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Watzmann Therme ein Sanierungsfall?

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Der Unternehmensberater und Sanierer Heinz Krawinkel beobachtet die Entwicklungen um Watzmann Therme, TRBK und BGLT schon lange. Zufrieden ist er damit nicht. Foto: Anzeiger/Kastner

Berchtesgaden - Beinahe wäre Heinz Krawinkel jetzt für die Watzmann Therme mitverantwortlich. Die Freien Wähler im Marktgemeinderat Berchtesgaden hatten den 68-jährigen Unternehmer nämlich als Nachfolger für den urplötzlich zurückgetretenen Peter Wagenlehner als neuen Verbandsrat im Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee vorgeschlagen. Doch die anderen Fraktionen hatten Angst vor dem Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt, und legten - mit einer aussagelosen öffentlichen Presseerklärung - zum Ärger der Freien Wähler ihr Veto ein. Ein ziemlich ungewöhnlicher Vorgang.


Während sich nun der langjährige FW-Gemeinderat Jürgen Reiner anschickt, die Gemeinde Berchtesgaden künftig im Zweckverband zu vertreten, macht sich der weiterhin mandatslose Heinz Krawinkel von außen her seine Gedanken darüber, wie die Watzmann Therme finanziell wieder auf gesunde Beine zu stellen ist. Das entsprechende Wissen müsste der gebürtige Westfale, der vor 30 Jahren nach Berchtesgaden kam, eigentlich haben. Schließlich hat er sich unter anderem als erfolgreicher Unternehmensberater und Sanierer im Gesundheitsbereich sowie als Initiator des Berchtesgadener Fernwärmeprojekts einen Namen gemacht. Und er hat eine besondere Motivation: »Öffentliche Geldverschwendung macht mich wütend.«

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Krawinkel fordert vor allem eines: »Hier braucht man einen alleinverantwortlichen Sanierer, dem kein Politiker dreinreden darf. Der muss vorübergehend die Geschäftsleitung übernehmen und alles auf den Prüfstand stellen: Watzmann Therme, TRBK und BGLT.« Schon an dieser Aussage lässt sich erkennen, dass Heinz Krawinkel diese Institutionen nicht einzeln betrachtet und deren Wirken durchaus kritisch sieht.

Vor allem in puncto Watzmann Therme sieht Krawinkel arge Versäumnisse bei den Verantwortlichen. »Wenn die Bilanzsumme des Bads innerhalb von sechs Jahren um über 600 000 Euro zurückgeht und damit Kapital vernichtet wurde, dann hat man etwas falsch gemacht«, poltert der Berchtesgadener. Der sieht die Ursache für die Finanzprobleme nicht nur in den zurückgehenden Besucherzahlen. »Wenn die Besucherzahlen aufgrund bestimmter Entwicklungen zurückgehen, dann muss ich halt rechtzeitig reagieren und versuchen, die Erlöse durch Alternativen einzufahren, aber die Geschäftsführung hat in keiner Form reagiert«, sagt Heinz Krawinkel.

Völlig unverständlich ist es dem Unternehmer, dass man nicht mehr in die Werbung investiert hat. Denn während die Besucherzahlen in fünf Jahren um rund 18,5 Prozent gefallen sind, gingen die Werbeausgaben ebenfalls stark zurück. Von 140 000 Euro im Jahr 2005 auf nur noch 90 000 Euro im Jahr 2010. »Das geht doch nicht, da hätte man klotzen müssen«, weiß der 68-Jährige und legt noch eins drauf: »Man sah das Unglück kommen und hat nichts unternommen.« Krawinkel meint, dass man das Marketing hätte verbessern und zusätzliche Attraktionen und Gags schaffen müssen, um neue Kunden zu gewinnen.

Handlungsbedarf sieht Krawinkel auch bei der TRBK und bei der BGLT. Hier stellt er einen gewagten Vergleich über die Leistungen der hiesigen Tourismusmitarbeiter mit denen in Großarl an, wo lediglich sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Tourismusbüros beschäftigt seien. »Und hier sind es rund 70 Arbeitskräfte bei TRBK und BGLT«, sagt Krawinkel und stellt diese in Relation zu den akquirierten Übernachtungszahlen. Dabei kommt er zu der Überzeugung: »Die Wertschöpfung bei den Großarlern ist fast doppelt so hoch wie bei uns.« Letzten Endes ist Heinz Krawinkel die Mitarbeiterzahl bei TRBK und BGLT zu hoch und deshalb fordert er unter anderem eine Zusammenlegung dieser Organisationen im Kongresshaus. Und überhaupt: das Kongresshaus. Hier fehlt es dem Berchtesgadener Unternehmer bis heute an einem Nutzungskonzept. »Ein Umbau ist in Ordnung. Aber ich muss doch vor Beginn der Bauarbeiten wissen, welche Anforderungen ich an eine künftige Nutzung habe.«

Für völlig verfehlt hält Heinz Krawinkel auch die Informationspolitik in den Gremien. Dass manches im Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee nicht ganz rund läuft, beweisen schon die plötzlichen Rücktritte von Michael Widmann und Peter Wagenlehner. Beide sind im Übrigen ausgesprochene Finanzexperten. Warum die überstürzten Rückzüge? Steuerberater Peter Wagenlehner gibt zu 95 Prozent berufliche Gründe für den Ausstieg an. Die restlichen fünf Prozent klingen allerdings schon nach ein wenig Enttäuschung bezüglich der Erfahrungen, die er im Zweckverband und als Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss gemacht hat. »Es geht einfach alles zu zäh. Wenn man Verbesserungsvorschläge einbringt, dann dauert es ewig, bis sich etwas bewegt«, sagt er auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«.

Zunehmend lauter wird derzeit auch der Ruf nach Informationen, wie entsprechende Anfragen und Anträge in den Gemeinderäten von Schönau am Königssee, Ramsau und Marktschellenberg zeigten (wir berichteten). Auch Heinz Krawinkel kritisiert: »Es kommen zu wenig Zahlen auf den Tisch. Unsere Gremien sind zu wenig informiert.«

Für den Berchtesgadener Unternehmer ist klar, dass Watzmann Therme, TRBK und BGLT eine Rundumerneuerung brauchen, die ausschließ-lich ein unabhängiger Sanierer und keinesfalls nur ein Berater einleiten könne. »Der muss alles auf den Prüfstand stellen - und die Politik darf ihm nicht dreinreden«, sagt Krawinkel. So ein Sanierer würde, das schätzt der 68-Jährige, etwa 200 000 Euro im Jahr kosten. Die hält Krawinkel allerdings für gut angelegt. Denn der Unternehmer ist überzeugt, dass ein Sanierer einen jährlichen Ertrag von rund 1,5 Millionen Euro erwirtschaften könne. Ulli Kastner

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