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Wenn der Brandner im Morgenrot die Dirty Kathy trifft

Bereits zum dritten Mal gab sich das Herbert Pixner Projekt im NUTS ein äußerst erfolgreiches Stelldichein. An drei seit Wochen restlos ausverkauften Abenden am Stück präsentierten die Tiroler Musikanten eine einzigartige Mischung aus (internationaler) traditioneller Volksmusik, Jazz, Blues in zahlreichen Varianten, mit atemberaubenden Improvisationen verziert sowie unterhaltsamen Geschichten und Anekdoten.

Das Herbert Pixner Projekt mit (v. l.) Heidi Pixner, Manuel Randi, Herbert Pixner und Werner Unterlercher sorgte dreimal für ein ausverkauftes NUTS. (Foto: Ortner)

Im aktuellen Programm »Handmade in Tirol« präsentieren Pixner & Co. einen breiten Querschnitt ihres vielseitigen Repertoires, lassen aber auch Raum für Neues. Sie begannen mit einem Perchtentanz aus dem Pinzgau, meist gespielt während der Adventszeit, aber wie Herbert Pixner meint, auch für die etwas dunklere Jahreszeit ganz gut passend. Die »Dirty Kathy« bekam mit einem Zwiefachen (als »Gerippe« den Takt von da »Alten Kath« mit Jacksons »Dirty Diana« als Cocktailkleid) ebenso ihr »Widmungslied« wie die Sibyllen, die schönen Seherinnen der Antike mit »Beautiful Seeress«.

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Blues und Jazz, die »Volksmusik der Vereinigten Staaten«, gab es nicht nur in Hommagen an Erroll Garner und Django Reinhardt, sondern auch als etwas breiteren Ausschnitt aus dem Musical »Brandner, willst du ewig leben?« in dem Herbert Pixner ausgesprochen erfolgreich die Hauptrolle spielte und sang. Pixners Inhaltsangabe: »Der Brandner hat nit katholisch glebt, allweil gsoffen und gweibert und fallt eines Tages tot vom Stuhl.« Als pflichtbewusster Tiroler handelt er mit dem Tod aus, wenigstens das Konzert noch fertig spielen zu dürfen. Der Teufel verspricht ihm das ewige Leben, wenn er spielt, was er ihm vorschreibt. Die Forderung nach »Musik für die Massen« im Stile der Musikantenstadelaufmärsche sind dem Brandner jedoch ein solches Greuel, dass er am Ende sagt: »Lieber tot, als sowas spielen!« Pixner versprach den Zuhörern lieber schmunzelnd etwas Realistisches: Blues, gespielt auf »klassischen Tiroler Instrumenten«, nämlich Trompete und Ziachorgel und dazu das Stück auch noch ganz, denn im Musical musste er immer »bei Takt 28 schon sterben«.

Herbert Pixner ist nicht nur ein ausgezeichneter Musiker, der in seinem hervorragenden Spiel auf der steirischen Ziehharmonika, Klarinette und Trompete völlig aufgeht und das fasziniert und hingebungsvoll lauschende Publikum mitnimmt auf eine wunderbare Reise einer lebhaften und liebevollen musikalischen Bildersprache, sondern ein ebenso begnadeter Geschichtenerzähler. Es sind oft die kleinen Ein- und Überleitungen zwischen den Stücken, Anekdoten und Geschichten aus dem Leben und/oder zu den einzelnen Stücken, ein bisschen ernst, meist ein bisschen mehr lustig, und immer unterhaltsam und informativ, oft genug alles zusammen in einer einzigen Schilderung.

Etwa, wenn er von seinem ersten Almsommer erzählt, der so gar nichts mit den gängigen Almklischees zu tun hatte. Saukalt sei es gewesen, und die meiste Zeit geregnet habe es. Mit dem Vieh lief es auch nicht gut und von jungen und knackigen Sennerinnen im Stil von »Auf der Alm, da gibt's koa Sünd« sei auch nix zu sehen gewesen, im Gegenteil. Kaum eine unter siebzig und mit der Schönheit war's dann auch nimmer so weit her. Dennoch hat dieser schwere erste Almsommer wohl den Pixner Herbert nicht gar so sehr verschreckt. Sonst hätte er ganz sicher nicht so viele darauffolgende Sommer auf verschiedenen Almen verbracht. Eines der schönsten Dinge auf den Almen aber seien die Sonnenaufgänge gewesen, die Pixner im atemberaubend schönen »Morgenrot« verewigt hat.

Unterstützt wird Pixner von Ausnahmegitarrist Manuel Randi aus Bozen, der sich im NUTS nicht nur im »Morgenachte, sondern auch mit dem lebhaften »Randissimo« und »Hands of Joy« sein Können unter Beweis stellte. Es war eine Freude, den beiden Musikern zuzusehen, wie sie in ihrem Spiel vollkommen aufgingn und sich gegenseitig zu Höchstleistungen inspirierten, ergänzt von Werner Unterlercher am Kontrabass, ohne den in der Rhythmussektion nichts ginge.

Eine Inspiration war auch Heidi Pixners Harfenspiel, die Katrin Aschabers Platz während deren Babypause einnimmt. Etwas zurückhaltender im Spiel als Katrin, aber sehr feinfühlig und auf ihre ruhige Weise auch energisch, setzte sie sich mit ihrem filigranen Instrument gegen den Rest der Saitengladiatoren durch und präsentierte mit Manuel Randi eine beeindruckende Bearbeitung von Bruce Springsteens »I'll wait for you« für Gitarre und Harfe, das Herbert Pixner als »Volksstück für Saiteninstrumente« angesagt hatte.

Ein paar Volksstückerl und mindestens eine Handvoll Zugaben weiter, war der verzauberte Abend auch schon wieder zu Ende, und wohin man schaute, gab es strahlende und zufriedene Gesichter. Viele Musikanten hatten einen Abend Gelegenheit, ihrem Idol auf die Finger zu schauen, und die überaus sympathischen Musikanten waren im NUTS stets für ein Autogramm oder ein kleines Gespräch bereit. Maria Ortner