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Wasserfall-Selfies und Drohnenflüge im Nationalpark große Probleme

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Informierten im »Haus der Berge« umfassend über Neuigkeiten im Nationalpark(v.l.): die Bürgermeister Hannes Rasp, Franz Rasp und Herbert Gschoßmann, der Leiter des Nationalparks Berchtesgaden Dr. Roland Baier, »Haus der Berge«-Chef und Steinadlerexperte Ulrich Brendel und Sachgebietsleiterin Umwelt Andrea Heiß. (Foto: Tessnow)

Berchtesgaden – 40 Jahre Nationalpark, 25 Jahre Steinadlerprojekt, aktuelle und geplante Maßnahmen aus dem Schutzgebiet, unterlegt mit Statistiken und Besucherbilanzen – wer am Dienstag den umfangreichen Informationsabend besuchte, konnte sich über sämtliche Tätigkeitsfelder der Nationalparkverwaltung informieren. Die im Verbund mit den Nationalparkgemeinden Berchtesgaden, Schönau am Königssee und Ramsau organisierte Veranstaltung lockte 100 Teilnehmer in den Konferenzsaal des »Haus der Berge«. Ein hoch brisantes Thema jedoch wurde bewusst ausgeklammert.


Nach der Begrüßung durch Nationalparkleiter Dr. Roland Baier und Marktbürgermeister Franz Rasp bezogen Referenten und Gemeindeoberhäupter sich gleich auf die Causa Fallwild beziehungsweise das Verenden der Rotwildkälber am Königssee. Zur sachlichen Aufklärung dieser Problematik und einer Klage des Vereins »Wildes Bayern« werde es an diesem Abend aber keine Stellungnahmen geben, betonte man unisono.

Dafür werde demnächst ein Extra-Termin von den Nationalparkgemeinden angesetzt, teilten Dr. Roland Baier und Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann den Gästen mit. Gschoßmann vertiefte nochmals die Ausklammerung und erwähnte, dass es bei dieser Aktion auch geplant sei, per Boot über den Königssee zu fahren, um sachliche Aufklärungsarbeit zu leisten. Dieses sei ausdrücklicher Wunsch aller Nationalparkgemeinden. Auf der Homepage des Nationalparks können Interessenten zusätzlich auch Updates und aktuelle Informationen abrufen.

Dr. Baier startete seinen Rückblick auf das Jubiläumsjahr 2018 mit der Präsentation der Besucherzahlen im »Haus der Berge« für den Zeitraum 2013 bis 2019. Für das Jahr 2018 konnte man einen Zuwachs um sieben Prozent bei den Besucherzahlen im Infozentrum auf insgesamt 165.000 erzielen. Geringfügig rückgängig, mit zwei Prozent im Minus, auf 58.000 Besucher fiel jedoch die Bilanz zum Vorjahr im Bereich Ausstellung aus.

Barrierefreies WC und Triftfest

Mit dem Ranger-Treffen »Danilo Re« gelang der Einstieg zum Jahresbeginn. Es folgte die Verleihung des »Alpinen Schutzwaldpreises« in Kempten und im März ein Festakt in der Bayerischen Vertretung in Berlin sowie eine Akzeptanzstudie im Juli und ein großer Festakt im »Haus der Berge« im August. Die Neugestaltung und barrierefreie Errichtung der Toilettenanlage an der Wimbachbrücke wurde abgeschlossen, das Triftfest im September sowie ein großes Familienfest anlässlich des 40. Geburtstages im »Haus der Berge« mit tausenden Besuchern im Oktober veranstaltet. Außerdem konnten einheitliche Eingangssteine im Nationalpark positioniert, die Eröffnung des Kreisverkehrs im Stangenwald gewährleistet und eine Vergleichsfotografie-Ausstellung von Dr. Meister aus mehreren Dekaden präsentiert werden.

Im Anschluss informierte Sachgebietsleiterin Andrea Heiß über Umweltthemen. Hierbei wurden Statistiken herangezogen. Heiß referierte über die Teilnehmerzahlen aller Umweltbildungsveranstaltungen im Jahresüberblick. Für 2018 konnte man mit 26.491 ein Rekordergebnis verbuchen. Waren es zehn Jahre zuvor doch erst 14.034 Teilnehmer. Anschließend erklärte die Sachgebietsleiterin Wanderprogramme mit ihren Teilnehmerzahlen im Durchschnitt bei Jubiläums-, Bildungs- und Sonderprogrammen für Gruppen.

2018 wurden 534 Veranstaltungen durchgeführt. Diese wurden zu einem Drittel von Erwachsenen und zu zwei Dritteln von Kindern und Jugendlichen frequentiert. Der Anteil an nationalen Teilnehmern lag bei 51 Prozent, 49 Prozent waren internationale Gäste. Insgesamt wurden 18 verschiedene Projekttage und 126 Veranstaltungen für Kinder eingerichtet, unter anderem auch das »Youth at the Top« oder Bildungstagungen über die Zukunft der Alpen.

Veränderungen im Klausbachtal

Sachgebietsleiter Ulrich Brendel berichtete anschließend über laufende Tätigkeiten und Planungen zu Kanalbauarbeiten an verschiedenen Orten im Nationalpark, den Hochwasserschutz in der Klausbachsiedlung und barrierefreie Bushaltestellen im Klausbachtal. Derzeit laufen die Arbeiten zur Gestaltung des Freigeländes um das Klausbachhaus. Brendel blickte auch mit Stolz auf das Projekt »25 Jahre Steinadler« zurück. Hier sind mehrere Aktionstage und eine Besendung der Jungvögel einbezogen. Mit dieser Kontrollmethode sollen Flugradien von Jungvögeln erforscht werden.

Auch in der neuen Jenner-Bergstation wird es nun im Foyer eine Infostelle des Nationalparks geben. Diese soll Besuchern die Bewusstseinsbildung und Sensibilität im Umgang mit der Natur fördern. Aktuell laufen ebenfalls Neugestaltungsmaßnahmen des Informationshauses in St. Bartholomä. Die Eröffnung ist für 2021 angesetzt.

Dr. Baier erwähnte, dass der Katastrophenfall im Januar viel Arbeit hinterließ. Die Beseitigung der Winterschäden an und auf Wegen und Steigen sei heuer wegen der enormen Schneemassen eine außergewöhnliche Herausforderung. Aufwendige Instandsetzungsmaßnahmen an Läufen, Brücken, Geländern und Waldbeständen durch Schneebruch müssen immer noch abgearbeitet werden.

Königsbach-Wasserfall und Drohnenflüge

Der Königsbach-Wasserfall sei ein immer größer werdendes Problem. Wie berichtet, begeben sich hier immer mehr Menschen in Lebensgefahr, um ein möglichst tolles Foto für soziale Medien wie die Plattform »Instagram« zu schießen. Hier ist ein runder Tisch zum Austausch über Präventivmaßnahmen angesetzt. Es sollen Lebensgefahr-Hinweisschilder installiert werden, um den immer größer werdenden »Hype« einzugrenzen. Ebenfalls sollen auch Drohnenflüge über St. Bartholomä zukünftig verboten werden.

Zum Dauerthema Radfahren im Nationalpark wird eine Masterarbeit über den Einsatz von E-Bikes angesetzt. Außerdem ist eine Sensibilitätskampagne mit dem DAV zum Thema »Rücksicht auf Natur und Wanderer« in Planung. Zur Weiterentwicklung und Optimierung des Borkenkäfer-Managements mit der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft wird ein Projekt konzipiert. Ergänzende Forschungsthemen, wie die Entwicklung des Klimawandels mit Fokus auf die Insektenforschung, inklusive der Errichtung von 34 Untersuchungsflächen und dem Heuschreckenschutz im alpinen Ökosystem laufen.

Gäste fragen – Referenten antworten

Nach Abschluss des offiziellen Informationsparts hatten nun die Gäste die Möglichkeit, den Referenten Fragen zu stellen. Die Besucher wollten zum Beispiel wissen, wo man sich über Wanderrouten und über die aktuelle Schneefreiheit bestimmter Wege wie zum Beispiel vom Königssee in Richtung Hagengebirge oder zur Gotzenalm online informieren kann. Wegereferent Lorenz Köppl erklärte, dass die Schneeschmelze noch nicht überall abgeschlossen ist und einige Strecken noch nicht begehbar seien.

Hunde und S-Bikes verbieten?

Auch ob eine Leinenpflicht für Hunde intensiver überprüft werden könne, stand zur Debatte. Ein Interessent schlug sogar vor, Hunde gleich im Nationalpark zu verbieten. Das wiederum sei aber nicht umsetzbar, erklärte Ranger-Leiter Jochen Grab, da die Nationalparkgemeinde sich an die geltenden Verordnungen zu halten habe. Auch eine Kritik an den Baumaßnahmen zur Barrierefreiheit auf dem Jenner wurde ausgesprochen sowie die Bitte, doch S-Bikes aus dem Nationalpark zu verbannen. Diese nämlich sind bedeutend schneller als E-Bikes und können bis zu 40 km/h erreichen. Jörg Tessnow