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Wie ein Zauber

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Das »Nightingale Quartet« erzählte musikalisch vom Glück des Schmerzes und seiner transformatorischen Kraft. (Foto: Heigl)

Was Musik vermag und welch Alchemie manchen Stücken innewohnt, wenn sich die Interpreten der musikalischen Vorlage öffnen, haben die vier Musikerinnen des »Nightingale Quartet« mit Rued Langgaards (1893 bis 1952) Variationen des alten Kirchenliedes »O Haupt voll Blut und Wunden« von Paul Gerhardt beim Traunsteiner Sommerkonzert gezeigt.


Der mystisch-zarte Beginn des Hauptthemas, das wie aus dem Nichts in den Saal des Landratamts hereinzuschweben schien, war wie aus einer anderen Welt. Mit den Variationen 1 bis 7, die das Thema in Folge aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten, erzählten die Musikerinnen mit musikalischer Überzeugung vom Glück des Schmerzes und seiner transformatorischen Kraft.

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Nur folgerichtig stand nach der Pause Franz Schuberts Streichquartett d-Moll D 810 »Der Tod und das Mädchen« auf dem Programm, um den Kreis thematisch zu schließen. Schuberts musikalisch unsentimentale Herangehensweise wirkte auf das erste Hören unpersönlich – kein Jammern, kein Lamentieren über den unerbittlichen Gesellen Tod. Vielmehr schwingt er sich auf den Energiestrom des Lebens ein und öffnet sich mit musikalisch formulierten Fragen dem Thema, die der Tod dem Lebenden manchmal aufzwingt, wenn er ihm unvermutet begegnet. Die richtigen Fragen sind viel spannender als alle Antworten, und wenn sie dann von vier Musikerinnen mit solch einer positiven Ausstrahlung und exakt aufeinander abgestimmtem Zusammenspiel formuliert werden, kann das das reine Zuhörerglück bedeuten.

Weibliche Streichquartette sind selten – das Erleben geballter musikalischer Weiblichkeit war also an diesem Abend ein besonderes Geschenk, insbesondere, weil die frauliche Natur im musikalischen Ausdruck durchzuhören war. Kombiniert mit dem feinen Lächeln, das die Lippen beim Musizieren umspielte und der anmutigen Gestalt der jungen Frauen, genossen die Zuhörer das musikalische Können noch mehr. Die Damen wollten nicht, wie so oft, bessere Männer sein. Sie vertrauten im Spiel auf ihre weibliche Intuition.

Wenn man sich das Publikum bis zu diesem Abend unter dem Begriff »Hygge« nichts vorstellen konnte, der die skandinavischen Völker als besonders talentiert zum Glücklichsein beschreibt, so wussten die Zuhörer spätestens nach dem Streichquartett Nr.1 g-Moll op. 13 von Carl Nielsen, was damit gemeint ist. Die Leichtigkeit des Seins und die pure Lebensfreude entfaltete sich wie ein Zauber und eroberte das gesamte Auditorium. Mit der Zugabe, einem Satz aus dem sechsten Streichquartett von Langgaard, gaben die vier Musikerinnen noch einmal eine Kostprobe ihres Könnens und ihres fast schon musikantischen Frohsinns. Barbara Heigl

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