weather-image
10°

West of Liberty

0.0
0.0
West of Liberty
Bildtext einblenden
«West of Liberty»: Lars Eidinger als Lucien Gell, Betreiber der Enthüllungsplattform «Hydraleaks». Foto: Carolina Romare/ZDF/dpa Foto: dpa

Lars Eidinger wandelt auf den Spuren von Julian Assange, Wotan Wilke Möhring spielt einen verwitterten Agenten. Gedreht wurde auf Englisch. Mit »West of Liberty« zeigt das ZDF internationales Format. Aber funktionieren Spionagethriller heute überhaupt noch?


Berlin (dpa) - Das Kostüm ist schon mal sehr gut: Die Haare sind blond und strähnig, er trägt eine Pilotenbrille mit blauen Gläsern. Zum Interview zieht er sich die Schuhe aus, später reckt er sich in Unterhose zu Yoga-Übungen.

Anzeige

Lars Eidinger spielt im ZDF-Zweiteiler »West of Liberty« eine Art Julian Assange.

In dem Spionagethriller, der am 24. und 25. November läuft, heißt die Enthüllungsplattform »Hydraleaks« und die Assange-Figur Lucien Gell. Der muss sich wie Assange verstecken. Ihm auf der Spur sind der abgehalfterte Ex-Spitzel Ludwig Licht (Wotan Wilke Möhring) und der CIA-Agent GT Berner (Matthew Marsh), ein Haudegen der alten Schule, der aussieht wie Ex-Vizepräsident Dick Cheney.

Die Zeiten von Spionagethrillern sind auch 30 Jahre nach dem Mauerfall und dem Ende des Kalten Krieges nicht vorbei. Die Romanvorlage kommt von dem schwedischen Schriftsteller Thomas Engström, der lange in Berlin lebte und sich dort inspirieren ließ. Sein Ansatz ist journalistisch, deutlich von dem beeinflusst, was über Geheimdienste und die Fronten von heute in der Zeitung zu lesen ist.

Ausgestrahlt wird der Zweiteiler Sonntag und Montag zur »zweiten Primetime« um 22.15 Uhr, die für Fernsehmacher nach 20.15 Uhr als beste Sendezeit gilt. In der Mediathek ist »West of Liberty« schon eine Woche vorher als Serie zu sehen, in sechs Teilen, die 45 Minuten lang sind. Regie führte die Österreicherin Barbara Eder (»Inside America«).

Berlin sieht im Film schön düster aus. Es geht zu den genretypischen Schauplätzen: Parkhäusern, Industrieruinen, Spelunken und die Büros der CIA-Agenten. Produktionssprache war Englisch. Die Szenen in US-Botschaft sehen zwar so aus, als seien sie dort entstanden, wurden aber in einem Gebäude nebenan am Brandenburger Tor gedreht. Bei Tempo, Spannung und Verwicklungen hat »West of Liberty« internationales Format. Etwas für Fans der Serie »Homeland«.

Worum geht es? Zu Beginn werden in Marrakesch drei »Hydraleaks«-Leute ermordet, Faye Morris (Michelle Meadows) wird Zeugin. Sie ist Anwältin von »Hydraleaks« und fürchtet um ihr Leben. Sie versucht, über den US-Botschafter in Berlin Schutz zu bekommen. CIA-Mann GT Berner erhofft sich, über Faye Morris an den »Hydraleaks«-Kopf zu kommen.

Dafür reaktiviert der Geheimdienst-Mann eine Bekanntschaft aus alten Zeiten, Ludwig Licht. Der hat früher sowohl für die Stasi als auch für die CIA gearbeitet und hält sich heute mit einer Kneipe über Wasser. Wotan Wilke Möhring spielt Licht mit viel Lust an der Körperlichkeit, mit Bart und ausgestrecktem Bauch - einen Typen, der zuviel trinkt und rohe Eier frühstückt.

Und ja, es gibt noch mehr Klischees. Der CIA-Mann isst Burger am Schreibtisch. Es fallen Sätze wie »Man ist hinter mir her«. Der zynische Agent wird am Ende doch noch weich. Aber Möhring und Eidinger zuzugucken, macht auch Spaß, wenn man kein Freund des Genres ist. Eine Fortsetzung ist schon in Sicht: Im zweiten Band »South of Hell« geht es für Ludwig Licht in die USA. Zum Film sagt Möhring: »Es ist kein Krimi, bei dem ein Fall zu lösen ist. Ich finde die Spannung dahinter gut: zu wissen, was wir manchmal nur erahnen können, etwa durch eine Zeitungsmeldung - dass es so eine Parallelwelt gibt, die irgendwie die Strippen zieht.«

Lars Eidinger sagte im dpa-Interview über seine Rolle: »Mich hat ein Charakter wie Julian Assange immer schon fasziniert, ein moderner Held, der es tatsächlich mit der Welt aufnimmt als Einzelner. Der sich für seine Ideale opfert, der mit dem Anspruch der Wahrheit oder Freiheit antritt, aber in der Isolation und Gefangenschaft endet.« Gerne würde er Assange mal persönlich treffen. Gestört hat Eidinger, dass er im Synchronstudio sich selbst auf Deutsch einsprach. Er mag Filme im Original deutlich lieber. »Ich würde mir wünschen, dass Synchron im Allgemeinen abgeschafft wird.«

Wie wandlungsfähig Eidinger ist, kann man nach wie vor in der Dauerbrenner-Inszenierung von »Hamlet« an der Berliner Schaubühne sehen, eine Rolle, die der 43-Jährige seit mehr als zehn Jahren hat. Den »Hamlet« will er spielen, »bis keiner mehr kommt«. Was wäre seine Traumrolle? »Der Bösewicht bei James Bond ist so ein Traum, fast eine klassische Figur, wie ein Klischee, das reizt mich.« Aber weil es Gerüchte gibt, dass der nächste Bond eine Frau ist: »Jetzt könnte ich vielleicht der Bond-Boy sein, der in einer knappen Badehose aus dem Wasser steigt.«