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Was passiert mit dem Dreck?

Weil das Eis zu dünn ist, konnte der Silvestermüll zunächst nicht entfernt werden. Später ging es dann doch. Fotos: privat
Feuerwerksreste, wohin das Auge reicht.

Ramsau - Zahlreiche Überreste des Silvesterfeuerwerks verschandeln derzeit den Hintersee. Knaller, Raketen - wohin das Auge reicht. Und all das mitten auf dem zugefrorenen See. Der Gemeinde sind die Hände gebunden. »Wir können nichts tun, das Eis ist zu dünn«, erklärte der Geschäftsleiter der Gemeinde Ramsau, Martin Willeitner, während der Recherchen der Heimatzeitung. Kurz vor Redaktionsschluss dann die Nachricht: »Der Dreck ist weg.«


Es sollte ein gewöhnlicher Spaziergang an Neujahr werden. Am Hintersee entlang, »wunderschön gelegen«, schreibt Ludwig Fegg. Doch daraus wurde nichts. Weil Feuerwerksreste den See verschandeln. »Leider bot sich vor dem CVJM-Freizeitzentrum Haus Hintersee kein schöner Anblick.« Hunderte Überreste von Böllern zierten dort das Eis.

Bei Tauwetter könnte ein Umweltskandal drohen, so Feggs Vermutung. Dann nämlich, wenn der Müll im See versinkt. Franz Zechmeister, Gewässerwart beim Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee, sagt, dass es sich in so einem Fall um eine Gewässerverunreinigung handeln würde. »Das ist so, als würden wir unseren Papierkorb in den Hintersee schütten«.

Traurig sei es, dass vielen Leuten das Verständnis dafür fehlte, ihre Raketen woanders abzuschießen. »Klar regen wir uns vom Fischereiverein über so ein Verhalten auf«, sagt er. Dagegen machen könne man aber sowieso nichts. Nur ein Verbot würde die Sache regeln.

Martin Willeitner erklärt noch am Mittwochvormittag, dass ein Betreten des Sees momentan nicht möglich sei. Zu gefährlich wäre das. »Das Eis trägt nicht.« Hinzu kommt, dass Neuschnee fiel und die Böllerreste schwer zu finden seien. Als Ordnungsbehörde befinde man sich aber in der Pflicht zu handeln. »Eventuell mit einem Boot«, sagt Willeitner. Erinnern kann er sich nicht, dass es auf dem See in den letzten Jahren schon einmal mit Müll so zugegangen war. »Das hängt immer von den Leuten ab, die Raketen schießen.« Und dieses Jahr war es eben ganz besonders schlimm. Gegen unkontrollierte Feuerwerker habe man gemeindeseitig aber keine Handhabe - zumindest nicht am Hintersee.

Viel besser gelingt dies bei der Pfarrkirche und beim Mesnerhaus. Denn in unmittelbarer Nähe ist es generell verboten, Raketen und Kracher zu zünden, weiß der Geschäftsleiter. »Wir haben dort Holzschindeln, die Brandgefahr ist groß.« Das Gute daran: Die Leute akzeptieren das.

Rolf Bechtel vom CVJM-Gästehaus am Hintersee sagt, dass das alles doch nicht so schlimm sei. Vor dem Gästehaus wurde ein Großteil des nun für Unmut sorgenden Feuerwerks in die Luft geschossen.»Neujahr hatte unser Hausmeister frei und inzwischen ist er schon dabei, die Reste zu entfernen.« Außerdem stehe die Sache am Hintersee in keinem Verhältnis zum Feuerwerk am Königssee, das von der Insel Christlieger abgeschossen wird. »Dort fällt der ganze Dreck mitten in den See und keiner merkt's, weil kein Eis da ist«, sagt Bechtel. Kein Problem sei es, die Raketenreste am Ramsauer Hintersee einzusammeln. »Das machen wir schon.« Vielleicht mit einem Boot, vielleicht auch anders, meint er. Den See verschmutzen? »Das will doch niemand.« Kurz vor Redaktionsschluss erreichte die Heimatzeitung die Nachricht, dass der Müll mit technischen Hilfsmitteln nun entfernt ist. Der See bleibt also sauber. kp