Spaß haben – so mein Leitsatz«, betont Linda Blüml. Die Ausstellung »Spielraum« ist in der Galerie Kaysser noch bis zum Sonntag, 16. September, zu besichtigen. Die Finissage findet um 15.30 Uhr statt Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 10 bis 12.30 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, Samstag von 10 Uhr bis 16 Uhr und nach Vereinbarung. Hab