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Wenn das Orchester in erlesenen Farben schillert

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Applaus für Mirga Grazinyté-Tyla und Peter Eötvös. (Foto: Aumiller)

Wenn Mirga Grazinyté-Tyla am Pult des Mozarteumorchesters steht, nimmt der Klang eine schillernd lebensvolle Attitüde an und resultiert in einem spannenden Tanz pulsierender dynamischer Vielfalt.


Zum Ausklang des Jubiläumsjahres 175 Jahre Mozarteumorchester gab zu Beginn Orchesterdirektor Thomas Wolfram einen kurzen Rückblick auf die zahlreichen Orchesteraktivitäten dieses Jahres. Jüngst von einer Amerika-Tournee zurückgekehrt, weilt die Hälfte des Orchesters gerade in Wien zu Aufführungen von Don Giovanni im Theater an der Wien, die andere Hälfte beglückte die Zuhörer im Mozarteum mit einem breitgefächerten Spektrum erlesener Klangformationen.

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Gerahmt von der Haydn-Sinfonie Nr. 31 und Beethovens »Pastorale« nahmen Wachtang Kachidses »Bruderschaft« und die Uraufführung von Péter Eötvös »Dialog mit Mozart- Da Capo für Orchester« die Aufmerksamkeit der Zuhörer gefangen. Eötvös hat als Auftragswerk des Orchesters zum 175. Geburtstag eine Neufassung seines 2014 für die »Dialoge« komponierten Stückes geschrieben. Nun begann er »Da Capo« von Neuem, in Salzburg aufbewahrte Mozartfragmente mit seinen Klangkombinationen zu umranken. Fragmentgebliebene Mozart-Ideen entwickelte Eötvös weiter, mischte Konsonantes mit Dissonantem, blieb aber weitgehend tonal, spielte mit rhythmischen Varianten und gab dem Schlagzeug und den Bläsern eine reichliche Palette.

»Es ist Musik, in der gleichsam aus Mozarts Ideen neue Ideen geboren werden«, definiert der Text im Programmheft erläuternd. Die Dirigentin setzte spannende Impulse und die Musiker brachten das Stück zu glanzvoller Wirkung, das keine Mozartkopie darstellt, sondern ein emotionsgeladenes Miteinander zweier Klangwelten repräsentiert.

Ebenso packend gestaltete sich Kachidses Konzertstück »Bruderschaft« für Viola, Sopransaxophon (hier alternativ die Klarinette), Klavier und Streichorchester, 1996 in Tiflis uraufgeführt. Kachidse zählt zu den bedeutenden lebenden Komponisten Georgiens. Seine zahlreichen Werke bedienen alle musikalischen Gattungen von der Oper bis zum Solostück. Seine Musik mischt viele Formen romantischer, tänzerischer, folkloristischer sowie jazziger Melodien und Rhythmen. Viola und Klavier leiten mit zarten Takten ein, in schwebendem Klingen mischen die Streicher und die Klarinette dazu und steigern zu einem bewegten dichten Tongespinst von großem Reiz. Unter der konzentrierten Führung von Mirga Grazinyté-Tyla brillierten über dem Streicherteppich der Bratscher Milan Radi und der Klarinettist Ferdinand Steiner, beide Soloinstrumentalisten des Mozarteumorchesters. Am Klavier waltete mit Bravour die Pianistin Onuté Grainyté, die Schwester der Dirigentin.

In Joseph Haydns D-Dur Sinfonie fachten zu Beginn die vier Hörner sogleich die Aufmerksamkeit an und gaben den Charakter der fröhlichen Klangfolgen vor. Im langsamen Teil paarten sie sich mit der Solovioline und dem Solocello. Die Dirigentin ließ die Klangfolgen unbeschwert in flotter Bewegung tanzen. Die Musiker nutzten auch die vielen Gelegenheiten, sich mit ihren solistischen Passagen zu profilieren.

Ludwig van Beethovens »Pastorale« ließ die Dirigentin durchaus zum beliebten Spaziergang durch den Wienerwald mit Vogelsang, murmelndem Bach und vorlautem Kuckuck werden, aber sie gab der bekannten Sinfonie so viel innerlich pulsierenden Atem und bei aller Beschaulichkeit der Naturschilderungen ein so breites Spektrum an dynamischen Schattierungen in einem großen Spannungsbogen, dass sich eine groß angelegte Mischung aus Ernst und Heiterkeit, Transparenz im Gesamtklang und freudig konzentriertem Musizieren und gestalterischem Formenreichtum ergab. Die Soli, allen voran die Flöte, Piccoloflöte und Oboe lieferten glänzende Klanglichter. Und der entfesselte Gewittersturm mit peitschendem Regen wurde zum delikaten Spektakel. Das Publikum feierte begeistert die Dirigentin und ihre Musiker. Elisabeth Aumiller

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