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Wie funktioniert die Nato-Raketenabwehr?

Brüssel (dpa) - Die Raketenabwehr der Nato soll ganz Europa vor möglichen atomaren Angriffen von Staaten wie dem Iran schützen. Der ursprüngliche Plan von George W. Bush für eine US-Abwehr mit bodengestützten Abfangraketen in Zentraleuropa steht nicht mehr zur Debatte.

Raketenstart
Start einer Minuteman-Rakete. Foto: Missile Defense Agency/Douglas Gruben Foto: dpa

Seit September 2009 geht es um eine Abwehr der Nato, die in vier Phasen flexibel aufgebaut und ab etwa 2020 einsatzbereit sein soll. Diese Abwehr (Phased Adaptive Approach) wurde von US-Präsident Barack Obama vorgeschlagen. Sie setzt stark auch auf mobile Abfangraketen an Bord von Schiffen und U-Booten.

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Die «Anfangsbefähigung» (Interim Operational Capability) der Raketenabwehr, die in Chicago erklärt wird, betrifft erste Elemente der ersten Phase. Die USA haben Kreuzer im Mittelmeer stationiert, Spanien hat die Marinebasis Rota bei Cádiz als Heimathafen der US-Schiffe bereitgestellt, in der südöstlichen Türkei ist eine hochmoderne Radaranlage aufgestellt worden, im rheinland-pfälzischen Ramstein ist die Kommandozentrale der Raketenabwehr entstanden.

In den Phasen 2 bis 4 kommen Abschussbasen für bodengestützte Abfangraketen in Polen und Rumänien hinzu. Zwischen 2018 und 2020 sollen dann neue Abwehrraketen erprobt werden, die auch Langstreckenraketen unschädlich machen können. Ein Hauptproblem der Raketenabwehr ist, dass nur wenige Minuten - im besten Fall etwa 20 Minuten, oft aber weniger - bleiben, um eine feindliche Rakete zu identifizieren und mit einer Abfangrakete zu treffen.

Allerspätestens in der letzten Phase, sagen Diplomaten, müsse es Klarheit darüber geben, ob es doch noch zu einer Zusammenarbeit mit Russland komme. Moskau lehnt die Raketenabwehrpläne ab, weil es fürchtet, damit könnten die eigenen strategischen Atomwaffen entwertet werden. Die Nato argumentiert, die Sorge vor einer Veränderung des strategischen Gleichgewichts sei unbegründet. Die Nato-Abwehr sei auf auf einzelne Raketen von «Schurkenstaaten» ausgerichtet. Sie sei technisch nicht dazu in der Lage, große Mengen russischer Atomraketen am Eindringen in den Nato-Luftraum zu hindern. Zudem sei die Nato bereit, technische Informationen mit Russland auszutauschen und russischen Experten Zugang zu der Abwehr zu gewähren.

Nato zur Raketenabwehr