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»Wettn, dass …?« beim Eisenhammer

Mit seinen Geschichten aus seiner Kindheit hat der in Bergen wohnhafte, ehemals stellvertretende Schuldirektor des Traunsteiner Chiemgau-Gymnasiums Robert Xaver Gapp schon viele Leser respektive Hörer erfreut. Jetzt hat er in der gut besuchten Zieglerwirtsstube des Traunsteiner Heimathaus zum ersten Mal auch in Traunstein eine Lesung aus seinem Buch »Da Gagste und i – und andre Lausbuam und Lausdirndl« gehalten.

Seinen ersten Auftritt in Traunstein hatte Robert Gapp in der Zieglerwirtsstube des Heimathauses. (Foto: Heel)

Gapp erwies sich dabei als souveräner Erzähler, der seine Geschichten immer wieder mit persönlichen Anmerkungen und Anekdoten würzte. So kam er gleich eingangs auf die Schwierigkeiten zu sprechen, die das Schreiben in Mundart mit sich bringe, gebe es doch keine verbindlichen Regeln bzw. eine einheitliche Rechtschreibung für Mundart. Zugleich fand er es bedauerlich, dass heutzutage fast ausschließlich in Schriftsprache geredet werde. Etwa in einer Münchner Trambahn, wie er anhand eines amüsanten Beispiels anführte, in der alle Fahrgäste ganz baff waren, als der türkisch-stämmige (!) Trambahnführer einen unvorsichtigen Autofahrer lautstark und in bester bairischer Mundart »zammgschissn« habe.

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Neben der ungewöhnlichen Schreibweise macht den Reiz der Geschichten Gapps aber auch das Milieu aus, in dem sie sich abgespielt haben. Aufgewachsen im Eisenhammer, einer Gaststätte an der Maxhütte in Bergen, die seine Eltern vom Hofbräu in Traunstein gepachtet hatten, bekam er natürlich vieles mit vom Treiben in der hauptsächlich von Arbeitern und Kleinbauern aufgesuchten »Roten Burg«. Wo so mancher Stammtischbruder bei den Bedienungen für nachhaltige Erinnerung sorgte, »De junga Wuidn« immer für »a Spassettl guad warn« und mit einem mühevoll in die Gaststube geschafften Pferd die TV-Show »Wettn, dass …?« erfunden wurde.

Sehr unterhaltsam war u. a. auch die Geschichte um eine verloren gegangene Zahnprothese und deren leicht gruselige Wiederbeschaffung, und wie man mitten im Sommer zu einer Schlittenfahrt kommt, auch das konnte man erfahren. Nur gut also, dass es neben der gedruckten Ausgabe auch eine Hörbuchfassung der Geschichten Gapps gibt, erhältlich im Buchhandel oder beim Autor unter Tel. 08662/5325, E-Mail: familie.gapp@t-online. de.

Musikalisch umrahmt wurde die Lesung in der Zieglerwirtsstube, eine Veranstaltung der Stiftung Heimathaus in Zusammenarbeit mit dem Verein für bairische Sprache und Mundarten, von Max und Anneliese Schmid aus Siegsdorf, die an Gitarre und Akkordeon mit flotten volkstümlichen Weisen aufwarteten. Wolfgang Schweiger