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BSD-Sportdirektor Thomas Schwab nennt Konsequenzen für Bob und Skeleton – Vergleich erwartet in der Causa »Manuel Machata«

Weichen für Korea sind gestellt

Berchtesgaden – Die Erfolgsbilanz des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) sieht nach der letzten Saison im Rodelsport überragend gut aus. Dagegen blieben sowohl die Bobfahrer als auch die Skeletonis teilweise weit hinter den Erwartungen zurück. Beim BSD folgten klärende Gespräche mit neuen Richtlinien. Sportdirektor Thomas Schwab zeigt sich nun guter Dinge, dass seine Sportler auch in den Sparten Bob und Skeleton zurück in die Erfolgsspur starten. Schließlich beginnt jetzt schon die Arbeit für die nächsten Olympischen Winterspiele in Pyeongchang.

Sportdirektor Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland sprach zuletzt Klartext, sieht jedoch nach teilweisen Problemen in letzter Zeit durchaus wieder gute Ansätze. Schließlich möchte der BSD auch wieder im Bobsport auf Weltniveau mitfahren. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Wie fällt der Blick zurück auf die Saison 2013/14 aus?

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Thomas Schwab: Unsere Rodler sind eine sehr gute Weltcupsaison gefahren und haben dies bei Olympia zu 100 Prozent bestätigt. Im Bereich Bob ist es schon die gesamte Saison nicht wunschgemäß verlaufen. Das begann bereits in Übersee und wurde bis auf eine Ausnahme in Winterberg im Viererbob auch nicht besser. Bei Olympia waren wir schon vom Material her im Zweierbob chancenlos und im Viererschlitten waren nicht alle topfit.

Im Skeleton waren wir nicht auf eine Medaille orientiert, dies zeigten schon die Startzeiten in den letzten beiden Jahren. Allenfalls bei Anja Huber hatten wir eine vage Hoffnung auf Bronze.

Es gab Aussagen, dass die deutschen Bobfahrer vergleichbar mit einem »Trabifahrer« waren. Angetreten seien sie gegen »Ferraris«. Was sagen sie zu solchen Äußerungen?

Schwab: So etwas kann man nicht sagen, aber das ist auch in einer großen Frustration in den ersten Momenten passiert. Das war ganz einfach Emotionen geschuldet. Nehmen wir nur Kevin Kuske, der so viele Medaillen gewonnen hat. Die Aussagen haben ihm leidgetan und er hat sie auch wieder relativiert. Auch unsere Gerätehersteller sollen das nicht überbewerten.

Warum hat der Verband nicht reagiert, nachdem die Bobs einfach langsamer als andere Schlitten waren?

Schwab: Uns fehlte ein halbes Jahr, um wettbewerbsfähig zu sein. In einer Saison mit ständigen Rennen im Zweier und Vierer sowie den vielen Trainingseinheiten bleibt keine Zeit zum Testen mehr. Ich bin überzeugt, dass wir zusammen mit der FES (Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten; Anm. d. Red.) unsere Schlitten wieder wettbewerbsfähig bekommen, um wieder in der Weltspitze mitzumischen.

Wie sehen Konsequenzen aus?

Schwab: Wir haben den Bereich Bob im Trainerteam umgebaut. So haben wie die beiden Heimtrainer Matthias Trübner und Gerd Leopold wieder zurückgeholt. Die offensichtlichen Rückstände im athletischen Bereich sollen künftig durch den verstärkten Einsatz der Heimtrainer während der Wintersaison und durch zentrale Maßnahmen in der Saisonvorbereitung im Mai behoben werden. Wir müssen noch mehr Schwerpunkte auf die Athletik auch der Pilotinnen und Piloten legen. Im Bereich Damenbob muss es einen kompletten Neuanfang geben.

Wir haben mit Albrecht Klammer, Nico Walther und dem Berchtesgadener Johannes Lochner drei sehr leistungsstarke Nachwuchspiloten. Im Bereich Anschieber wird es für uns immer schwerer, weil sich andere Nationen aktiver Leichtathleten bedienen.

Zudem haben wir beim Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten neue Ansprechpartner. Es gab klare Kommunikationsdefizite zwischen unserem Bundestrainer Christoph Langen und dem Themenleiter der FES. Wir hatten während der gesamten Zusammenarbeit den Eindruck, nicht richtig ernst genommen zu werden. Unsere Konsequenz daraus war, einen neuen Ansprechpartner zu bekommen. Jetzt müssen wir halt sehen, wie die FES reagiert.

Und wie wollen Sie sich im Bereich Skeleton verbessern?

Schwab: Wir möchten den Weltcup, Intercontinentalcup und Europacup transparenter gestalten und unsere Sportler je nach Bedarf einsetzen. Zudem haben wir eine Anschlussmannschaft neu formiert und werden verstärkt die Startzeiten bei unseren Teambesetzungen in den Vordergrund rücken. Bundestrainer Jens Müller arbeitet mit den Aktiven in allen drei Rennserien und Dirk Matschenz von unserem Stützpunkt wird die sportliche Seite in der A-Mannschaft koordinieren.

Gibt es Neues zur Kufengeschichte mit Machata?

Schwab: Der Verband hat zunächst einmal reagieren müssen, weil Manuel Machata wie alle anderen Sportler auch mit sehr hohen Summen an öffentlichen Fördermitteln unterstützt wird. Uns wurde unterstellt, ob wir noch förderungswürdig seien, wenn wir gewisse Dinge nicht im Griff haben. Ich denke jedoch, dass die Sache im Rechtsausschuss in Richtung eines Vergleiches ausgeht und man sich einigen wird. Damit Machata wieder für Deutschland antreten kann. Wir müssen die Kufengeschichte ganz einfach in den Griff bekommen, sonst fällt irgendwann die Förderung weg und was ist dann?

Es gab ja auch bei den Rodlern vonseiten einer Tatjana Hüfner Beschuldigungen, dass ihr von gewissen Leuten nicht geholfen werde.

Schwab: Es gibt natürlich an unserem Stützpunkt in Berchtesgaden eine hochgradig gut funktionierende Kernzelle, die in bester Zusammenarbeit einen sehr großen sportlichen Erfolg für sich verbuchen kann. Da gab es zuletzt in Oberhof Probleme, wie es ja Tatjana Hüfner ausgedrückt hat.

Wir mussten uns von Hüfners Trainer trennen, haben jedoch zwei neue, hoch qualifizierte Trainer von ihrem Stützpunkt in unser A-Team eingesetzt. Besser hätten wir aus meiner Sicht nicht reagieren können. Da brauchen wir uns keinen Vorwurf zu machen. Christian Wechslinger