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Wedel und «MeToo»: Rückzug trotz großer Unterstützung

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Wedel und Fehling
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Der Bad Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling (r.) unterstützt Dieter Wedel. Foto: Uwe Zucchi Foto: dpa

Dieter Wedel hört als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele auf. Der Starregisseur ist damit der erste deutsche Prominente, für den die «MeToo»-Debatte Konsequenzen hat. Beweise für ein Fehlverhalten sind bis heute nicht bekannt.


Bad Hersfeld (dpa) - Es war eine für ihn harmlose Äußerung, mit der sich Starregisseur Dieter Wedel in die Debatte über sexuelle Belästigung in der Filmbranche einschaltete: Er sei als junger Schauspieler für schwul gehalten und von Kollegen sowie Regisseuren sexuell belästigt worden, sagte der 75-Jährige dem Radiosender Hit Radio FFH im November.

Nun, zwei Monate später, ist Wedel als Intendant der Hersfelder Festspiele wegen ähnlicher Vorwürfe zurückgetreten. Er soll nicht Opfer, sondern Täter gewesen sein.

Damit ist Wedel der erste deutsche Star, für den sich ersthafte Konsequenzen aus der Debatte mit dem Schlagwort «MeToo» (deutsch: «Ich auch») ergeben. Die begann im Herbst in den USA mit Vorwürfen gegen einen Hollywood-Produzenten: Schauspielerinnen und Mitarbeiterinnen beschuldigten Harvey Weinstein, sie sexuell belästigt zu haben. Prominente Frauen bestätigen die Vorwürfe. Weinstein wurde von seinem Filmstudio entlassen. «MeToo» entfacht weltweit einen Sturm der Entrüstung. Vorwürfe gegen weitere Hollywood-Stars folgen.

In Deutschland wird «MeToo» diskutiert, doch richtig Fahrt nimmt die Debatte erst Anfang des Jahres auf: Im «Zeit-Magazin» kommen mehrere, teils namentlich genannte Schauspielerinnen zu Wort, die schwere Anschuldigungen erheben, bis hin zu erzwungenem Sex. Wedel wehrt sich und verweist auf «eine umfassende eidesstattliche Erklärung zu den schweren Anschuldigungen», die er abgegeben habe.

Bis dahin hatte Wedel einen exzellenten Ruf. Fernsehepen wie «Der große Bellheim» und «Der Schattenmann» machten ihn berühmt. Als er 2014 die Hersfelder Festspiele übernahm, war dies offenbar eine Herzensangelegenheit. Die Festspiele waren in der Krise, eigentlich wollte der gebürtige Frankfurter sich wieder dem Film widmen.

Trotz seines Rufs als Erfolgsregisseur galt Wedel auch als schwierig im Umgang, war als Exzentriker und Choleriker bekannt. Er selbst machte keinen Hehl daraus, im Umgang mit Schauspielern hart zu sein: «Im Übrigen besteht die Zusammenarbeit zwischen einem Regisseur und Schauspielern darin, einen Text einzustudieren und wenn es nötig ist, solange zu repetieren, bis der Schauspieler seine Höchstleistung bringt.» Schikane sei das nicht.

Nach den Vorwürfen bekam Wedel viel Unterstützung: So warnte die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vor einer Vorverurteilung. Wedels Partnerin Uschi Wolters bezeichnete die Anschuldigungen als «absurd». Der Bürgermeister der Festspielstadt Bad Hersfeld, Thomas Fehling (parteilos), verteidigte seinen Festspiel-Intendanten: «Ich habe keinen Anlass, an der Glaubwürdigkeit von Dieter Wedel zu zweifeln», sagte er.

Doch die Vorwürfe gegen Wedel rissen nicht ab: In der Wochenzeitung «Die Zeit» sagte zuletzt Schauspielerin Iris Berben, Wedel habe sie Ende der 70er Jahre am Set der Fernsehserie «Halbzeit» gedemütigt,nachdem sie eine Einladung zum Essen abgelehnt habe.

Wedel wies die Vorwürfe stets über seinen Anwalt zurück. Er verweist darauf, dass es bisher nur Anschuldigungen gibt - und keine bewiesenen Fakten. Doch die Debatte hat ihn körperlich mitgenommen: Als sein Rücktritt am Montag bekannt wurde, lag Wedel wegen einer Herzattacke im Krankenhaus. «Der Umfang, die Art und Weise der Darstellung, die Anfeindungen haben für mich in meinem 76sten Lebensjahr ein für meine Gesundheit und natürlich auch für meine Familie erträgliches Maß weit überschritten», sagt er. Deswegen werde er sich von jetzt an nicht mehr öffentlich äußern.