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Weihnachtliche Musik aus der Barockzeit

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Die Solistinnen Cora Stiehler (Mitte) und Mona Haberkern spielten das »Doppelkonzert für zwei Violinen und Orchester« von Johann Sebastian Bach. Rechts ist Matthias Roth zu sehen. (Foto: Bauregger)

Auch im zweiten Konzert der Reihe »Philharmonische Weihnacht« vermittelte die Bad Reichenhaller Philharmonie unter der Leitung von Matthias Roth mit Orchesterwerken aus der Zeit des Hoch- und Spätbarock, insgesamt eine eher ruhige Weihnachtsatmosphäre.


Eine Besonderheit war es sicher, dass auch zwei Werke von Joseph Joachim Benedikt Münster (1694-1751) erklangen, der zu seiner Zeit Kaiserlicher Notar und Musikdirektor in Reichenhall war. Wohltuende bewegte Kontraste erfuhr das Konzert durch das Solistenduo Cora Stiehler und Mona Haberkern auf der Geige und durch den virtuosen Solovortrag von Daniel Werner auf Piccolo und Querflöte. Ein Kunststück vollbrachte an diesem Abend auch Matthias Roth, der sowohl die Orgel und das Cembalo bediente, gleichzeitig aber auch Dirigent war.

Das eher ruhige Gesamtklangbild des Abends war sicher auch der für die Barockzeit typischen Orchestrierung geschuldet, die in erster Linie auf einem mehrstimmigen Streichersatz mit Celli und Kontrabass aufbaut, wobei auch abwechselnd eine kleine Orgel und prägnant ein hell und obertonreich klingendes Cembalo, solistisch und als Begleitinstrument eingesetzt wurden.

Eine majestätisch festliche Note erfuhr das Konzert bei den beiden Weihnachtskonzerten in C- und D-Dur »Concertatio pastoritia XI und XII« von Joseph Joachim Benedikt Münster, durch zwei wunderbar, ausgesprochen fein und gefühlvoll intonierende Trompeten und ein tragendes Fundament, ausgehend von den Pauken. Gerade diese beiden Werke bestachen durch ihr harmonisch ausgeglichenes filigranes Klangbild, welches besonders im zweiten Konzert mit kurzen Tempowechseln interessant moduliert ist.

Farbe und Bewegung brachten die Solistinnen Cora Stiehler und Mona Haberkern mit dem »Doppelkonzert für zwei Violinen und Orchester«, d-Moll, BWV 1043 von J. S. Bach gleich im doppelten Sinne auf die Bühne. Zum einen bestachen die beiden Künstlerinnen durch die festlichen Abendkleider in blau und rot. Zum anderen verstanden sie es, insbesondere die Sätze Vivace und Allegro, die solistisch anspruchsvolle Bewegung in der Partitur, durch ihre überaus aktive, ausdrucksstarke Körpersprache ins Publikum zu transportieren. Wie ein Uhrwerk liefen die Melodien in den Soloparts ineinander, entfernten sich konträr in eigenständigen Sequenzen, verschmolzen in genialen Überleitungen nahtlos mit einem sehr aufmerksam agierenden Orchester oder entluden sich in den schnellen Tempi energisch in einem lebendigen Melodiefluss.

Eine weitere, anspruchsvolle Klangnote entwickelte sich aus dem solistisch-virtuosen Vortrag von Daniel Werner, der im ersten Teil der »Barocken Weihnacht« das »Konzert für Piccoloflöte und Orchester«, C-Dur, RV 443, und nach der Pause das »Konzert für Flöte und Orchester«, g-Moll, RV 439 »La Notte«, beide von Antonio Vivaldi, mit dem Orchester aufführte. Werner brillierte hier nicht nur durch eine perfekte Instrumentenbehandlung und -beherrschung, sondern vielmehr durch einen ausgesprochen sicheren, ausdrucksstarken, sauber intonierten, dynamisch perfekt modulierten Ton, der sowohl vom Piccolo, wie danach von der Querflöte ausging.

Der Gesamteindruck wurde zusätzlich durch eine passende aktive, aber nicht übertriebene Körpersprache wohltuend verstärkt. Meisterlich arrangierte sich der Solist mit dem Orchester, verschmolz übergangslos mit diesem Klangkörper, löste sich immer wieder solistisch heraus, forderte etwa die 1. Geige musikalisch auf, mit ihm ins Solo zu treten, ohne aber in irgendeiner Phase aufdringlich oder dominant als Solist außerhalb zu stehen. Gefühlvoll aber bestechend präsent zeigte sich auch das Orchester, welches den Solisten, etwa beim Molto-Satz des Piccolokonzertes oder im Largo des Flötenkonzertes, auf einem unsagbar feinen Klangteppich trug.

Kein Wunder, dass diese Klangerlebnisse von den Konzertbesuchern mit langanhaltenden Applaus und Fußgetrampel honoriert wurden. Zum Abschluss stand schließlich das »Konzert für Orgel und Orchester«, g-Moll, op.4-1, HWV 289« auf dem Programm, in dem der Leiter Matthias Roth das Kunststück vollbrachte, die Solopartien auf der Orgel zu spielen und gleichzeitig das Orchester mit Ruhe und Gelassenheit zu dirigieren. Roth gelang es ebenfalls überzeugend, dem insgesamt doch ruhigen Konzertwerk, etwa durch den Wechsel des Orgelklanges von einem gedeckten Bereich heraus in einen helleren und freudigeren im Allegro, belebende Impulse zu setzen.

Zum Dank gab es kräftigen Schlussapplaus. Was im Verlauf des Konzertes unbestritten empfindlich störte war, dass viele Konzertbesucher nach den einzelnen Sätzen der Orchesterwerke applaudierten. Werner Bauregger