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»Wer mehr weiß, kann sich mehr erlauben«

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Der Bergführer und Nationalpark-Mitarbeiter Wolfgang Palzer gehört zu den erfahrensten Alpinisten weit und breit. Der Ramsauer spricht heute bei einem Lawinenseminar im »Haus der Berge« über die Gefahren von Lawinen. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Nationalpark-Ranger Wolfgang Palzer darf man als einen der erfahrensten Skibergsteiger der Region bezeichnen. Über 3 000 Skitouren hat der Ramsauer in den Beinen. Von den Erfahrungen des Ramsauer Bergführers werden heute Freitag und übermorgen Sonntag auch die Teilnehmer des 15. Berchtesgadener Lawinen-Seminars von Martin Schaumann profitieren, das Palzer maßgeblich mitgestaltet. Heute Abend spricht Palzer ab 19.30 Uhr im »Haus der Berge« über das Thema Skibergsteigen, wobei es freilich in erster Linie um die Lawinengefahr geht. Am Sonntag wird das Seminar mit einer Praxisausbildung am Parkplatz Hirscheck fortgeführt. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit dem Ramsauer über die Gefahren auf Skitouren und die Inhalte des Seminars.


Sie waren schon öfter beim Lawinenseminar dabei?

Wolfgang Palzer: Ich war schon ein paar Mal als Referent eingeladen, das letzte Mal vor fünf Jahren. Organisator Martin Schaumann lädt immer wieder verschiedene Referenten ein, damit es auch für das Publikum interessant bleibt. Jeder hat ja auch eine andere Art, das Thema Skibergsteigen zu präsentieren.

...bei dem manches Mal schlimme Unfälle passieren.

Palzer: Das stimmt, kommt aber gottlob nicht so oft vor. Ich habe jedoch auch Bilder von Beinaheunfällen dabei, die recht eindrucksvoll sind. Bis auf kleinere Unfälle und einen tödlichen Lawinenunfall im Seilergraben sind wir in unserer Region zuletzt von Lawinenunfällen verschont geblieben. Ich habe jedoch eine Situation zum Steintalhörndl hinauf bildlich festgehalten, die noch einmal gut ausgegangen ist. Da hätte es sicher fünf Skitourengeher tödlich erwischt. Zwei weitere hatten sich für einen anderen Weg entschieden. Das war bei Warnstufe »zwei«, bei der an exponierten Stellen auch etwas passieren kann. Das hängt auch mit Schneeverfrachtungen durch den Wind zusammen. Man muss eben seinen Blick für die Situation schärfen. Ich werde auch auf die verschiedenen Entwicklungsstufen in der Lawinenkunde eingehen.

Sind Sie bei einer Skitour schon einmal umgedreht?

Palzer: Oft genug, wenn ich mir nicht mehr sicher war. Das Umdrehen gehört ebenso dazu wie das Durchziehen einer Tour. Der erste Gedanke vor einer Skitour abseits von Pisten muss sein, ob es zu einem Lawinenabgang kommen kann oder nicht.

Dann sollte man sich wohl auch nicht alleine auf eine Skitour in exponierter Lage begeben?

Palzer: Wenn man nur einen halben Meter unter der Lawine liegt, hat man alleine so gut wie keine Chance mehr.

Wie wird der Ablauf des Vortrags sein und worauf dürfen die Besucher gespannt sein?

Palzer: Es wird eine Power-Point-Präsentation geben, zu der ich Erklärungen abgebe. Nach dem Vortrag stehe ich für Fragen zur Verfügung. Ich werde darauf eingehen, worum es bei Planung und Durchführung einer Skitour geht. Das beginnt mit einer ersten Analyse der Wetterverhältnisse.

...bei der die Lawinenwarnstufe ja eine Rolle spielen muss.

Palzer: Es kommt ja immer darauf an, wohin die Tour führt. Bei uns wird ja noch bei der Lawinenwarnstufe »vier« gegangen und es passiert nichts. Dagegen kann es an exponierten Stellen schon bei der Stufe »zwei« zu Schneebrettabgängen kommen. Es steht nirgends geschrieben, dass man zu Hause bleiben muss. Wenn man weiß, wohin es gehen soll, dann kann eine sichere Tour auch noch bei der Stufe »fünf« durchgeführt werden. In meinem Vortrag werden Geländeformen- und Ausrichtungen, die Höhenstufen, die Schneemenge, die Steilheit und die Sonneneinstrahlung angesprochen. Es gibt zwar genügend Literatur um das Thema Lawinen, aber der Tourengeher kann ja nicht immer sein Buch herausnehmen und nachschauen, was er machen soll. Mir geht es im Wesentlichen darum, die Besucher für das Thema zu sensibilisieren und in die Materie einzusteigen, um sich dann auch mehr erlauben zu können.

Welche Rolle spielt die Erfahrung?

Palzer: Ich bin jetzt über 40 Jahre in den Bergen unterwegs und weiß natürlich, welch große Rolle die Erfahrung spielt. Ich bin als junger Mensch auch schon auf Lawinen abgefahren, hatte aber Glück und daraus gelernt. Und das »Beinahe«, das ich bei mancher Tour schon mitgemacht habe, mag ich gar nicht wissen. Trotz des heutigen Wissens bleibt jedoch die Gefahr bei Skitouren in einem gewissen Maße bestehen. Christian Wechslinger