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Weltstar auf dem Dach: Angelique Kidjo in Berlin

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Angelique Kidjo
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Angelique Kidjo bringt Afrika nach Berlin. Foto: Henning Kaiser/Archiv Foto: dpa

Für Angelique Kidjo haben Latin und Rock ihre kulturellen Grundlagen ganz klar auf dem Boden von »Mama Africa«. Bei einem mitreißenden Berliner Konzert legt die Sängerin diese Wurzeln frei.


Berlin (dpa) - Sie ist ein Weltstar der afrikanischen Musik - aber so gar keine Diva. Das beweist Angelique Kidjo bei einem herausragenden Konzert am Sonntagabend im Rahmen des Berliner »Wassermusik«-Festivals.

Die Nahbarkeit dieser Sängerin geht gegen Ende ihres Auftritts auf der sonnenüberflutenden Dachterrasse des Hauses der Kulturen der Welt (HKW) so weit, dass sie beim Lied »Chez Mama Africa« ins staunende Publikum klettert. Von der kleinen Frau mit dem bunten Folklore-Kleid ist minutenlang kaum noch etwas zu sehen - und alle singen ihren Refrain mit, der einen ganzen Kontinent feiert.

59 Jahre alt ist Angelique Kidjo kürzlich geworden, aber sie wirkt viel jünger. Wenn sie im Konzert laut auflacht, wenn sie zu den Grooves ihrer achtköpfigen Multikulti-Band tanzt, sprüht sie vor jugendlichem Temperament und Rhythmusgefühl. Und was die im westafrikanischen Benin geborene, seit der politisch erzwungenen Auswanderung in Paris und New York lebende Musikerin mit ihrer Stimme veranstaltet, kann man nur als spektakulär beschreiben.

Afrikanische Musik sei die Wurzel von so vielem, von Blues, von Latin und von Rock, sagt Kidjo. Die beiden letztgenannten Genres wird sie an diesem glücklich stimmenden Abend würdigen - mit der Präsentation ihrer jüngsten Alben, die genau diese Kontinental-Verbindungen herstellen.

Mit »Celia« hatte Kidjo im Frühjahr eine Tribute-Platte für die kubanische Salsa-Königin Celia Cruz (1925-2003) herausgebracht. Ebenso gefeiert wurde ein Jahr davor ihre Re-Afrikanisierung eines Rock-Klassikers, des Albums »Remain In Light« von den Talking Heads (1980). Selbst größte Fans der hochinnovativen Funk/Rock/Afrobeat-Mixtur von David Byrne und seiner New Yorker Band mussten zugeben, dass Kidjos »Coverversion« mindestens so toll ist wie das legendäre Original.

In Berlin streut die Sängerin immer wieder brodelnde Tracks aus »Remain In Light« zwischen die Salsa/Afropop-Fusion zu Ehren von Cruz. Die von weißen Intellektuellen erdachten Songs »Once In A Lifetime« und »Houses In Motion« erobert Kidjo gewissermaßen zurück, indem sie die afrikanischen Wurzeln der Talking-Heads-Musik freilegt. Kaum jemand steht still auf der Dachterrasse.

Das diesjährige »Wassermusik«-Festival am Haus der Kulturen der Welt (5.-27. Juli) trägt das Motto »Black Atlantic Revisited« - im Fokus stehen der Südatlantik, seine Musik und seine Filme. Nach grandiosen Konzerten der brasilianischen Weltstars Gilberto Gil und Milton Nascimento ist der Auftritt von Angelique Kidjo nun schönste Werbung für den Sound Afrikas - und ein Beweis, wie stark diese Musik auf andere Kontinente übergreift.

Das Ende der mitreißenden World-Music-Show - nach Miriam Makebas Welthit »Pata Pata« (1967) als Zugabe - kommt für Band und Zuschauer nach 90 Minuten viel zu früh. Doch das Herbeiklatschen einer weiteren Verlängerung bringt nichts: Um 22.00 Uhr müsse bei einem Berliner Open-Air halt leider Schluss sein, sagt der verdiente »Wassermusik«-Programmgestalter Detlef Diederichsen dem begeisterten Publikum.

Website Angelique Kidjo

Wassermusik: Black Atlantic Revisited