weather-image
20°

Wenn Sodbrennen die Lebensqualität mindert

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Dr. Thomas E. Langwieler, Chefarzt Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie.
Bildtext einblenden
Dr. Peter Mansberger, Oberarzt Innere Medizin. (Fotos: privat)

Bad Reichenhall – Das unangenehme Gefühl hinter dem Brustbein kommt oft nachts, meist nach einem opulenten Abendmahl: Sodbrennen, das Leitsymptom für eine Rückflusserkrankung, ist weitverbreitet. »Fast die Hälfte aller Menschen in Deutschland im Alter zwischen 50 und 60 Jahren hat hier Beschwerden, davon hat mehr als die Hälfte starke Symptome«, so der Gastroenterologe Dr. Peter Mansberger. Er referierte an der Kreisklinik Bad Reichenhall gemeinsam mit Dr. Thomas E. Langwieler, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, in der Reihe »Gesundheit aktiv« über das Thema »Sodbrennen – wenn Säure und Luft quälen«.


Dr. Mansberger definierte die gastroösophageale Refluxkrankheit als einen Zustand, bei dem »der Reflux von Mageninhalt störende Symptome und Komplikationen verursacht.« Zu den typischen Symptomen des krankhaft gesteigerten Rückflusses des sauren Mageninhaltes in die Speiseröhre zählten Sodbrennen oder saures Aufstoßen. Brennen im Hals oder öfter auftretendes Luftaufstoßen gehörten zu den häufigen unspezifischen Symptomen. Atypisch seien chronischer Husten oder Blutarmut. Ursache für den aufgrund »der stark sauren Magensäure« schmerzhaften Rückfluss könnten zum Beispiel ein gestörter Schließmechanismus an der Speiseröhre, ein angeborener oder erworbener Zwerchfellbruch oder Magenentleerungsstörungen sein. Andere mögliche Ursachen wären Alkohol, Übergewicht, Rauchen, Körperhaltung, Ernährung wie »Fettes oder Frittiertes« sowie Stress.

»Ganz wichtig ist die Anamnese«, betonte Dr. Mansberger. Eine Refluxkrankheit gelte als wahrscheinlich, wenn typische Refluxsymptome mindestens ein- bis zweimal pro Woche auftreten würden. Mithilfe der Endoskopie, also einer Magenspiegelung, ließen sich entzündliche Schleimhautreaktionen, sogenannte Erosionen, feststellen. Seien diese erkennbar, handele es sich um eine erosive Refluxkrankheit, kurz: ERD.

Ohne sichtbare Erosionen komme die mit fast 50 Prozent häufigste Form der Refluxkrankheit vor: NERD, die nicht erosive Refluxkrankheit.

Sie trete insbesondere in jüngeren Lebensjahren, bei Frauen oder bei einem niedrigen Body-Mass-Index (BMI) auf. Eine endoskopische Untersuchung sei unter anderem dann angesagt, wenn der Patient Gewicht verliere oder andere Alarmsymptome wie Schluckstörungen zeige.

Eine weitere Diagnosemöglichkeit biete die Säuremessung der Speiseröhre. Die sogenannte PH-Metrie liefere »sehr gute Aussagen über den Verlauf der Säureproduktion«. Im schlimmsten, wenn auch nicht häufig vorkommenden Fall, könne »harmloses Sodbrennen auch zu Speiseröhrenkrebs führen«, so Dr. Mansberger.

Als Therapiemöglichkeiten der Refluxkrankheit nannte er unter anderem eine Reduzierung des Körpergewichts, nicht mehr zu rauchen, vier Stunden vor dem Schlafengehen keine Mahlzeiten mehr einzunehmen, das Kopfteil des Bettes höher zu stellen, individuell unverträgliche Nahrungsmittel zu vermeiden und sich möglichst mediterran, also mit wenig Fleisch und wenig Milchprodukten, viel Obst und Gemüse, Nüssen und Olivenöl zu ernähren. »Medikamente erster Wahl sind Protonenpumpenblocker«, sagte der Gastroenterologe. Allerdings sollten die magensäurehemmenden Medikamente wegen ihrer möglichen Nebenwirkungen nur für eine begrenzte Zeit eingenommen werden.

Wenn eine Veränderung des Lebensstils nicht die gewünschten Erfolge zeige, komme als letzte Option ein operativer Eingriff in Frage, so Dr. Langwieler. »Wir machen eine Operation nicht leichtfertig, sondern erst dann, wenn sie sinnvoll ist«, betonte der Chirurg. Zur genauen Abklärung würden Chirurgie und Gastroenterologie Hand in Hand zusammenarbeiten. Bei der sogenannten Fundoplicatio werde »mit kleinen Schnitten und Kameratechnik« ein Teil des Magens wie eine Manschette um den Schließmuskel am unteren Ende der Speiseröhre gelegt. So werde verhindert, dass der Mageninhalt zurück in die Speiseröhre laufe.

In Folge der Refluxkrankheit würden rund eine Million Bundesbürger eine deutliche Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität erfahren, sagte der Chefarzt. Er gab seinem Publikum abschließend die Frage mit auf den Heimweg: »Wann hatten Sie zum letzten Mal eine Vorsorgeuntersuchung, also eine Darm- oder Magenspiegelung?« fb