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20 Jahre hat es gedauert. Jetzt ist das neue Buch von Manfred Jüstel da. (Foto: Rothenbuchner)

Berchtesgaden – »Des Schwaare bei so oan Gedicht, is da Ofang vo da Gschicht.« So beschreibt Manfred Jüstel den Entstehungsprozess seiner Mundartgedichte.


Jüstel ist seit vielen Jahren ein begnadeter Verserlschreiber. Dennoch hat es fast 20 Jahre gedauert, bis es endlich so weit war: Seit Kurzem wartet sein zweites Buch, »Grad wia im Leb'n«, darauf, die Berchtesgadener zum Schmunzeln und Nachdenken anzuregen.

»Seit guat 30 Joah bi' i dabei, bei da Verserlschreiberei«, so beginnt das erste Gedicht seines neuen Buches. »De Verserlschreiberei«, so heißt es, und gibt seinen Lesern einen Einblick, wie der Berchtesgadener zum Schreiben gekommen ist und wie heute seine Gedichte entstehen. Angefangen hat er als Nikolaus, der auf den Weihnachtsfeiern des Sportvereins Verserl über seine Mitspieler dichtete. Anekdoten aus dem vergangenen Jahr waren dafür seine Inspiration.

Zuerst, erzählt Jüstel, hat er sich mit dem Dichten auf Hochdeutsch versucht, aber bald beschlossen, dass das in Berchtesgaden einfach nicht passt. Also entschied er sich für die Mundart. Die größte Schwierigkeit dabei sei die Schreibweise. Anfangs hat er sich deshalb das Buch »Berchtesgadener Mundart« von Franz Rasp zur Hilfe genommen. Mittlerweile hat er seine eigene Schreibweise. »Die Kunst ist, es so rüberzubringen, dass die Leute sagen: 'Ja, so reden wir.‹«

Entscheidend ist für ihn auch, wie ein Wort ausschaut. »Das ist oft schwer zu begründen«, gibt Jüstel zu. »Mir gefällt ein Wort manchmal einfach auf eine bestimmte Art besser.« Das ist aber auch etwas, das ihm am Schreiben in Mundart gefällt. »Man ist nicht so eingebunden. Im Hochdeutsch ist die Schreibweise dagegen vorgegeben.«

Worüber geredet wird, das ist bei Jüstel ganz unterschiedlich, von nachdenklich bis lustig ist alles dabei. Etwa das Gedicht »Unsa Lumpi«, bei dem es nicht etwa um einen Hund, sondern um einen Kanarienvogel geht. Oder das durchaus zeitkritische Verserl »'s brecket«. Lesern seines ersten Buchs wird »A Draam« bekannt vorkommen. Das Gedicht wurde schon vor 20 Jahren abgedruckt und schlägt nun eine Brücke zwischen seinem ersten und seinem zweiten Buch. Weitere Gedichte führen quer durch die Jahreszeiten, über Friedhöfe, zu Bücherwürmern und Märchenerzählern.

»Man kann über alles schreiben, es muss einem nur etwas einfallen«, so Jüstel. Ob, oder wie leicht ihm das fällt, hänge auch mit verschiedenen Lebensphasen zusammen. »Manchmal geht gar nichts und manchmal viel. Man muss ein Verserl erwarten können.«

Aber nicht alles, was ihm einfällt, soll die Öffentlichkeit lesen. Denn Jüstel will zwar auch die ein oder anderen Missstände aufzeigen, aber keinesfalls mit erhobenem Zeigefinger schreiben. Und »man kann auch nicht alles preisgeben«, ist er überzeugt. »Die Leute können viel aus den Verserln rauslesen.« Diese Einstellung bringt er in seinem neuen Buch auch mit dem Abschlussgedicht, »Gedank'n«, zum Ausdruck: »I hab oft Gedank'n, de red i net aus, de ghern mia alloa, koa Verserl wead draus.«

20 Jahre sind mittlerweile seit seinem ersten Buch »laß da Zeit, sitz di hi« vergangen. 20 Jahre, in denen sich einige Verserl in seiner Schublade angesammelt haben. Nun dachte sich Jüstel »Jetzt oder nie« und hat gemeinsam mit den Mitarbeitern der Druckerei des »Berchtesgadener Anzeigers« fieberhaft an dem neuen Buch gearbeitet. Besondere Hingucker sind übrigens die Zeichnungen von seinem Freund und Kollegen Alphons Zuhra.

Wer Manfred Jüstels neues Buch gerne unter den Weihnachtsbaum legen oder sich selbst eine Freude damit machen möchte, kann das Buch beim »Berchtesgadener Anzeiger« kaufen oder sich direkt bei Verserlsschrieber Manfred Jüstel unter der Telefonnummer 08652/2994 melden. ra