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Wer wird Müllionär?

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Es ist nicht alles Geld, was stinkt. Doch mit Müll kann man durchaus reich werden. Mülltimüllionär sogar. Es heißt ja nicht umsonst „Ent-Sorgung“. Ein Müllentsorger entledigt sich seiner Sorgen. Oder: Abfallwirtschaft. Ein Wirtschaftszweig, bei dem für die Müllabfuhr etwas abfällt.

Deshalb war die Firma Worldwide Waste aus Müllhausen bei Dreggendorf immer bestens im Geschäft. Wie das Sprichwort schon sagt: Das Geld liegt auf der Straße. Geld = Müll. WWW musste es/ihn nur aufsammeln. Was bisher bestens geklappt hat. Denn Müll gibt es viel auf der Welt. Und WWW ist weltweit im Einsatz. In Müllbourne (Australien) genauso wie in Mülltonnsania (Afrika), in Messisippi (USA) ebenso wie in Waschischono (USA). Auch viele Kommunen in Bayern zählen zu den Kunden. Darunter Arschaffenburg, Arschau am Chemiesee, Arschheim bei Müllchen und Mülldorf am Grind.

Der Abstieg vom Gipfel des Müllbergs begann für WWW mit der Übernahme des Landkreises Berchtesgadener Land. Sabotage machte dem Müllhauser Unternehmen übel zu schaffen. Quasi über Nacht wurden Straßen verengt oder steiler gemacht. Es gab Regen, Schnee, Sonnenschein und Feiertage. Die Abfall-App war selber Appfall. Der gedruckte Abholplan diskriminierte Farbenblinde und die Müll-Hotline war eine Schrottline.

Landrat Schorsch beschloss in seiner Verzweiflung, das Landratsamt abreißen zu lassen und an der Stelle eine Mülldeponie zu errichten. In Internetforen kursierten Sprüche wie: „Ach, scheiß drauf. Schmeiß ich meinen Müll halt wieder in den nächstbesten Wald. So wie früher halt auch. Da wo noch keine Flüchtlinge da gewesen waren sind. Danke Merkel. Müllpresse halt die Fresse“.

Je mehr Worldwide Waste versuchte, die Probleme zu entsorgen, desto größer wurden sie. Ersetzte das Unternehmen die schwerfälligen Abfallbrummis durch wenige AWD-Vehikel, waren sie kurz darauf undicht und verloren kiloweise Müll. Gelbe Säcke wurden schwarz angemalt, sodass sie die Müllmänner nicht erkannten oder sogar – pervers perfide – in den Restmülltonnen versteckt. Teilweise versteckten die Saboteure einfach die ganz Mülltonne. Oder programmierten den Chip um, sodass man mit der Tonne Geld am Automaten abheben konnte.

Aber die Staatsabfallschaft ermittelte und der Chefermülltler präsentierte Minuten später die ersten Verdächtigen: Wie immer waren es entweder die Grünen. Oder die Linken. Oder Frau Poser.

Christian Fischer