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Wenn Frauen sagen: »Wir müssen reden ...«

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Timothy Peach als Michel, bedrängt von seiner Frau und seiner Geliebten, die beide ein Geständnis ablegen wollen. (Foto: Heel)

Ein Mann rennt freudestrahlend in die Katastrophe. So könnte man in aller Kürze den Inhalt der französischen Komödie »Eine Stunde Ruhe« wiedergeben, die im Saal des Traunreuter k1 aufgeführt wurde.


Der Mann, gespielt von TV-Star Timothy Peach, heißt Michel. Ein Jazz-Liebhaber, der auf einem Flohmarkt endlich das erste Solo-Album seines Idols, des Klarinettisten Niel Youart, ergattert hat. Jetzt eilt er überglücklich nach Hause, um sich die Platte mit dem schönen Titel »Me, Myself and I« anzuhören. In aller Ruhe, versteht sich. Doch kaum hat er im heimischen Wohnzimmer die Platte aus der Hülle gezogen, kommt seine Frau Nathalie (Nicola Tiggeler) hinzu. Und will reden. Über was? »Nun, es ist kompliziert. Und komplex. Also kompliziert-komplex.« Also genau das, was Michel im Augenblick absolut nicht brauchen kann.

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Doch kaum hat er sie abgewimmelt, bzw. die drohende Ehekrise erfolgreich ignoriert, kommt es Schlag auf Schlag: Mama ruft an (und nervt); der polnische Klempner (Raphael Grosch), der nebenan ein Zimmer renovieren soll, meldet einen selbst verursachten Wasserschaden; sein Revoluzzersohn (Johannes Lukas) kreuzt auf und macht sich über Papis Musikgeschmack lustig; ein Nachbar (Reinhard Froboess) beschwert sich über den Lärm der Umbauarbeiten; und zu guter Letzt erscheint auch noch Elsa (Alexa Wiegandt), die beste Freundin seiner Frau.

Die auch mit ihm reden möchte. Über was? Über ihr jahrelanges Verhältnis natürlich, weil sie nicht mehr länger lügen könne. »Das ist kein Grund, die Wahrheit zu sagen«, meint Michel. Eine Wahrheit, die natürlich ans Licht kommt und am Ende dazu führt, dass bis auf Michel alle Akteure nach und nach in Zeitlupe von der Bühne entschwinden – die Geliebte flüchtet mit dem Klempner, die Frau brennt mit Michels bestem Freund (Benjamin Kernen) durch, der im übrigen auch Sebastians Vater ist. Michel nimmt es gelassen, kann er jetzt doch in Ruhe seine Platte hören. Erleichtert lässt er sich in den Sessel fallen ...

Geschrieben von Florian Zeller und inszeniert von Pascal Breuer, überzeugte das Stück trotz kleiner Längen zu Beginn voll und ganz, zumal es neben den witzigen Wortgefechten auch reichlich Situationskomik gab. Aber auch die sieben Darsteller, allen voran Timothy Peach, der schlichtweg fantastisch war, machten ihre Sache bestens. Das Publikum, höchst erfreut über diese zwei Stunden glänzender Unterhaltung, dankte mit kräftig-langanhaltendem Beifall. Wolfgang Schweiger

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