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Weihnachtlicher Abend im Zeichen des Südens

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Zwei Flamencotänzerinnen brachten die spanische Art des Weihnachten-Feierns näher. (Foto: Heel)

»Weihnachten in Spanien ist eigentlich ein fröhliches, ausgelassenes Fest. Die Geburt des Erlösers ist Grund genug zum Lachen und Lärmen, zum Singen und Tanzen«.


So beschreibt es der spanische Schriftsteller Arturo del Hoyo, und so sieht es auch der am Ammersee lebende Bandleader, Gitarrist und Sänger Ricardo Volkert: »Die Spanier gehen mit dem Thema ganz anders um«. Wie anders, konnte man jetzt im fast ausverkauften Studiotheater des Traunreuter k1 erleben, wo Volkert mit seinem Ensemble gezeigt hat, wie in Andalusien (musikalisch) Weihnachten gefeiert wird. Am Violoncello begleitet wurde er dabei von Jost H. Hecker, einem der Mitbegründer des »Modern String Quartet«, der u. a. mit Charlie Mariano, Klaus Doldinger, Joan Baez, Mercedes Sosa und Konstantin Wecker spielte und derzeit als Theatermusiker in München tätig ist.

Komplettiert wurde das Ensemble von zwei Flamenco-Tänzerinnen der Extraklasse, Carmen López und »La Picarona«, was soviel wie »die Schelmische, Freche« bedeutet und sich in erster Linie auf den Umgang mit Männern bezieht. Ein Name, der ihr von Antonio »El Pipa« verliehen wurde, einem international bekannten Flamenco-Tänzer aus Jerez. Carmen López, die seit über zehn Jahren mit ihrer Familie in Hufschlag bei Traunstein lebt und hier auch Flamenco unterrichtet, kommt aus San Fernando in der Provinz Cádiz und hat dort von klein auf in der Flamenco-Schule der heute weltweit berühmten Flamenco-Tänzerin Sara Baras das Tanzen gelernt.

Vier hochkarätige Künstler, die sich mit Gusto auf eine Tour von den Bergdörfern der Sierras hinunter in die Städte Granada und Sevilla und von dort an die Strände der andalusischen Küste begaben und dabei mal schwungvoll und lustig, mal sanft und melancholisch bekannte Weihnachtslieder (Villancicos) der Spanier vortrugen. Lieder, die häufig von den biblischen Geschichten rund um die Geburt Christi handelten, von der vergeblichen Herbergssuche, von den drei Heiligen Königen (Los Reyes Magos) und den sorgenden Hirten an der Krippe im Stall. Aber auch von einem glaubensstarken Seemann, der einem Dämon die Stirn bietet, oder von Wallfahrern, die sich in der Nähe der andalusischen Stadt Huelva zur Heiligen Jungfrau vom Morgentau, zur »Virgen del Rocio«, begeben. Und anhand einer »Sevillana Biblica« wurden noch Geschichten aus dem Alten Testament erzählt, von Liebe, Untreue und Verrat, von König David, der schönen Judith, von Samson und Delila.

Von Volkert, der zu jedem Lied ein paar Anmerkungen machte, so anregend wie kenntnisreich moderiert, konnten sich die Zuschauer so ein Bild davon machen, wie in Spanien Weihnachten gefeiert wird. Zumal Volkert ein echter Kenner ist, dem die Gegend von Almeria fast zur zweiten Heimat geworden ist. Nicht umsonst versteht er sich heute mehr als »Cantautor«, als spanischer Liedermacher, den es reizt, spanische Texte und Poesie zu vertonen und dem Publikum nahe zu bringen.

Eine Gelegenheit dazu bietet sich am Sonntag, den 7. April, wenn er mit seinem Ensemble in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS gastiert, wo er sein Programm »In den Gassen und Tavernen des Südens« (mit Carmen López) vorstellt. Wolfgang Schweiger