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Werke Klassischer Musik mit Sogwirkung

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Das »ensemble Amphion« mit (von links) Alexander Krins (Violine), Thomas Hartmann (Klavier), Felicia Graf (Viola) und Markus Lentz (Violoncello) war diesmal mit Musik von Brahms und Reger eine Attraktion für Musikliebhaber. (Foto: Benekam)

In den finsteren Novembertagen könnten sich Freunde Klassischer Musik keine bessere Stimmungsaufhellung gönnen als den Besuch eines Konzerts des überregional bekannten »ensemble Amphion«. 1995 von Alexander Krins initiiert, hält es – wie beim jüngsten Konzert im Traunreuter k1 – große, bekannte, aber auch weniger bekannte kammermusikalische Meisterwerke des Barocks, der Wiener Klassik, der Romantik sowie der Neuen Musik in lebendiger Erinnerung.


Klavierquartette der Romantik von Max Reger (Klavierquartett a-Moll op. 133) und Johannes Brahms (Klavierquartett Nr.3 c-Moll op. 60) standen in Traunreut auf dem Programm. Zudem lieferte Alexander Krins in gut verständlichem, kurzem Vortrag wissenswerte Hintergründe und Anekdoten zu den beiden Komponisten und ihren Werken: Reger und Brahms hätten sich außerordentlich geschätzt, sodass es nicht verwunderlich ist, dass die beiden Komponisten sich gegenseitig beeinflussten und inspirierten. Beide, so Krins, hätten die Musik Mozarts und Beethovens »zu Ende« geführt.

Intensiv aufwühlende Dramatik im ersten Satz

Der erste Konzertteil war allein durch Regers grandioses Klavierquartett in a-Moll in vier Sätzen ausgefüllt. Der erste Satz, Allegro con passione, begann ausdrucksstark, dramatisch, mit fast ängstlichem Unterton. Immer wieder eindringlich aufbegehrend anschwellende Tempi, die das musikalische Grundthema unterstrichen, bekräftigten und verstärkten die intensiv aufwühlende Dramatik.

Aufrüttelnd, wie auf schräge, dissonante Weise anklagend und niemals langweilig, fordert Regers Musik die volle Aufmerksamkeit des Zuhörers. In atemberaubend konzentriertem Zusammenspiel gab das »ensemble Amphion« mit Alexander Krins (Violine), Felicia Graf (Viola), Thomas Hartmann (Klavier) und Markus Lentz (Violoncello) Regers musikalischen Ausdruck wieder und machte ihn lebendig.

Der zweite Satz, Vivace, kam in seiner Grundstimmung etwas leichter daher: lebhafte Klavierläufe, durchzogen von kurzen Pizzicati auf den Streichinstrumenten, lockerten etwas auf. In harmonischen Klängen, mit sanftem, fließendem Streichen der Bögen auf Cello, Violine und Viola, versetzte der dritte Satz, Largo con gran espressione, den Zuhörer in melancholisches Schwärmen. Im letzten Satz, Allegro con spirito, brachte das »ensemble Amphion« Regers variationsreiche, für den Zuhörer nicht immer leicht verdauliche, Tonsprache zum Glänzen.

Der zweite Konzertteil, in dem ausschließlich Brahms Klavierquartett Nr. 3 in c-Moll zu Gehör kam, war nicht weniger anspruchsvoll und forderte den Musikern allergrößtes technisches Können ab. Das Klavierquartett Nr. 3 in vier Sätzen von Johannes Brahms wird selten gespielt und war für die, wie gebannt zuhörenden, k1-Gäste eine musikalische Delikatesse.

Auf den Tasten des Klaviers nachempfundener Schuss

Der erste Satz, Allegro non troppo, begann klanglich mit einer Art Schuss, auf den Tasten des Klaviers nachempfunden, zu dem die Streicher sogleich einen effektvoll-dramatischen Nachhall, Seufzermotive, lieferten. Im weiteren Verlauf schien es, als erzählten die Instrumente eine höchst verhängnisvolle Begebenheit. »Denken Sie dabei an einen, der sich gerade totschießen will«, hatte Brahms selbst über diesen ersten Satz gesagt, der vermutlich, wie das gesamte Werk, Ausdruck seines Schmerzes über die unerfüllt gebliebene Liebe zu Clara Schumann ist.

Der zweite Satz, Scherzo: Allegro, blieb in seinem Ausdruck düster und schwermütig, schicksalhaft-bedrohlich, wie die spannende musikalische Untermalung einer aufregenden Geschichte. Der dritte Satz, Andante, wunderschön von Klavier und Cello eingeleitet, hörte sich mit fließend-ruhigen Klangfarben wie ein tröstliches Zwischenspiel an, dem aber immer noch ein klagender Unterton anhaftete.

In choralartig-hymnischen Partien steigerte sich schließlich der Schlusssatz zum Ende hin fast triumphal. Es ist immer wieder verblüffend, zu erleben, welche Sogwirkung diese Art Musik auf die Zuhörer ausübt. Allerhöchste Konzentration der Musiker an ihren Instrumenten, leidenschaftliches Eintauchen in die Themen der Musik mit bedingungsloser Hingabe. All das geht nur in intensivem Austausch: Aufeinander achten, sich hören und verstehen und so den Zuhörer mitnehmen. Das k1-Studio wirkte wie abgehoben in eine andere Sphäre, sodass nach dem Verklingen der Musik erst einmal die Stille wirkte – dann gab es kräftigen und lang anhaltenden Applaus für eine großartige Leistung. Kirsten Benekam