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Wenn der Augustiner-Airbag voi laar is

Ja, eigentlich weiß man das doch schon lange, oder? Die besten Geschichten schreibt das Leben. Da Bertl (Herbert Bachmaier) & I (Stefan Wählt) haben dem Volk mal wieder ordentlich aufs Maul und über die Schultern geschaut und mit dem aktuellen Programm »Ois für d' Katz« ein lachmuskelstrapazierendes Programm der Extraklasse auf die Füße gestellt, das auch den Besuchern im ausverkauften NUTS eine gute Kondition abverlangte.

Strapazierten gehörig die Lachmuskeln des Publikums im ausverkauften NUTS: Da Bertl & I. (Foto: Ortner)

Es sind die alltäglichen Begebenheiten, die das niederbayrische Kabarettistenduo feinsinnig, hintersinnig und bisweilen völlig überspitzt, a bisserl frech, aber niemals gemein und beleidigend, dafür aber auf den Punkt genau, aufs Tableau bringt. Manchmal grinst dem einen oder anderen gar das eigene Spiegelbild leicht verschwommen und ein bisschen schadenfroh entgegen. Und nicht nur, dass die Zwei ausgesprochen firme Gaudiburschen sind, nein, auch singen und musizieren können sie recht gut, und so singen dem tränenlachenden Publikum so manches Gstanzl und HipHop-Liadl rauf und runter.

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Das beherrschen sie dann gleich so gut, dass sie beschließen, an so Talentsucher-Events teilzunehmen wie »Traunstein sucht the Voice of Stoa«, »Grammerschding suacht Giga-Gstanzler« oder dem »Unterjellbacher HipHop Clash« oder wie diese talentigen Rostschmieden sich alle heißen.

Kriminell gut sind die Eigenheiten der bayerischen Sprache, die widersprüchlichen Doppelajdektive, die besser, treffender und emotionaler als jedwede schriftdeutsche Steigerung eine Sache, Person oder Begebenheit beschreiben: voi laar, gescheid bläd, schee greislich oder wahnsinnig normal, wenn ebbs ganz kaputt is oder sich da Nachbar eiskoid verbrennt hod, wenn er sich sauba dreckad gmacht hod und ois ausserdem richtig foisch glaffa is.

Und weil sie die Fallstricke unserer Muttersprache bestens kennen, und sich nur allzu gerne mit einer sakrisch-guaden Auslegung wortwörtlich genommener Redewendungen und Aussagen für eigene Zwecke verlustieren, kommen dann so kreuzfidele Geschichten mit überraschendem Ende heraus wie »Mobile Schreiner (von Job to go) brings ju wörk«. Herr Schreiner, seines Zeichens Außendienstmitarbeiter einer Arbeitsvermittlungsbehörde, bekommt auf seine Stichpunktfragen stets die perfekt-falsche Antwort. Fünf Brüder habe er, der Herbert, die alle Helmut hießen, bis auf den Sepp, der heiße Karl-Heinz. Seine Stärke sei Schwammerl zu suchen, die Schwäche sie zu finden. Sein Berufswunsch wäre TV-Moderator für Psycho-Kanasta und ja, er war »selbstständig angestellt, weil für was Selbstständiges hab i mi z bläd angstellt«.

Ein schneidiges Thema war auch, wie der heutigen Jugend moderne Kunst nähergebracht werden könnte: nämlich in der leicht verständlichen Sprache von Web 2.0 und Co. Abstrakte Malerei sei demnach so etwas ähnliches wie ein Fehler in der Grafikkarte oder ein falscher Druckertreiber. Zu dem »prähistorischen zsammgspaxten Boanahaufa« und der Frage des 15-jährigen Sprösslings »Wos isn mit de Dinos bassiert?« prasselte die geballte Ladung Web-Slang auf ihn nieder. Fehlerhafte Gradikarte, kein Facebook, naa, offline warns net, aber gelöscht sind's geworden, nur an welchem Virus sie gestorben seien, wisse man nicht so akkurat. Wenn der Mensch einmal in ferner Zukunft in so einem Museum ausgestellt werden würde, dann wohl zumindest die Männer mit einem »Augustiner-Airbag« und die Jugend mit »eingewachsene Laptopmäuse in der Doppelglied-Pratzn«.

Wenn der Bertl über sein Leben als Bedienung sinniert, und den ganzen Schmarrn, den er sich da tagtäglich anhören musste, und die Quintessenz seines harten Berufes die ist, als Mann mit »Sie, Fräulein…« an den Tisch beordert zu werden, ist das schon frustrierend. Apropos Sinnieren: »Der Unterschied zwischen shoppen und einkaufen – einkaufen geht man, wenn man was braucht.« Einwandfrei differenziert vom Stefan, der zudem unterscheidet zwischen Supermarkt-Profis und Anfängern. »Ein Sparfänger ist, wenn er zwei Euro Benzin verfährt, weil beim DM as 'Hakle feucht' zwei Cent billiger ist!« Profis wüssten dafür schon immer, dass Kassengebiet zugleich Kriegsgebiet ist, vor allem wenn es heiße »Wir öffnen Kasse 2 für Sie« und hätten auch keinerlei Probleme bei der Betätigung des »Einwegflaschenrecyclingpfandrückgabeautomaten«.

Mit ausgetrockneten Tränensäcken und einem sauberen Knoten in den Lachmuskeln entließen Da Bertl & I ihre Gäste nach bestandenem Zieleinlauf und mehreren Zugaben ihrer Hits wie dem »Fake-Rap« und dem herrlich skurril-teuflischen »Boandlkramer« glücklich und zufrieden in eine neblige Novembernacht. Maria Ortner