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Werner Sliwa: »Wir sind der Erlebnispark«

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Die »alte« Vorstandschaft des Tourismusvereins Berchtesgaden ist, ergänzt durch zwei Beisitzer, auch die neue (v.l.): Marianne Krause (Kassier), Marktbürgermeister (und Kassenprüfer) Franz Rasp, Beisitzer Peter Juhre, 1. Vorstand Werner Sliwa, Beisitzer Johann Angerer, 2. Vorstand Helmut Krause sowie Schriftführerin Kathrin Staudinger. (Foto: Meister)

Berchtesgaden – Der Tourismusverein Berchtesgaden hat den bisherigen Vorstand im Amt bestätigt. Zur Jahreshauptversammlung im »Allweg-Lehen« votierten die anwesenden Vereinsmitglieder einstimmig erneut für Werner Sliwa als Vorsitzenden und sein eingespieltes Team, zu dem Helmut Krause, Kathrin Staudinger und Marianne Krause gehören. Zur bisherigen, personell unveränderten, Vereinsführung stießen neu zwei Beisitzer, die wie alle anderen ohne Gegenstimmen gewählt wurden. Es sind Johann Angerer und Peter Juhre.


Einen Lobgesang auf die Heimat stimmte der 1. Vorsitzende des Tourismusvereins Berchtesgaden in seiner Eröffnungsrede an. Man habe hier ein Problem, sagte Werner Sliwa: »Berchtesgaden ist zu schön und zu einzigartig.« Die Region sei attraktiv und werde immer attraktiver, moderner. »Wir haben mehr zu bieten als andere Tourismus-Destinationen, Hunderte von Sehenswürdigkeiten und Attraktionen. Daraus resultiert, dass zu viele Gäste zum Watzmann wollen. Zu viele Autos, zu wenig und zu schmale Straßen, viel zu wenig Parkraum für Urlaubsgäste, Einheimische und Tagesausflügler.« Sliwa bemühte sogar Friedrich Schillers Lyrik, adaptierte ihn ins Älpische: »Was tun?«, spricht Zeus, »die Welt ist weggegeben, der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein, willst du in meinem Himmel mit mir leben – so oft du kommst, er soll dir offen sein.«

Beeindruckt habe ihn zur UNWTO-Konferenz vor allem Prof. Dr. Peter Rieckmann, der unter anderem gesagt habe, dass Gesundheit Eigenverantwortung heiße und die »moderne« Informationstechnologie oft digitale Isolierung bringe, die krank mache. Die Fachfrauen und -männer des Berchtesgadener Landes müssten darauf verweisen, »dass unsere Natur Gesundheit schenkt.« Gäste bräuchten nicht nach Spa und Wellness-Farm zu suchen, in den Wäldern, Flüssen, Seen und Bergen finde man Gesundheit und Regeneration. Höhere Lagen regten zudem den Körper an, gesund zu werden. Wenn er sich zudem ausreichend bewege. Es gelte, die Sinne zu öffnen, denn »in unserem Paradies-Eldorado«, Bergerlebnis Berchtesgaden, finde man Stimulation in Hülle und Fülle. Der Gastgeber müsse seinen Besuchern lediglich zu verstehen geben: »Wir brauchen keinen Mega-Erlebnispark, wir sind der Erlebnispark.«

Ende der touristischen Kleinstaaterei

BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel erläuterte, wie er es auch in den Versammlungen anderer Tourismusvereine im Talkessel getan hatte, die Arbeit der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH und gab Ausblicke auf kommende und bereits laufende Vorhaben. Auch in seinem Kurzvortrag spielte die Welttourismuskonferenz in Berchtesgaden, in die sehr gut angenommene Exkursionen zu einigen »Brennpunkten« des heimischen Tourismus eingebettet waren, eine Rolle.

Als einen wichtigen Punkt sah Nagel das gewünschte Ende der touristischen Kleinstaaterei, die nicht mehr zeitgemäß sei. Gemeinsam müsse man arbeiten und so nachhaltige Lösungen finden, auch im ständigen Voneinanderlernen. Das wäre unabdingbar nötig, um die Herausforderungen des alpinen Tourismus zu bewältigen. Es sei schon mutig und frech gewesen, dass sich das kleine Berchtesgadener Land um die Ausrichtung der Konferenz bemüht habe, am Ende habe man einen vollen Erfolg verzeichnen können, nicht zuletzt in der Steigerung des Bekanntheitswertes der Region. Den nicht unwichtigen, allerdings schwer messbaren Medienwert bezifferte Nagel auf rund 800.000 Euro, denn immerhin sei das Echo der Konferenz weltweit hörbar gewesen.

Angestrebt seien zum Beispiel eine einheitliche Gästekarte für die Region. Man werde alle Gästegruppen im Auge haben müssen und niemanden ausgrenzen. Allerdings gebe es schon große Unterschiede zwischen Stunden- und Tagesbesuchern und den Feriengästen, die einige Tage blieben und die unter dem Strich auch die Bilanz (auch die finanzielle) dominierten. Alle zufrieden zu machen, müsse das Ziel sein.

Die Gastgeberberaterin

Zufrieden sollen auch die Gastgeber, die Vermieter, sein. Für ihre Belange ist in der BGLT Carina Nasko zuständig. Die Gastgeberberaterin stellte sich der Versammlung als Bindeglied, als Schnittstelle vor. Gastgeberschulungen, regelmäßige Treffen und Schulungen der Info-Stellen-Leiter, Anleitungen zum Umgang mit Beschwerden oder die Verkaufsförderung stellte sie als einige Schwerpunkte ihrer Arbeit vor. Anton Plenk stellte dann die Neuorientierung seines nun nicht mehr spezifischen Buch-Verlages vor und bot den Vereinsmitgliedern seine Dienste an.

Die Kasse stimmt und deren Inhalt kann den Verein zuversichtlich stimmen. Franz Rasp, der gemeinsam mit Richard Ramsauer die Unterlagen von Kassiererin Marianne Krause geprüft hatte, stellte ihr ein beanstandungsfreies Zeugnis aus und empfahl ihre beziehungsweise des gesamten Vorstandes Entlastung, die anschließend einstimmig erfolgte.

Die Mitglieder des Tourismusvereins Berchtesgaden sind offensichtlich mit ihrem Vorstand zufrieden, denn alle Mitglieder erhielten bei der Neuwahl alle Stimmen der Anwesenden. Bei der von TRBK-Chef und Marktbürgermeister Franz Rasp geleiteten Wahl wurde Werner Sliwa erneut in das Amt des 1. Vorsitzenden gehoben. Ihm zur Seite als 2. Vorsitzender steht wie bisher Helmut Krause. Kathrin Staudinger bleibt Schriftführerin und Marianne Krause Kassier. Neu sind nun zwei Beisitzer, die künftig dem Vorstand angehören: Peter Juhre und Johann Angerer, die wie die Kassenprüfer Franz Rasp und Richard Ramsauer ohne Gegenstimme gewählt wurden.

Müllabfuhr, Brandschutz und Verkehr

In der abschließenden, sehr ausgedehnten Diskussion stand Großteils Marktbürgermeister Franz Rasp im Zentrum, denn es gab viele Fragen zu kommunalpolitischen Themen. Das neue System der erweiterten Müllabfuhr beispielsweise oder die hart empfundenen und kleinere Betriebe in die Existenznot treiben könnenden Brandschutzauflagen, wie Werner Sliwa anmerkte. Die Auflagen seien gar nicht bedeutend verändert worden in den vergangene zwei Jahrzehnten, sagte Rasp, allein der Vollzug habe sich enorm verändert, ausgehend von drastischen Vorfällen wie dem verheerenden Brand in Schneizlreuth.

Es bewege sich etwas in Sachen Kreisverkehr am Bahnhof. Die Gutachten wären abgeschlossen und empfehlen in naher Zukunft Bautätigkeit an Bavaria- und Schießstätt-Kreuzung. Ziel sei doch, die steten Staus in der Sommersaison zu beseitigen. Kreisverkehre würden zweifelsohne den Verkehrsfluss beschleunigen, lediglich bei der Ausfahrt aus dem Triftplatz müsse man Berechnungen zufolge einige wenige Sekunden Verzögerung in Kauf nehmen. Und dann erwähnte Rasp noch die kommende Bautätigkeit auf dem Gelände der Villa Schön, denn auf diesem Grundstück gebe es Baurecht, was unweigerlich eine Baugenehmigung nach sich ziehe. Dieter Meister